Ausbildung.
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des Aneigneus wie die des Schaffens, die großen und edlen Grundfactorcn des höherengeistigen und sittlichen Lebens, wie die niedrigeren, aber dennoch unentbehrlichen Kräfteund Vermögen, die den Bedürfnissen des praktischen Lebens dienen, oder, jene scheinbarnur zum Luxus beigegebenen Fähigkeiten und Talente, die dazu beitragen, das Leben,das sociale wie das Einzelleben, auszuschmücken und zu verschönern. Wer eine schöneStimme, wer die Gabe des Witzes, wer ein Talent zur Mimik hat, der mag sie immerausbildend veredeln, wie ein anderer seine technischen Anlagen ausbildet für die saureWerktagsarbeit des Lebens. Nur daß keiner die minder werthvolle Anlage ausbildeauf Kosten der werthvollen, und daß er nicht über dem Ausbilden einer einzelnen Seitedas Ziel aller Ausbildung aus dem Auge verliere.
Eben dieses Ziel, der allgemeine und specielle Bildun gszwcck ist es, wodurchder Werth der einzelnen Anlagen und ihrer Ausbildung erst 'seine nähere Bestimmungerhält. Die Ausbildung muß nicht bloß ein Substrat, sondern auch einen Zweck ha-ben, — ein Ziel, das bei dem Bildungsproceß angestrebt wird, ein Resultat, das dabeischließlich herauskommt. Dies ist der tseminun uck gusm, wie die natürliche Begabungder tsrminus u quo des ganzen Processes; dies die teleologische, wie die Anlage diephysische Begrenzung des Begriffs der Ausbildung; und auch dieses Moment unter-scheidet ihn vom Begriff der Bildung. Bildung ist Selbstzweck, die Ausbildung aberhat einen Zweck und soll einen haben, und taugt nur dann etwas, wenn sie diesemZweck sich unterordnet. Wer, herumtastend und experimcntirend, bald diese bald jenegeistige Kraft oder Anlage in sich oder an einem andern ausbilden wollte, der würdezwecklos arbeiten, und darum auch resultatlos. Wer sich oder andere ausbilden will,der muß zuerst wissen, wozu? oder es muß wenigstens im Verlauf des Bildungspro-cesses ein Punct kommen, wo er sich dieses Zieles, des allgemeinen wie des besonder»Berufes, für den er sich ausbildcn will, bewußt wird und dafür sich entscheidet. Schulen,Gymnasien, Universitäten sind und sollen sein Bildungsanstalten, nicht Ausbilduugs-mch weniger Abrichtungsanstalten, weil (auch bei der akademischen Fachbildung) nichtEinübung für das einzelne Fach sondern Bildung des ganzen Menschen oder Berufs-bildung auf Grundlage allgemeiner Bildung ihr Hauptzweck ist. Dagegen giebt esAnstalten zur Ausbildung von Schullehrern, Technikern, von Diakonissinnen u. dgl.wobei eben die Tüchtigmachung für diesen besonder« Beruf, die Ausbildung für denspeciellcn Zweck die Hauptsache ist. Es ist ja überhaupt der Beruf des Menschenund daher auch der Zweck für die Ausbildung seiner Anlagen ein doppelter: derallgemeine, für alle wesentlich gleiche Menschcnberus, und der specielle, durch individuelleAnlage, Lebensstellung und eigene Wahl bedingte Sonderberuf des Einzelnen. Jenemwie diesem soll die Ausbildung dienen: Du sollst dich d. h. deine individuellen Gabenund Anlagen ausbilden, um zu wahrhaft menschlicher Bildung zu gelangen, um einganzer gesunder Mensch, eine geistigsittliche Persönlichkeit, um tüchtig zu werden fürGottes Reich. Auf dem Weg nach diesem Ziele giebt es keinen Stillstand, keinen Ab-schluß, wenigstens im Diesseits. Aber neben und innerhalb dieses allgemeinen Menschen-berufs, für den und in dein ein jeder sich fort und fort bilden soll, steht der besonderePersönliche Lebensberuf, für den nun eben auch eine besondere Ausbildung auf der Ba-sis der natürlichen Anlagen erfordert wird, damit der natürlichen Bestimmtheit dieberufsmäßige Bestimmung und Richtung gegeben werde, damit die für den besonder»Beruf erforderlichen Kräfte geübt, Kenntnisse erwerben, Fertigkeiten angeeignct werdenund so neben und in der allgemeinen Tüchtigkeit fürs Leben die besondere Berufs-tuchtigkeit erwachse. Eben in dieser liegt dann der relative Abschluß der Ausbildungfür den Einzelnen: sic ist vollendet, wenn er die für seinen besondern Beruf und für seineindividuelle Lebensstellung erforderliche geistige und sittliche Tüchtigkeit erlangt hat.; Freilich bezeichnet auch hier Ausbildung nur einen relativen, nicht einen absoluten-. Abschluß: theils weil schon die specielle Berufstüchtigkcit niemals eine absolut voll-kommene, sondern Fortbildung auch innerhalb des Berufs und für den Beruf jedemAnochwendig ist (,mau lernt nie aus:" sagt das Sprüchwort), theils weil über diesem