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1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
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321
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Aufsätze in der Volksschule.

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folgt, daß sich die Volksschule der Pflicht geflissentlicher Uebung in schriftlicher Dar-stellung am allerwenigsten entziehen darf. Freilich kommt aber alles darauf an, daßdiese ganze Thätigkeit innerhalb der durch die Natur der Sache und das Wesen desVolks gebotenen richtigen Maße gehalten und die Schwierigkeiten derselben mitHülfe einer zweckmäßigen Methode erleichtert werden.

Es läßt sich nicht leugnen, daß die Nichtbeachtung der erster» ausgesprochenenRegel unseren: Nntcrrichtsgegenstande den empfindlichsten Eintrag gethan hat. Die fürdie schriftliche Darstellung in der Volksschule gestellten Grenzen lassen sich nicht unge-straft überschreiten. Sie betreffen aber theils das zu erstrebende Ziel, theils denzu behandelnden Gedanken st off. Die Volksschule muß einmal zum voraus aufalle Versuche in' der sogenanntenfreien Darstellung" verzichten. Unterliegt dieseUebung schon für die höheren Schulanstalten vielfachen und ernsten Bedenken, so istes doppelt verkehrt, sie in die Volksschule auch nur von ferne einführen zu wollen.(Schon der erfahrene Harnisch in seinem Handbuch für das Bolksschulwesen, 3 . A.Breslau 1839 . S. 414 sagt: »Der Mensch will erst gesättigt sein, ehe er zeugt. EinKind ist noch nicht kenntnissatt, sondern hungrig nach Kenntnissen. Es will deswegenlieber haben, als geben. Das »Seliger ist geben denn nehmen," setzt schon Reichthumvoraus. Man muß deshalb gar geringe Forderung in dieser Beziehung an die Volks-schule machen, da ja selbst Gymnasien auf diesem Gebiete keine großen Leistungen anf-zuweisen haben.Woher Brod nehmen in der Wüste?"" und O- Schulz,Schulbl. für d. Pr. Brand. 1836 . Heft 4 :Es giebt nichts verkehrteres, als eigeneGedanken und eigene Darstellung zu verlangen von Kindern, welche weder dieeigenen Gedanken zu beherrschen, noch in einer vorgeschriebenen Form zu bewegen wissen.")Und wenn Bormann in seiner sonst praktischen methodischen Anweisung zum Unter-richt in den deutschen Stilübungen ( 3 . Ausl. Berlin 1842 ) zu den verschiedenen Uebungs-ftufen auch noch eine Stufe derfreien" Darstellung, sei es nun nach Stoff oder Formhinzutretcn läßt, so kann dies nur in dem Sinne verstanden werden, daß die Schülerangeleitet werden müßen, auch solches nicderzuschreiben, was nach Stoff und Formnicht vorher schon als gegeben unmittelbar vorliegt, sondern erst in freier Unter-redung mit ihnen durchgesprochen worden ist. Aber irgendwie bekannt und durch-gearbeitet muß alles, was die Schüler zu behandeln haben, unter allen Umstän-den sein.

Damit hängt das andere zusammen, was über die Wahl des Stoffs zu be-merken ist. Dieser muß nicht bloß innerhalb des Gesichtskreises des Kindes überhaupt(auszuschließen alle Beziehungen auf verwickeltere Lebensverhältnisse, vgl. vr. Jost, dieSchule des freien Gedankenausdrucks in Rede und Schrift. Leipzig, 1853 . S. 35 f.)fallen, sondern der Bildungsstufe, Denkweise, dem Charakter des Volkskindes alssolchen entsprechen und ein natürliches Interesse für dasselbe darbicten, d. h. er mußvvlksthümlich er Art sein. Daraus ergeben sich insbesondere zwei Regeln. Es mußeinmal streng darauf gehalten werden, daß er kein anderes als ein gegenständliches,vbjectives Gepräge an sich trage. Schon oft genug ist darauf hingcwicsen worden, wiegefährlich es überhaupt ist, die Jugend aus der ihr so wohl anstehenden Naivetät her-auszutreiben und sie zu nöthigen, ihr Inneres zur Schau zu legen.Ein Kind, dasdiese Scheu gar zu leicht überwindet und in der Darlegung seiner Gedanken undEmpfindungen sich gefällt, hat schon einen Theil seiner Kindlichkeit verloren, undes steht selbst in Gefahr, sich über sein Inneres zu täuschen, oder gar mit Gefühlenund Empfindungen ein unheimliches Spiel zu treiben." (Bormann, Wackernagel, Crügera. a. O. besonders für Mädchenschulen zu beachten!) Diese Rücksicht tritt aberdoppelt gewichtig bei der Bildung des Volks ein, das nach der ganzen realistischenRichtung seiner Thätigkeit nichts weniger als zu Selbstreflepionen und Betrachtungender Verhältnisse der Dinge und Ereignisse zur eigenen Person geschaffen ist und durchAnleitung zum Raisonniren" in seiner gesunden Art nur zerrüttet würde. Daher müßensich auch die schriftlichen Darstellungen, rücksichtlich ihres Inhalts, an Erlebtes, Ge-

Pädag. Encyklopüdie. I. 2 . Aufl. 21