Aufsätze in der Volksschule.
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lichcn Ausdruck ihrer Gedanken in den mannigfaltigen Verhältnissen des Lebens zu be-fähigen. Es wäre daher verkehrt, wenn man sich bei der Auswahl des Stoffes aufdas im übrigen Unterricht Vorgckommene beschränken wollte. Gerade der Aufsatz bietetGelegenheit, den Kreis des bloß schulmäßigen Lernens zu durchbrechen und auch demSchüler einen Eindruck von dein „uou svlwls-s, ssck vitas" zu geben, und eben hieraufberuht zum nicht geringsten Theile der Reiz, welchen diese Hebungen für begabtere Schülerhaben. Man greife daher bei der Wahl der Aufgaben getrost hinein ins volle Leben,aber in dasjenige Leben, in welchem das Kind zu Hause ist. Die Leiden und Freudendes Hauses, die Feste der Kirche, die patriotischen Gedenktage, die Jahres- und Tages-zeiten mit dein Wechsel ihrer Erscheinungen und Beschäftigungen bieten des Stoffesmehr als genug.
Sollen nun aber auch die willkürlichen Formen schriftlichen Ausdrucks, welche sichder gesellige und geschäftliche Verkehr der Erwachsenen gegeben hat, und deren Kenntniszum äußeren Fortkommen in der bürgerlichen Gesellschaft nöthig ist, von der Schule inden Kreis ihrer Aufsatzübungcn gezogen werden? Soll man also Geschäftsaufsätze,Briefe, Quittungen, Eingaben an Behörden u. s. w. von den Schülern anfertigen lassen?Früher wurde (vgl. die oben citirte hessische Schulverordnung von 1835) gerade diesenHebungen ein besonderer Werth beigelegt und vornehmlich dieser praktischen Nutzbarkeithaben es die Aufsatzübungen zu danken, daß sie Einlaß in die Volksschule gefundenhaben. Seit man aber anfieng das Hauptgewicht auf die sog. formale Bildung zulegen, ist man geneigt, die genannten Hebungen als etwas mechanisches der Würde derSchule nicht entsprechendes vom Unterrichte auszuschließen. Und es wird nicht zu leug-nen sein, daß den im schulpflichtigen Alter stehenden Kindern die meisten der Lebens-verhältnisse, auf welche sich jene Geschäftsaufsätze beziehen, noch zu ferne liegen, als daßsie für die letzteren das erforderliche Interesse und Verständnis haben könntest, und dieErfahrung zeigt, daß die den Schülern mühsam beigebrachte Kenntnis solcher Formenmeist wieder verloren geht, ehe das Leben Gelegenheit zu deren Anwendung bietet.Wären daher allenthalben für die aus der Alltagsschule entlassene Jugend Fortbildungs-schulen eingerichtet und ihr Besuch ein allgemeiner, so wäre es sicher das Gerathensteihnen die Einübung jener Formen zu überlassen, und die eigentliche Volksschule hättebilligen Anforderungen rücksichtlich der Brauchbarkeit ihrer Schüler auch für das ge-schäftliche Leben vollständig genügt, wenn sie denselben die Fertigkeit zum geordnetenschriftlichen Ausdruck ihrer Gedanken mit ans den Weg gäbe, denn so vorgebildete jungeLeute würden in späteren Jahren ohne viele Mühe einen Brief, eine Quittung, einZeitungsinserat und dgl. abzufassen im Stande sein, wenn das Leben selbst ihnen denInhalt und die Fortbildungsschule die eonventionelle Form darböte. Da aber der all-gemeinen Einführung solcher Schulen mit obligatorischem Besuch nicht wenige Bedenkenund Hindernisse im Wege stehen, so sind wir vorläufig und wohl noch für eine geraumeZeit genöthigt, wie so manches andere, was besser dem Unterrichte der reiferen JugendVorbehalten bliebe, so auch die auf den schriftlichen Geschäftsverkehr bezüglichen He-bungen in die Volksschule herein zu nehmen auf die Gefahr hin, daß manches vondem Gelernten wieder verloren gehe. Hieraus folgt, daß man sich in dieser Hinsichtmit dem Nothwendigsten zu begnügen, dieses aber um so fester einzuprägcn hat.
Was sofort die bei der Schwierigkeit der Behandlung des Gegenstandes doppeltwichtige Methodik desselben betrifft, so sind hier zum voraus einige sehr gewöhn-liche schlimme Vcrfahrungsweisen ferne zu halten. „Man lehrt ein Kind in der Volks-schule nicht schriftlich sprechen, wenn man drei und mehre Jahre es mit nichts dazuhm übt, dann Hebungen in der Orthographie anhebt und sich vorsetzt, alsdannzum Weitern zu schreiten, wenn dieses Richtigschreiben werde errungen sein. Beisolcher Lehrerproccdur schreitet dann die thcure Schulzeit flügclschnell dahin, ebensoschnell das Kind, ja um so eiliger, je mehr bei solchem Treiben ihm die Schule bittergeworden sein muß, zu ihrer Thüre hinaus. — Setzt der und der Lehrer zu den ge-dachten leeren Hebungen etwa noch ein Dictiren von Briefen, Quittungen u. s. w.
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