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Coilfirmatiou und Abendmahl.
Treiben ein Ziel zu setzen, indem er den Kindern aufgiebt, ein geistlich Lied anzu- l
stimmen. Er hüte sich, wenn nicht fleißig genug gelernt ist, vor dem gewöhnlichen I
schulmäßigen Strafverfahren, sondern versuche durch ernste Beschämung mit schmerzlichem U
Worte den Schaden zu heilen. Auch während der Confirmandenstunde vorgefallene s
Ungezogenheiten, wenn sie nicht durch einen strafenden Blick oder ein kurzes Wort genug- j
sam gerügt werden können, richte er lieber nach der Stunde, und wenn der Fall zu !
flagrant ist, als daß der Unterricht in der rechten Stimmung und mit dein rechten :
Segen fortgesetzt werden könnte, empfiehlt es sich, den Unterricht ganz aufzuheben und i
nach einem Gebet für die Jugend kurz abbrechend dieselbe zu verlassen. Wir haben !
erfahren, was die Bemerkung: ich mag heute nicht mit euch singen! für einen Eindruckauf die Jugend machte. Große Weisheit und tiefen Ernst bedarf die Verhinderung derTändeleien, die sich zwischen den Geschlechtern, in Städten namentlich*), wie durch eineTradition entspinnen. Aber auch der Landgeistliche wird Ursache haben, zu wachen, obnicht irgendwo die volle Roheit erwachender Sinnenlust sich in Wort und Verlangenkund giebt. Namentlich da, wo die Kinder vom Filial kommen müßen, wache er treu,daß sie nicht durch wildes, wüstes Treiben auf dem Herweg sich für den Unterrichtzerstreuen, oder heimkehrend den empfangenen Segen verschütten. Sünden, die in derZeit des Katechumenats geschehen, werden besonders ernst geahndet als Versündigungengegen den Gott, der gerade jetzt sein heilsam Wort ihnen so reichlich austheilen läßt.
Je näher der Tag der feierlichen Handlung herankommt, desto größer werden dieGefahren der Zerstreuung, desto inehr wird von der pädagogischen und seclsorgerlicheuTreue des Geistlichen verlangt. Die neuen Kleider, das Ausschmücken der Kirche, dasGefühl, selbst der Gegenstand der Feier zu sein, das weltlich Festliche, das sich um dasKircheufest durch Einladung von Gästen, durch Veranstaltung von Mahlzeiten herum-lagert — das sind ebensoviele Gefahren für die andächtige Sammlung der Jugend.
Da gilt es Hirte der Lämmer zu sein. Man brauche das mahnende Wort fleißig,um allen äußerlichen Schmuck in seinen: Nichts darzustcllen, man begleite unter Um-ständen die Kinder selbst in den Wald, wenn das Fest mit Maien geschmückt werdensoll, man versuche, ob nicht die ältere Jugend den Schmuck der Kirche zu übernehmengeneigt ist, und namentlich, wenn die Feier vorüber ist, lasse man die jungen GästeChristi nicht dem Welt- und Satanstisch, sondern halte sie im Kreis der Familie,sammle sie zu gemeinsamem Gang am Tage des Festes und am Abend vereine mansich mit ihnen nochmals zum Gebet.
Doch wir sind damit von der Confirmation schon in das Gebiet der Abend-mahlsfeier herübergetreten. Das Abendmahl ist das Allerheiligste im neutestament-lichen Tempeldienst: es ist die reale Gegenwart des Gottmenschen in seiner Kirche, seinepersönliche Selbstmittheilung an den, der zum Allerheiligsten Zutritt hat. Wenn dieKirche es dahin bringt, daß die Jugend das Sacrament beim ersten Zutritt würdiggenießt, und wenn sie durch diese erste Bereitung zum. Nachtmahl den Communicanteneinen solchen Ernst für die Auffassung dieses heiligen Mysteriums in die Seele flößt, .daß sie das ganze Leben hindurch sich freiwillig immer wieder der Zucht des göttlichenGesetzes unterwerfen unh mit dem Ernste eines aufrichtigen Selbstgerichts beim Tische ^
des Hm'rm erscheinen, dann hat sie ein hochwichtiges Stück ihrer pädagogischen Aufgabe ^
an dem Volke gelöst: der Zögling der Kirche ist gewißermaßen sein eigener Erzieher si
geworden, der sich selbst immer wieder zu Christo hintreibt. Die ganze Einrichtung der ^
Confirmation vom ersten Unterricht an bis zur Handauflegung kann füglich als dieBemühung der Kirche gefaßt werden, das Kind abendmahlsfähig zu machen. Näher j
auf dies letzte Ziel weist der ans Ende des katechetischen Unterrichts tretende Unterricht '
von den Sacramenten hin. Aber die specielle Zubereitung tritt in der letzten Wochevor dem Genuß des Nachtmahls ein. Es kommt nun alles darauf an, daß das Kind ^
*) In Städten sollte man die Geschlechter ebendarum nur in abgesonderten Stunden zum !Unterricht kommen lassen. Anm. der Red.