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1 (1876) A - Dänemark
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Aufsätze in der Bolksschulc.

Volksmasse von den Zuständen einer beengenden bürgerlichen und socialen Bevormun-dung und ihre Theilnahme an dem gemeinsamen geistigen Gut der Nation eineSteigerung der Fähigkeit, in den schriftlichen Verkehr einzutreten, gebieterisch ver-langt.Nichts hält die allgemeine Bildung, namentlich die Ausgleichung unter denStänden so sehr zurück, als der weit verbreitete Mangel an Geschick im Gebrauch derSprache," sagt Schleiermacher (Erziehuugslehrc, herausgeg. v. Platz. 1849. S. 46S) ,

und fordert eben deswegen auch für die Volksschule: »die Zöglinge sollen nicht allein >auffassen, sondern auch produciren (d. h. im weitern Sinn: darstellend An das lo-gische Element der Sprache schließt sich also das Schreiben eng an; es muß die Fähig- !

keit entwickelt werden, die einfachen Gedanken auf richtige Weise durch die Schrift zufiriren; daran schließt sich auf das leichteste der Gebrauch des Schreibens im gewöhn- !

lichen Heben an" (ebendas. S. 434). Und mit Recht nimmt der ebenso denkende als

erfahrene Schulrath Gr aff und er (Bemerkungen über die Behandl. des öffentlichen -Unterrichts, gesammelt v. Fr. Otto. 1843. 18S0. I, 97. 101. II, 119) das in derHebung schriftlicher Darstelluüg liegende Element der Gedankenzucht und Ordnung auchfür den Volksunterricht in Anspruch.Eine Erlösung des Volks aus der geistigenSklaverei, in welcher cs noch dermalen befangen' ist, da diejenigen, welche die Feder !führen, in Wahrheit seine Herren sind, ist nur davon zu erwarten, daß das durch -den bisherigen Bolksunterricht wesentlich nur znm Lesen gebrachte Volk in einschreibendes, d. i. seine eigenen Gedanken fassendes, betrachtendes, ordnendes Volkverwandelt wird."

Wenn hienach die Uebung der Schüler im schriftlichen Gedankenausdruck als eine !berechtigte Forderung anzuerkcnnen ist, welche unsere Zeit auch an die Volksschule stellt,so werden wir diese Forderung trotz der oben erwähnten Schwierigkeiten nicht als eineunerfüllbare bezeichnen dürfen. Gegenüber der Unlust und Trägheit gilt noch immer,was Krüger (vgl. über den Unterricht in der Muttersprache 1846. S. 8) sagt: »dieMeinung, cs sei nicht möglich, in unfern Volksschulen, zumal den einclassigen, sehr ist- flich sprechen zu lehren, ist entweder Selbstbelügung des Faulen, oder eitle Rede der IUnwissenheit, verschuldeter oder unverschuldeter, und jedenfalls ein recht häßlicher Wahn". ''Allerdings hat es die Volksschule mit Schülern zu thun, von welchen manche niemals izu der Selbständigkeit und Klarheit des inneren Lebens gelangen, welche die Voraus- ^setzung bildet für die Hervorbringnng erträglicher schriftlicher Arbeiten. Andere ihr«Zöglinge, welche vielleicht bei inehr Reife des Verstandes zu jenem Ziele geführt werdenkönnten, muß sic entlassen, ehe diese Reife eingetreten ist. Aberdessen ungeachtet, odervielmehr eben darum sind wir verpflichtet, sie mit gewissen Formen vertraut zu machen,innerhalb derer und an. deren Hand sic das Minimum von geistiger Mittheiluug, dasdurch Beruf und Lebensstellung von ihnen gefordert wird, vollziehen können" (vgl.Hory: Wie wollen wir cs in unseren Volksschulen mit dein sprachlichen Unterrichthalten? in den Neuen Blättern aus Süddeutschst 1874. Heft 1). Was aber die be-gabteren Schüler betrifft, so meine man doch nicht, diese werden vermöge ihres an-geborenen Talentes den richtigen Ausdruck für das vpn ihnen Gewußte von selbstfinden, ohne daß die Schule durch Aufsatzübungen ihnen dazu behülflich sei. Bei denZöglingen höherer Lehranstalten mag das einigermaßen zutreffen, da einerseits in densocialen Kreisen, in welchen sie sich in der Ziegel bewegen, eine Gewandtheit der Redeund eine mehr oder weniger der Schriftsprache sich annähernde Ausdrucksweise heimischist, welche auf ihre eigene mündliche und schriftliche Gedankenmitthcilung nicht ohneEinfluß bleiben kann und da andererseits das Uebersetzcn aus einer fremden Sprachein die Muttersprache für sie eine durch nichts anderes zu ersetzende Gymnastik des sprach-lichen Ausdrucks in sich schließt. Den Zöglingen der Volksschule dagegen gehen »achihrer überwiegenden Mehrheit diese beiden Förderungsmittel eines gewandten undtreffenden Ausdrucks der Gedanken ab. Daher findet sich auch bei denjenigen mit«ihnen, denen es keineswegs an Kenntnissen und an richtigem Denken fehlt, nicht selteneine fast unglaubliche Unbcholfcnhcit der schriftlichen wie der mündlichen Rede. Hieraus