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Aufsätze in der Volksschule.
ihr zukommcnden Thätigkeit erkannt werden. Dies Urtheil steht fest. Faßt man dabeimehr die praktischen Gcsichtspuncte ins Auge, so muß gesagt werden: wozu alle aufmechanische Buchstabenbildung verwendete Mühe ohne Erreichung eines höheren Zwecks,die allein jener innern Werth verleihen kann? Auch ist ferner klar, daß erst mit derAusbildung des schriftlichen Gcdankenausdrucks dem auffassenden Element desUnterrichts die nothwendige Ergänzung durch das darstellende Element zur Seitetritt und daß ohne jene ein wesentliches Stück der Controle für richtiges und klaresVerständnis des Mitgctheilten der Schule fehlt. Dasselbe Resultat ergiebt sich, wenndie Idee der Sprachentwicklung selbst ins Auge gefaßt wird; denn diese erstreckt sichnicht bloß auf Sprachverständnis, sondern auch auf Sprachfertigkeit. Bcnrtheilt inandie Frage mehr von dein Gesichtspunct allseitiger geistiger Bildung überhaupt, so wer-den unter dem Streite der Meinungen folgende Sätze sich als unbestreitbar Heraus-stellen : 1) Der Zug des menschlichen Geistes, welcher vom Bezeichnten (Gedanken) zumZeichen (Wort) geht, ist ganz verschieden von dem, welcher vom Zeichen zum Bezcichne-ten (also auch beim Lesen vom Worte zuin Verständnis des damit gegebenen Begriffs-inhalts) geht, wie denn auch Einsicht in die gegebene Sprache und den, vorliegenden
Ausdruck ohne Gedanken- und Sprachfülle und ohne Darstellungskraft bestehen kann
und vielfach besteht. Es liegt jeder der beiden Richtungen die Befriedigung eines eigen-thümlichen geistigen Bedürfnisses zu Grunde, das einemal des Bedürfnisses in einen ge-gebenen Gedankenkreis einzudringcn, das anderem«! Gedanken zu fipiren und mitzu-theilen. Auck sind die dabei in Anspruch genommenen Gcistesthätigkeiten innerlich
different; dort mehr analytisch und vom Concreten zum Abstracten, hier mehr synthe-tisch und vom Abstracten zum Concreten fortschreitend, dort mehr receptiv, hier mehractiv. Es kann eben darum auch in der geistigen Bildung die Pflege der einen Seitedie der andern nie- ersetzen. 2) Für die Gedankenentwicklung selbst bietet die Dar-stellung der Gedanken und insbesondere die schriftliche Darstellung gegenüber der münd-lichen noch den eigenthümlichen Vvrtheil, daß durch die Verlangsamung des Prvcesses,sowie durch die Rücksicht auf die äußere Fixirung der Gedanken, der (sprechende und)schreibende Schüler gcnöthigt wird, die Gedanken mehr zu concentriren, klarer zu ge-stalten und zweckmäßiger und lichtvoller anzuordnen.
Mit allen solchen allgemeinen Erörterungen ist nun aber freilich die wirkliche Lö-sung der Frage von den Aufsätzen in der Volksschule noch wenig gefördert. Bedarfdas Volk überhaupt der Uebnng in der schriftlichen Darstellung? ist nicht bei seinemThätigkeitskreis die Bildung für den mündlichen Verkehr die Hauptsache und kann nichteben deswegen von der erstem beinahe ganz Umgang genommen werden? Diese Frageerhebt sich um so inehr, als die großen Schwierigkeiten, die dein Unterrichte gerade aufdiesem Gebiete entgegentreten und in äußern und innern Verhältnissen begründet sind,sich nicht verkennen lassen, eben darum auch einen erklecklichen Erfolg der Thätigkeit desVolksschullehrers zum voraus sehr zweifelhaft machen. Die Massenhaftigkeit der Kinder,die Beschränktheit der Unterrichtszeit, die vielfachen Hindernisse, welche schon der Er-reichung einer mechanischen und orthographischen Schreibfertigkeit im Wege stehen, dievielfache Roth mit Schreibmitteln, die Differenz des Mundartlichen und Schriftsprach-lichen, die geistige Unbeweglichkeit der Kinder aüs den untern Volksclassen, der ihneneigenthümliche Mangel an Drang und Muth zum Ausdruck und anderes vereinigensich, um den Gedanken an möglichste Beseitigung dieses 'Unterrichts als eines wahrenLehrerkreuzes nahe zu legen. Allein wenn in allen diesen Uebelständcn schon an undfür sich noch kein Grund liegt, eine in sich selbst natürliche und vernünftige Forderungganz zu umgehen, so tritt die letztere in ihrer Bedeutung noch stärker hervor, sobalddie Stellung und das praktische Bedürfnis des Volks in unserer Zeit scharf ins Augegefaßt wird. Denn es wird im Hinblick darauf wohl unleugbar sein, daß der sichvon Jahrzehnt» zu Jahrzehnt) nach Lebendigkeit und Naumdimensionen unendlich stei-gernde Verkehr, in den alle Volksglicder hineingezogcn werden, daß die Ausgleichungder steilen Kluft zwischen den Ständen, an der die Zeit arbeitet, die Befreiung der