Ausbildung.
Ausgelassenheit.
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das wcksünitum und in,löüuibils der Bildung sind; je verworrener die Bildungsideale, jeverschiedener die Wege und Mittel, um zu geistiger Ausbildung zu gelangen: desto ver-breiteter sind jene drei pathologischen Grundformen krankhafter Bildung oder Ausbildung— die einseitige, die oberflächliche und die schiefe Bildung oder Verbildung, — destonöthiger ist cs aber auch, solchen Abnormitäten das Wesen wahrer, gesunder, normalerAusbildung entgegenzustellen, was nun eben die Aufgabe der gesammten pädagogischenWissenschaft und Praxis sein muß?) Wagcnmann.
Attsgtlasscuhcit, Besonnenheit, Muth Wille, Neckerei. Ausgelassen seinheißt sich seinen in hohem Grade lebhaften Empfindungen hingeben, ohne sich in dengebührenden Schranken zu halten. Es kann jemand in der Trauer ausgelassen sein,wie in der Freude, in der Liebe, wie im Zorn. Goethe sagt in seinem Leben: , MeineNatur, von hinlänglicher Kraft unterstützt, schwankte zwischen den Extremen von aus-gelassener Lustigkeit und melancholischem Unbehagen" (Weigand, Shn. Wörtb. II,341). Ein siegreiches Heer scigt sich oft ausgelassen in grausamer Behandlung der Be-siegten. Die Kinder sind ausgelassen bei ihren Spielen und Vergnügungen, wenn siesich selbst vergessen, die Grenzen von Zeit und Anstand überschreiten, auch wohl dieRücksicht auf ihre Gesundheit außer Acht lassen und nichts darnach fragen, daß sieihrer Umgebung lästig werden, ihre Arbeiten versäumen u. s. w.
Mit der Ausgelassenheit der Jugend ist leicht Muth willen verbunden, d. h.die Lust, mit anderen Scherze zu treiben oder ihnen Streiche zu spielen, ohne darnachzu fragen, ob solche empfindlich sind oder nicht. Man läßt der augenblicklichen Stim-mung den Zügel schießen und fügt mitunter andern bedeutenden Schaden zu, ohne esgerade zu wollen. Der Muthwille wird zur Neckerei, wenn man darauf ausgcht,andere zu reizen oder in Verlegenheit zu bringen. Namentlich ist der Witzige in Ge-fahr, ein Necker zu werden, wenn er sich nicht frühe daran gewöhnt, seine Einfälle imZaume zu halten, und sich erst zu besinnen, che er spricht. Wie die genannten Fehlerin einander greifen, beweist das lat. xstulnntia, welches sie alle mehr oder minderbezeichnet. Vor solchen Verirrungen bleibt der Besonnene bewahrt, denn er über-legt, ehe er herausfährt zu reden, ehe er einen Entschluß faßt oder zur Ausführungbringt. Er prüft, ob es gut oder böse sei, was er vorhat, anständig oder unan-ständig, er berechnet die Folgen und geräth nicht leicht in eine solche Gemüthsstimmung,daß ihm das Abwägen von Gründen und Gegengründen unmöglich würde. Die Be-sonnenheit ist mehr dem späteren Alter eigen, als der Jugend; doch soll diese dazu an-gehalten werden, wenn inan ihr auch bei ihrer größeren Erregbarkeit unbesonnene Streichenoch nicht allzu hoch anrechnen darf. Unnatur wäre es, von den Kindern bei ihren Spie-len die Ruhe und das regelrechte Verhalten zu verlangen, was man von Erwachsenen er-wartet. Ihre Lebhaftigkeit reißt sic unwillkührlich zu Nebcrschrcitungen fort. Selbstnmthwillige Streiche und Neckereien sind gerade bei lebhaften Temperamenten nur eineKraftäußerung, welche der Erzieher wohl zügeln, aber nicht unterdrücken soll. Hebelist in seiner Jugend ein so ausgelassener, muthwilliger Knabe gewesen, wie nur wenigeseinesgleichen, und doch ein liebevoller, biederer Charakter geworden. Doch mehr alsbedenklich ist es, wenn Väter ihren Heranwachsenden Söhnen in muthwilligen, aus-gelassenen Streichen vorangehen, wohl dieselben daran theilnehmcn lassen, wie Dintervon seinem Vater erzählt (dessen Leben S. 18). Man beachte dabei die Erfahrung,daß .der Zunder des nicht gebrochenen, nicht geleiteten, sondern nur zurückgcdrängteunatürlichen Eigenwillens später so oft Funken fängt und zu Leben und Kraft verzehren-den Flammen ausschlägt. Schon Spencr hat dasselbe als seine Erfahrung bezeugt,daß solche, die auch von erlaubten Ergetzungen wider Willen zurückgerissen worden, so-
*) Für die ethische Stellung und Fassung des Begriffs der Ausbildung möge eS genügenaus die drei neusten Werke über christliche Ethik zu verweisen: R. Rothe, theologische Ethik.L Ausg. v. 1370. Band III, S. 243 ff. 332; Band IV, S. 21 ff. Martensen, christl. Ethik"1- S. 125 ff. Dettingen, christl. Sittenlehre. S. 452 und öfter.