Druckschrift 
1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
Seite
329
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Augustinus.

32 !)

! hindurch bis zu den argen Verirrungen des Jünglings; überall kommt er zu dem Re-sultat:Ist das kindliche Unschuld? Nein, sie ist es nicht!" (Oder Cap. 12: tnn-tillus puor st tautus zisvos-tor!) Uebcrall findet er, daß alle die Entschuldigungen desjugendlichen Bösen nichtig seien, daß es wirklich die Lust am Bösen, an der Sündeals Sünde sei, was zum.Thun des Verbotenen reize (B. II. Cap. 4 und 6). Abernie unterläßt er, auch der selbst unter seinen Sünden ihn im Auge behaltenden gött-lichen Liebe zu gedenken und sie zu preisen, daß sie ihn darin nicht untergehen ließ.(B. III. Cap. 3:Aber von ferne schwebte um mich dein treues Erbarmen; überallk züchtigtest du mich, in welchen Pfuhl von Schändlichkeiten ick, mich auch warf"; B. II.Cap- 7:Lieben will ich dich, Herr, danken dir und deinen Namen bekennen, daß dueine solche Sünde vergeben hast; denn wem danke ich's, als deiner Gnade und Er-s barmung, daß du meine Sünden schmelztest wie das Eis?" B. III. Cap. 11:Duz recktest deine Hand aus der Höhe und rißest aus dieser tiefen Nacht meine Seele, da^ für mich meine Mutter, deine Getreue, inniger zu dir weinte, als sonst Mütter ihrek leiblich Todten beweinen. Sie sah mich dem Glauben und dem Geiste gestorben, diek sie von dir empfangen hatte, und du erhörtest sie. Du hast nicht verachtet ihre Thrä-k neu, womit ihre Augen die Erde netzten, wo sie zu dir rief, o treues Erbarmen, undI du erhörtest sie!")

I In der andern obengenannten Beziehung geben uns Augustins Jugcnderinnerungen! eine Zeichnung von der Bildungslaufbahn, auf die selbst Christen, wenn sie überhaupt8 eine wissenschaftliche und staatsmännische Bildung erlangen wollten, angewiesen waren,d weil keine eigenen christlichen Lehranstalten bestanden (die einzige Schule zu Alexandria,k s. d. Art., reichte natürlich nicht für Abendland und Morgenland aus und war, außcr-r dem daß ihre ursprüngliche Bestimmung eine andere war, zu Augustins Zeiten auch8 weit über ihre Blütezeit hinaus und ihrem Ende nahe). Nicht nur der Vater Augu-8 stins wollte einen Redner aus seinem Sohne machen, sondern auch die Mutter wußtes es nicht anders; so las er denn in der Schule heidnische Schriftsteller, an denen seineI Phantasie sich erhitzte; ein Schnitzer galt für ein viel größeres Verbrechen als ein sitt-» lichcs Vergehen. Zum Lernen habe man ihn anfangs zwingen müßen (B. I. Cap. 12);» die ersten Pensen, Lesen, Schreiben, Rechnen habe er für Last und Qual gehalten« (Cap. 13); aber als er lesen gekonnt, haben ihn die Mythen so sehr angezogcn, daß,I wenn ihn jemand am Lesen derselben verhindert habe, er darüber ärgerlich geworden«sei; nur das Spiel war ihm oft lieber als solches Lernen.Solchen Wein des Jrr-I thums setzten uns die von ihn: trunkenen Lehrer vor. Tranken wir nicht, so wurden«wir geschlagen und fanden keinen nüchternen Richter, um Hülfe zu suchen." Die Schul-»disciplin erscheint als eine sehr rohe (B. I. Cap. 9:Ich flehte zu dir, so klein ich war,k mit nicht kleiner Inbrunst roAudam ts xarvus nou xmrvo -Esotu, du mögest«mich in der Schule vor Schlägen bewahren. Und da du mich nicht erhörtest, damit«mich die scharfe Zucht weiser mache, lachten die älteren Leute, selbst die Eltern, meiner« Plagen ... Ich erhielt Streiche, weil ich gerne Ball spielte und dadurch am ErlernenI jener Kenntnisse gehindert wurde, mit welchen ich in späten Jahren noch häßlicher. spielen»sollte.') Dies bezieht sich auf den höhern Curs in der Rhetorik, wo er lernen mußte,I mit advocatischer Sophistik die Wahrheit behandeln und mißhandeln. (B. III, Cap. 3:I .Auch jene wissenschaftlichen Bestrebungen, für so ehrenvoll gehalten, reizten mich nurlim Hinblick auf die Processe vor den Gerichten, wo man, je trüglicher, desto löblicher»sich hervorthut; denn so verblendet sind die Menschen, daß sie ihrer Verblendung sichIsogar rühmen, s üo lauckudilior, guo IrÄuckuIölltior; tauts, S8t vaovitas dominum,ck« vasoitato stiam Aloiiantiums). Welchen Einfluß das Theater auf die Phantasiedes Knaben und Jünglings übte, schildert er B. III. Cap. 2. Einen mächtigen Ein-druck machte es auf ihn, als er an eine philosophische Schrift von Cicero gerietst(B. III. Cap. 4); es erwachte das philosophische Interesse in ihm, und merkwürdig ist,>me dies in ihm sogleich eine religiöse Richtung nahm; der Durst nach Weisheit, denHcero in ihm geweckt, trieb ihn zum Gebet; und so sehr ihn das Buch anzog, es