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1 (1876) A - Dänemark
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Ausbildung.

relativen und spcciellen Zweck der Ausbildung für den bestimmten Beruf jederzeit nochder allgemeine und absolute der Bildung zur Humanität, der Tüchtigmachung fürsReich Gottes steht. Ein gebildeter Mensch kann einer sein, soll sogar jeder zuwerden suchen in sno Zsnsrs; es kann einer auch in einer bestimmten Branche sichvollkommen aus gebildet, seine Ausbildung abgeschlossen und vollendet haben, einen.ausgebildeten Menschen" (Goethe) aber schlechthin oder eineausgebildete Menschheit"(Fichte) giebt es im strengen Sinn des Wortes nicht und nie, sondern nur einegrößere oder geringere Annäherung an jenen pädagogischen linis llonornrn, an jenesschöne Ideal und jene vielmisbrauchte Phrase die harmonische Ausbildungaller Geistesvermögen.

Als Ideal und als kritisches Correctiv freilich hat dieses Ziel der har-monischen Ausbildung der geistig-sittlichen Einzelpcrsönlichkeit und der organisch-sociale»Ausbildung aller für die Zwecke der Humanität und des Gottesreiches seine volle Be-rechtigung, und muß jedem vorschweben, dem die Ausbildung seiner selbst oder andererberufsmäßig am Herzen liegt. Sonst führt die Ausbildung zu demjenigen fehlerhaftenResultat, welches im schlimmen Sinne des Wortes einseitige Bildung heißtAusbildung einer einzelnen Seite des Menschen für einen besondern Zweck auf Kostenanderer ebenso wesentlicher oder gar wichtigerer und höherer Seiten und Zwecke, oderans Kosten der geistigen und sittlichen Ganzheit und Gesundheit. In ihren: äußerste»Extrem wird diese einseitige Ausbildung zur Abrichtung oder Dressur, welche dasRecht und den Werth der menschlichen Persönlichkeit nichtachtend, den Menschen ledig-lich wie ein Naturobject durch äußere Mittel der Gewöhnung oder des Zwangs fürgewiße äußerliche Zwecke zurecht zu machen sucht, die aber eben darum das geradeGegentheil der Ausbildung ist (s. den Art. Abrichten). Eben weil jeder Mensch ein-seitig ist oder weil cs im Wesen der allgemein menschlichen wie der mannigfachen in-dividuellen Beschränktheit liegt, daß eine gewiße Einseitigkeit der Ausbildung unver-meidlich ist: so ist die Gefahr einer fehlerhaften, die Erreichung der höheren Lebens-zwecke störenden Einseitigkeit um so größer, je vielseitiger die Anforderungen des Lebenssich gestalten; und sie ist am größten gerade da, wo ein einzelnes hervorragendes Ta-lent vielleicht bis zur Virtuosität ansgebildet wird, während der ganze Mensch unge-bildet und unerzogen bleibt.

Als Scylla aber liegt dieser Charybdis der einseitigen Ausbildung gegenüber dieoberflächliche Bildung oder Halbbildung,das in omnibus aliguick, in totoniüil," jenes flüchtige oder dilettantische Aufnchmcn und Zusammcnrafsen der verschieden-artigste» Bildnngselcmente oder Bildungsfragmcnte, jene bloße Umklcidung eines inner-lich rohen und ungebildeten Individuums mit den äußern Formen und einem, andereHalbgebildete vielleicht blendenden Schein der Bildung, wobei es fehlt an der rechte»Heraus- und Hineinbildung, an der von innen nach außen gehenden und wiedervon außen nach innen: .sich vertiefenden Durchbildung der Persönlichkeit, und insbeson-dere an jenen: für alle Pädagogik unentbehrlichen Moment der Umbildung des altenMenschen, der Zucht und Selbstzucht des neuen eineBildung" ohne Ausbildung,ohne Umbildung, ohne Durchbildung, aber gemeiniglich voll Einbildung. Währendeine treue und besonnene, gewissenhafte und zweckmäßige Ausbildung auf die geistigeKraft und Anlage selbst stärkend und fördernd zurückwirkt, so kann dagegen solche ein-seitige oder oberflächliche, halbe und hohle, Schein- und Afterbildung nicht andersals hemmend und störend einwirken auf das gesammte geistige und sittliche Leben, ausdie Gesundheit des inner:: Menschen, wie in der Regel auch auf seine äußere Lebens-gestaltung. Statt zu gesunder Entfaltung und befriedigender Lebensstellung führt dieeinseitige sowohl als die oberflächliche Ausbildung vielmehr zu krankhafter Mißbildungoder Verbildung, zur Verkrüppelung oder Verhunzung des Gottcsbildes in: Menschen,und zu einer schiefen und verfehlten Stellung des Individuums in der menschlichenGesellschaft.

Je unklarer in einer Zeit wie die gegenwärtige die Begriffe und Meinungen über