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1 (1876) A - Dänemark
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Cretililsmils und Idiotismus.

die (automatischen") oft ununterbrochenen und taktförmigcn Bewegungen mancherIdioten, die sich schaukeln, den Kopf schütteln, an den Fingern lecken, in die Händeklatschen, an die Wand schlagen, singen, murmeln, blasen n. dgl. Mehr, als dieKrämpfe, veranlassen diese Bewegungen zu der Frage nach einer ihnen zu Grundeliegenden Absicht, jedoch ohne daß eine Antwort möglich ist.

Die Gcschlechtswerkzeuge sind bei vielen Idioten höchsten Grades ziemlich verkümmertund damit auch ihre Verrichtungen unterdrückt; in andern Fällen sind sie auf gewöhn-licher Höhe entwickelt. Im ganzen aber ist der Idiotie eher eine Minderung, als eine(oft behauptete) Steigerung des Geschlcchtstriebes eigen, und der Glaube an letztere hatwohl am meisten seinen Anhalt in dem, wie leicht verständlich ist, schamlosen Benehmenmancher in geschlechtlicher Aufregung befindlicher Idioten.

Fassen wir schließlich noch nach ihrer Gcsammtcrscheinung, der geistigen und derkörperlichen, die Idioten in große Gruppen zusammen, so lassen sich folgende Haupt-arten unterscheiden: 1) die stumpfen und körperlich beträchtlich mißgestalteten Idioten.Sie sind meist von plumpem Ban, häßlichem altem Gesichte, trägen Körperbewegungen,geistig ticfstehend und von gleichgültig düsterem Wesen, oft in einen lebenslänglichtraumartigcn Zustand versunken. Ihre Erziehungs- und Bildungsfähigkeit ist ziemlichgleich Null. Dieser Gruppe schließen sich völlig die später besonders zu schilderndenCretinen an. 2) Die lebhafteren und dabei körperlich nicht sehr auffällig mißgestaltetenIdioten. Hier finden sich sehr verschiedene Stufen körperlicher und geistiger Unvoll-kommenheit vereinigt. Nur ganz im allgemeinen ist dabei Uebereinstimmung dem Maßenach zwischen den beiden Störungen warzunchmcn. Im einzelnen dagegen kann eingroßer Gegensatz bestehen und bedeutende geistige Schwäche bei tadelloser Körperbildungoder sehr mäßige Geistesschwäche bei erheblicher Mißgestalt sich finden. Auch die Stufender Bildnngsfähigkeit sind sehr verschieden. Bei manchen dieser Kranken ist- trotz ihremvielleicht heitern Aussehen und scheinbar auch innerlich regen Wesen nicht eine Spurvon Sprache und Verständnis zu finden; andere zeigen von letzterem mehr, sind aberdoch äußerst zerstreut; die niedcrststchendcn leiden mitunter an einer so gesteigertenäußeren Beweglichkeit, daß ihr Verhalten geradezu als Tobsucht zu bezeichnen ist. Einean Zahl sehr reiche Abtheilung in der Gruppe der körperlich wenig misgestaltetcn Idiotenbilden diezurückgebliebenen Kinder", mittlere und leichtere Grade von Idiotismus,bei denen der körperliche Fehler überwiegend oder einzig in allgemeinem Kleinbleibenohne Störung des Ebenmaßes, jedoch meist mit schwäcklichcr Beschaffenheit verbunden,besteht. Gleichfalls zahlreich ist eine andere Abtheilung, die bei körperlich oft tadelloserAusbildung ihren Idiotismus nicht erblicher Anlage, sondern stets Krankheiten deskindlichen Alters verdankt. Die beiden letztgenannten Abteilungen sind die günstigstenin dieser ganzen Gruppe von Idioten und liefern, Dank ihrer größern Entwicklungs-fähigkeit, manche Prachtstücke vonHeilung" in den Anstalten. 3) Eine sehr bedenklicheund wenig dankbare Ergebnisse liefernde Gruppe bilden die schwachsinnigen Kinder mitangeborner Stumpfheit des Gemüths und Verkehrtheit der Willensrichtung. In denmilderen Fällen machen sie nur den Eindruck großer Ocde, ja völliger Leblosigkeit nachder Seite des Gefühls; die ganze Möglichkeit ihrer Entwicklung ist abgeschlossen mitdem Gebiete des Verständnisses; alles andere besteht für sie nur spurweise oder garnicht. Anders in den schlimmen Fällen (die meist auf erblicher Anlage beruhen); Neigungzu Unfug, Diebstahl, Grausamkeit, Zerstörung äußert sich hier oft in der ausgeprägtestenWeise und führt diese Unglücklichen von der Jdiotenanstalt entweder in das Irrenhausoder, wenn ihre sonstige Entwicklung so weit gediehen ist, daß sie sich eine Zeit langin der Welt halten können, auf die Bank der Angeklagten und in die Strafanstalten.Uebrigcns findet sich das bezeichncte moralische, angeborene Gebrechen keineswegs nurbei Idioten; es kann vielmehr auch neben voller Entwicklung des Verständnisses sichzeigen und führt dann, vollends zu Erscheinungen, die doppelt sicher sind, im Fall desStreites mit den Gesetzen regelmäßig ganz verkehrt beurtheilt zu werden. 4) Einevierte Gruppe ist die der fallsüchtigen (epileptischen) Idioten. Ein Thcil von ihnen ist