328
AiMstimis.
bildung Bemerkenswerthes darbietet, und was uns, als Zug im Leben eines Mannes vonsolcher Größe, um so werthvoller ist, weil wir uns ein historisches Bild von derPädagogik der altchristlichen Jahrhunderte fast nur aus solchen Zügen construirey können.
Zunächst ist es das Bild seiner vortrefflichen Mutter Moniea, was den christ-lichen Pädagogen in hohem Grade interessiren muß: wie sie ihren noch heidnischen,aufbrausenden Gatten Patricius durch unendliche Liebe und Sanftmuth für das Christen-thum zu gewinnen weiß; — wie sie in ihres Sohnes früheste Kindheit mit inbrünstigerund doch immer zarter Frömmigkeit die Saatkörner christlichen Lebens ausstreut, dieauch unter jahrelanger Verschüttung dennoch nie erstürben und später so reichlicheFrucht trugen; wie sie Jahrzehnte hindurch Kummer über Kummer um des Sohneswillen zu tragen hat, da er, feurig von Natur, von rasch auflodernder Sinnlichkeit,unruhig und unternehmend, auf schlimme Abwege geräth, gestachelt vornehmlich von zweiLeidenschaften, Ehrgeiz und Fleischeslust, und ihm selbst das Suchen nach Wahrheit zurVersuchung wird, indem er in der Manichäer Hände fällt; — wie sie aber nie abläßt,für ihn zu beten und zu hoffen, denn „der Sohn so vieler Thränen kann ja nicht ver-loren gehen" (dies sagte ihr nach Oonl. III, 12. „ein gewißer Bischof", der Traditionnach Ambrosius, was aber chronologisch nicht denkbar ist, nach wahrscheinlicher An-nahme der Bischof von Tagastä); — wie sie ihn, in die Heimat zurückgekehrt, miteiner Geliebten und einem Sohne (Adeodatus), wieder aufnimmt, sich selbst auch einerSchuld anklagend, weil sie sich seiner Schulbildung unter heidnischen Lehrern nichtwidersetzt; wie sie ihn als gefeierten Redner und Lehrer der Beredtsainkeit abermalsvon sich lassen muß, da er nach Carthago und Rom und, weil er nirgends Friedenfindet, nach Mailand geht, wo ihn der heilige Ambrosius sowohl durch seine Redner-gabe als durch die Macht seiner ganzen Persönlichkeit dergestalt fesselt, daß er sich,endlich aus seinen mannichäischen Thvrheiten und aus seinem weltlichen Sinne los-ringt (aus jenen leichter als ans diesem); — wie endlich die treue Mutter, die ihm dahinnachgegangen, ihn als einen neuen Menschen wiederfindet, der sich nach ernster Vor-bereitung in der Osternacht 387 von Ambrosius taufen läßt. (An diesen Momentknüpft die christliche Sage die Entstehung des sogenannten ambrosianischen Lobgesanges,des Ns Dsnlli, der jedoch älter und ohne Zweifel morgenländischen Ursprungs ist; beiAugustins Taufe nämlich soll Ambrosius begeistert in die Worte ausgebrochen sein:Ns Usum 1s.ucks.wu8, Augustin habe ebenso zugleich dichtend und singend respondirt:Ns Dominum sonütsinnr, und so sei der ganze Hymnus das Werk dieses Momentsgewesen, indem jedes Zeilenpaar auf gleiche Weise von beiden Männern inmitten derGemeinde gesungen worden, bis Augustin mit in ts ckoinins sxsrsvi geschlossen habe,worauf Moniea ihn mit den Worten bewillkommt habe: ruslo ts ollri8tis.uuiu ^VuFU8ti-nnnr gunin impsrntorsin ^.nZnotuin.) Ihres Lebens höchsten Wunsch hatte sie erreicht;kurz darauf gieng sie ein zur Ruhe. (Eine überaus anziehende Lebensschilderung hatAhlfeld gegeben in dem Schriftchen: Moniea, ein Lebensbild; Hamburg, Agentur desrauhen Hauses, 1853. 55 Seiten.)
So schön dieses Bild christlich-mütterlicher Liebe ist, so düster erschien dem Augustinin seinen Mannesjahren sein Jugendleben; Helle glänzt daraus der Name der Mutterhervor, aber sowohl was er im eigenen Herzen getragen und verübt zu haben sich er-innert, als was die Lehrer an ihm thaten und nicht thaten, das stellt sich ihm alslauter Sünde und Thorheit vor Augen. Von hohem pädagogischem Werthe sind indieser Beziehung seine Bekenntnisse (6outs88iouuin libri L; die neueste, sehr schöne Aus-gabe, besorgt von K. v. Raumer, ist 1856, Stuttgart bei S. G. Liesching erschienen;in demselben Verlag erschien 1838 (3. Aust. 1856) eine mit Geschmack bearbeite deutscheUebersetzung unter dem Titel: „Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus als ein Zeug-nis christlichen Glaubens zur Anregung einer tieferen Gottes- und Selbstkenntnis', ausdem Lateinischen übertragen von Georg Rapp). Schon in den ersten Regungen kindischenEigenwillens erkennt Augustin (B. I. Cap. 7) die sündige Begehrlichkeit und verfolgtdie Züge der sich aus diesen Anfängen weiter entwickelnden Sünde durch alle Stadien