Confirmatioil und Abendmahl.
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ein lebendiges Gefühl seiner Sünden gewinne und mit einem herzlichen Verlangen nachVergebung zum Tisch herantrete. Wenn der Herr nur Raum hat durch Neue undBuße, eine vffene Thür durch Glaube und Verlangen, dann wird er schon Einzughalten und alle Leere selig erfüllen. Darum, wenn nun endlich die Feier nur nochwenige Tage hinaussteht, ermahnen wir die Jugend zu ernster Selbstprüfung vor deinSpiegel des Gesetzes, zu herzlichen: Gebet um Erleuchtung, und gehen selbst mit ihnendie Gebote, die uns die Sünde anzeigen, Gottes Zorn über die Sünde offenbaren undzu Christo treiben, noch einmal durch. An den letzten Tagen vor der Confirmativngeschehe dann das „Beichtverhör", die Prüfung jedes einzelnen über Sündenerkenntnisund Glaube, in Gestalt eines innigen, liebevollen, seelsvrgerlichen Gesprächs*). Suchenwir durch dasselbe den Segen der Privatbeichte, mit Vermeidung starren Formenwesens,in der Vermittlung heiliger Hirtenliebe, der Jugend mitzutheilen. Wir haben die ein-zelnen kennen gelernt in monatelaugem täglichem Zusammensein; wir haben ihre Herzenaufzuschließen gesucht durch freundlichen Zuspruch; und nun tritt einer nach dem andernzu uns herein in die Betkammer des Pfarrhauses oder die Sacristei der Kirche. Wirlocken die Reue sowohl als den Glauben, daß sie offen und freudig über die Lippentreten, wir hören die Bekenntnisse der allgemeinen Sündhaftigkeit, Geständnisse einzelnerUebertrctungen, aber auch Zeugnisse zuversichtlichen Höffens auf die Gnade. Wir habenden Kindern vorher Rath gegeben, wie sie die Zeit zwischen dem Beichtverhör und demAbendmahl in heiliger Stille mit Gebet und Betrachtung zubriugen sollen — und nunüberlassen wir sie im Gebete den: Herrn, daß er mit ihnen thue nach seiner Barm-herzigkeit.
Mer nicht der Pfarrer allein hat zum Nachtmahl vorzubcreiten und auf dasselbeHoffnungen zu setzen, sondern mit ihm Eltern und Lehrer. Das müßte eine ober-flächliche Erziehung sein, die nicht auf den ersten Genuß des Abendmahls ihr Augen-merk richtete und Hoffnungen baute. Denn was die echte Erziehung in allem, was siethut, erstrebt: die Lösung des Menschen vom Bande des selbstischen Wesens und die Ver-setzung in das heilige Liebesleben: das fördert das hl- Abendmahl, wo es recht genossenwird, in seiner Weise mächtig. Indem der Communicant des Herrn Liebesgcmeinschaftverlangt, muß er nicht nur vor dem Herrn seine Sünde bekennen, sondern auch mitdenen, die der Herr mit ihm erlöst hat, mit seinen Nächsten, durch Bekenntnis derVergehungen gegen sie, in einen neuen Bund zu treten suchen. Und indem der Cvm-munieant Christum empfängt, empfängt er auch die, welche mit ihn: Christo angehören,aufs neue, diene Liebe blüht aus den: hl. Abendmahl auf. Fangen wir auch hier beider Jugend au, ein Neues zu pflügen! Da sind Eltern und Hausgenossen, Lehrer undSchulgenossen, mit denen, ob sie mit zur Communion gehen (vgl. den Artikel: Abend-mahlsfeier) oder nicht, vorher ins Reine gebracht werden muß, was getrübt ist. DieWahrheit des Bekenntnisses vor Gott wird sich an der Freudigkeit des Bekenntnissesvor Menschen messen lassen. Hi;r ist eine Einwirkung der Eltern und Lehrer möglich,die bis in die Lebenswurzel hinabgcht. Und wenn vvr dein Nachtmahl der Bußernstdie Atmosphäre des Hauses und der Schule gereinigt hat, so wird nach demselben derwarme Hauch der Liebe durch Haus und Schule wehen zum Gedeihen ihrer Pflanzungen.
In dem Maße nun als der Communicant noch unter erzreherischem Einfluß steht,wird auch jedes künftige Abendmahl Früchte für die Erziehung bringen. Darum wirdes mm namentlich das Haus sein, das allemal an dem Sacramcntsgenuß der Haus-genossen, einer für alle und alle für einen, fürbittend Theil nehmen soll, damit durchdie hl. Feier allemal dem gesammten Familienleben ein Segen erwachse. Den: Haus-vater aber wird es zukommen: erstens, darüber zu wachen, daß alle Hausgenossen,besonders die Söhne, die an: meisten in Gefahr sind, der Gnade sich zu entziehen, und
*) Wo der erste Abeudmahlögenuß auf den Sonntag nach der Konfirmation fällt, wie z. B.in Württemberg, kann dies erst am Ende der mit dem Consirmationösonntag beginnenden Wochegeschehen. D. Red.
Pädag. Encyklopädie. I. 2. Aufl,
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