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Ausgelassenheit.
bald sie der verdrießlichen Aufseher los, alsdann in ungleich unbändigeres und dissolu-teres Leben geratheu, als andere, welchen eine ziemliche Freiheit von Jugend auf gelassenworden' (nach vr. L. Wiese, die Bildung des Willens 1857). Bei Beurtheilung -und Behandlung jugendlicher Ausgelassenheit möge also der Erzieher das Wort aus !fGoethe's Faust nicht vergessen: ^
„Doch sind wir auch mit diesem nicht gefährdet, D
In wenig Jahren wird es anders sein: ss
Wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet,
Es giebt zuletzt doch noch 'n Wein." ,
(Baur, Erz.lehre 119). Wie sich von selbst versteht, soll mit dieser Bemerkung nicht , !behauptet werden, daß die genannten Ansbrüche jugendlicher Lebhaftigkeit vom pädagvgi- ischcn Standpuncte aus gleichgültig übersehen werden dürften. Das ist ja eine Aufgabedes Menschen, daß er Herr bleibe seiner Gefühle und sich nicht denselben willenlosüberlasse. Auch hier heißt es, wie man den Knaben gewöhnt in seiner Jugend, läßt ^
er nicht davon, wenn er alt wird (Spr. S. 22, 6). Wenn man die kleinen Kinder k
bei ihren Vergnügungen nicht in Schranken hält, so werden sie sich als Jünglinge in Vwilderen Ausbrüchen der Ungebundenheit gehen, vielleicht selbst in männlichen Jahren «sich noch manchmal von ihrer jeweiligen Gemüthsstimmung über Gebühr beherrschen Llassen, daher die oft an Roheit und Frevel grenzenden muthwilligen Streiche der heran- Awachsenden Jugend. Ausgelassene Mädchen verleugnen den weiblichen Charakter, wenn Asie nicht zur rechten Zeit noch einlenken. Es mag wohl Vorkommen, daß Mädchen dieserArt nach der Entwicklungsperiode umgewandelt erscheinen; „ aber man kann die liebens-würdige, vollkommene Unbefangenheit im Betragen doch viel eher bei herangewachsenenMädchen erwarten, die von frühester Kindheit an gewöhnt wurden, sich fein und sitt-sam zu benehmen, als bei denen, die inan erst, als sie groß wurden, anhielt, ein zu nfreies, unschickliches Benehmen abzulegen" (Raumer G. d. Päd. III, 4. Ausl. S. 397). IIn Schulen und Erziehungsanstalten muß schon wegen des Verhältnisses der Zöglinge ^zu einander und nur der zu handhabenden Ordnung willen den Uebertreibungen beim ^Spiel, den Ausbrüchen des Muthwillens, den Neckereien u. s. w. Einhalt gethan werden. ^
Geschieht das nicht, so schleicht sich ein Geist der Zügellosigkeit und Ungebundenhcit ein j!
welcher schwer zu überwältigen ist. Dian gewöhne also die Kinder, sobald sie sich be-sinnen und überlegen können, daß sie mit Besonnenheit und Ueberlegung handeln. Woes ohne Gefahr geschehen kann, mögen sie auch durch Schaden klug werden. Eine kleim ZVerwundung mit dem Messer und Aehnliches giebt eine heilsame Lehre für die Zukunft, snamentlich, wenn noch ein zeit- und sachgemäßes Wort daran angeschlosscn wird s(Bene.ke, Erzl. I, 168). Es wird auch sonst nicht an Veranlassungen fehlen, die l
Regel einzuschärfen: „Was du thust, bedenke das Ende; guiclguick uZis, xrullsntsr j
st rssilios üusm!" und den Erfahrungssatz zu beweisen: „Vorgethan und nachbedacht, :hat manchen in groß Leid gebracht." M^ gehe den Kindern mit Rath und Thal jan die Hand, daß sie sich in den Ausbrüchen ihrer Freude mäßigen lernen, gebe ihre» !Gedanken zur rechten Zeit eine andere Richtung und schärfe das Pflicht-, Rechts- u»>> jAnstandsgefühl, damit dieses vor andern Gefühlen und Empfindungen den Vorrang sbehaupte. Man halte strenge darauf, daß der in der Ausgelassenheit ausgeübte Schade» ;möglichst ersetzt werde und gewöhne die Kinder daran, daß es ihr Grundsatz werde„Was du nicht willst, daß man dir thu, das füg auch keinem andern zu." Kinder, ^die sich bei den Spielen nicht zu mäßigen wissen, mögen eine Zeitlang von den gemein- ^samen Spielen ausgeschlossen bleiben, damit sie Besonnenheit lernen. Unter Umstände» -kann diese Strafe über eine ganze Classe ausgesprochen werden. Selbst Noussea» ksagt bei Campe LV, S. 76: „Man gebe nicht zu, daß sie (die Kinder) einen Auge»- jblick in ihrem Leben keinen Zaum mehr kennen. Man gewöhne sie, sich mitten i» sihren Spielen ohne Murren unterbrechen und wieder zu andern Beschäftigungen führe» f
zu sehen." Baur a. a. O. 172. Wenn in einer Schule Muthwillen und Aus- ^
gelassenheit herrschender Ton werden, so hat es mit Unterricht und Erziehung ein Ende. . ^