Aufsätze iu der Volksschule. Augustinus. 327
Positionen und auf der Grundlage davon Rcconstructioneu); Ausbildungen (Erweite-rungen und Ergänzungen, namentlich durch Eingehen in den Sinn und die Gedankender handelnden Personen, detaillirtere Darstellung der Verhältnisse und äußern Um-stände); Nachbildungen, (z. B. Beschreibungen von weiteren Naturgegenständen,Thiercn rc. nach der bei andern Beschreibungen gefundenen Gedankenvrdnung; Dar-stellung specieller Naturvorgänge nach dem Muster allgemeiner Darstellungen: Jnsecten-vcrwandlung, Verwandlungen der Seidenraupe; Uebertragung von Fabeln auf all-gemeine inenschliche und geschichtliche Verhältnisse, wie der Fabel „der Fuchs und dieTraube" auf das Thema: der Knabe und der mit Geschenken behangene Kletterbaum;der Fabel „der alte Löwe" auf Napoleon in St. Helena u. s. w.). Proben bei Otto,Jost, Rudolph, Schwarz.
Was nun aber freilich bei der besten Methode dem Lehrer der Volksschule als diegrößte Schwierigkeit und die sauerste Mühe zurückbleiben wird, das ist endlich die Con -trole und Correctur der gefertigten Arbeiten. Hier hilft weder ein Versuch, sichder Last zu entziehen, noch ein Murren und Klagen, sondern einfach die Treue, welche eslernt, auch dein gebotenen Unangenehmen im Pflichtgefühl sich gerne zu unterziehen.Damit jedoch der Lehrer sich seine Last nicht unnöthig erschwere, ist zu bemerken, daß jeeinfacher die Aufgaben und je vorbereiteter die Lösungen sind, desto eher eine gemein-same und öffentliche Correctur eintreten — und je mehr dieselben im Zusammenhang mitdem gegebenen Lesestoffe sich halten, desto leichter auch eine Mithülfe von Seiten derSchüler stattfinden kann. Daß bei der Correctur selbst die Thätigkeit der Schüler da-durch, daß der Lehrer das Falsche bloß mit Zeichen andeutet und eigene Nachbesserungverlangt, in Anspruch genommen werden muß, lehrt eine umsichtige Didaktik von selbsttvgl. d. Artikel „Aufgaben"). Zweckmäßige Rathschläge hinsichtlich der Correctur derAufsätze giebt Ostertag im württ. Schulwochenblatt, 1873. S. 45 ff. Er dringtnamentlich darauf, daß mit der Correctur eine öffentliche Rccension von je 8 bisio Heften in Abwechslung zwischen den verschiedenen Schülern sich verbinde, ans derenGrund jeder Schüler seine Fehler zu verbessern habe. Eiscnlvhr st. Burk.
Aufsätze, lateinische, s. Lateinische Sprache.
Aufsicht, s. Beaufsichtigung.
Aufsicht, Schulaufsicht, s. Schulregiment.
Attfstcisttil, s. Versetzung.
Augustinus (Aurelius), der größte Kirchenvater des Abendlandes, geb. zu Tagastäin Nordafrika 353, s als Bischof von Hippo 429. Des Mannes hohe Bedeutung, dieihm sowohl" als dem Begründer der erst wieder im Protestantismus zu voller Anerkennunggelangten und fixirteu, echt evangelischen Lehre von Sünde und Gnade, wie andererseitsals einem Hauptträger der Idee einer einheitlich organisirten, mit höchster Auctoritätausgestatteten katholischen Kirche gebührt (weshalb er nach der einen Seite eben so sehrder Patron Luthers und der evangelischen Kirche, wie nach der andern der Patron desKatholicismus, ein specifisch katholischer Heiliger ist) — haben wir hier nicht näher zuerörtern; für Nichttheologen dient zu diesem Zwecke Ncanders Schilderung im II.Bandeseiner „Denkwürdigkeiten"; Böhringer, Kirchengeschichte in Biographien I. 3.S. 99—774; Hagenbachs Vorlesungen über die Geschichte der alten Kirche u. a. m.Was unseren: Kirchenvater die Ehre einbrachte, auch von den Pädagogen beachtet, d. h.vornehmlich geschmäht zu werden — seine Lehre von der Erbsünde als einem vonAdams Fall sich herdatirenden, durchs ganze Geschlecht sich forterbenden, in den: Ge-lüste sich kundgebenden sittlichen Verderben —: dies lassen wir als Lehre mit ihrenPädagogischen Consequenzen hier ebenfalls noch bei Seite, da dem Dogma von derErbsünde nach seiner pädagogischen Wahrheit und Bedeutung ein eigener Artikel ge-widmet und dabei ans die augustinische Gestaltung dieser Lehre Rücksicht genommenwerden wird. Gegenwärtige Zeilen dagegen haben nur den Zweck, namhaft zu mache::,was sich in Augustins persönlicher Lebensentwicklung theils in allgemein pädagogischerHinsicht, theils in Bezug auf die Geschichte der altchristlichen Erziehung und Schul-