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Aufsätze in höhere» Anstalten.
Viele vollgeschriebene Seiten gelten nie als ein Vorzug, eher umgekehrt. Ein verewig-ter sehr tüchtiger Lehrer des Deutschen am Gymnasium zu Stuttgart gab die Vorschrift:kein Aufsatz darf mehr als eine Quartseite groß sein. Die Censur sei öffentlich, gebeaber keinen dem Gelächter Preis, der Tadel sei nicht bitter, das Lob maßhaltend.Eine Bearbeitung der Aufgabe durch den Lehrer selbst werde, wenn es immer sein kann,nachher vorgelesen; er wird in diesem Fall den Grad ihrer Schwierigkeit um so leichterrichtig benrtheileu. Ein vielbeschäftigter Lehrer soll es wenigstens zuweilen thun. Sichvor der Stellung der Aufgabe wenigstens eine ausführliche Disposition zu machen, wirdsich jedenfalls empfehlen.
Endlich wird es meiner Ansicht, wie ich sie entwickelt habe, consequent sein, wen»ich glaube, daß sechs größere Aufsätze nebst einigen kleineren im Schuljahr vollkommengenügen; bei den jüngeren Schülern können es nur kleinere sein, aber desto mehr.
In dem Bisherigen ist enthalten, in welchem Sinn der Satz, daß die Aufsätzeein Maß st ab und Spiegel der Gesammtbildung seien, für mich gilt: man er-kennt aus ihnen, was ein Schüler über einen gewißen Gegenstand an Kenntnissen undGedanken zur freien Verfügung hat und wie weit die Fähigkeit, klar zu denken, zu.unterscheiden, seine Gedanken zu ordnen und richtig und angemessen darzustellen, inihm entwickelt und geübt ist, und das ist immerhin wichtig genug; aber ich warne beidein Ausdruck „Gesammtbildung" vor dein Misverständnis, als wäre eine fertige Bil-dung damit gemeint, - da ja nur bei dein reifen, erwachsenen Menschen von Bildungals dem Ergebnis des Bildungsprocesses die Rede sein kann, und weise, was denWerth dieses Maßstabs betrifft, auf die Erfahrung hin, daß manchmal geradedie reicheren und tieferen Naturen langsamer zeitigen, geraume Zeit schwerfällig sindund die Schätze ihres Innern erst später erschließen und verwerthen können, während einseichter Kopf nicht verlegen ist, sein bischen oberflächliches Wissen in gefälliger Formzur Schau zu legen (vgl. Thiersch a. a. O. S. 445'; Mützell Z. f. G. W. 184g-Mai, S. 388: Llaliui c-gnickvin iiulmortnm zirnckoutiam gnuin stultitiaru logmmvm6io.). Döderlein sagt (a. a. O. S. I, 245): „Wenn ein Schüler gedankenarmer-scheint und sich so fühlt, so ist das nicht immer eine Wirkung der Sterilität; nichtselten ist es das Zeichen eines tieferen Geistes und Gemüths oder wenigstens einerachtungswerthen Schüchternheit. Tritt dann seiner Zeit eine innere Veranlassung a»die Stelle der bloßen Uebungsaufgabe, dann sehlt es- nicht, Vorlmgus ziiovisam rswnon invita ssgusntur. Ich erinnere an das oben angeführte Beispiel von Winckcl-mann, und wenn auch Talente dieses Rangs gar selten sind und den meisten Lehrernin ihrem Leben nicht unter die Hände kommen, so werden sich doch manche ältere Lehrersagen müßen, daß bei vielen ihrer Schüler die späteren Leistungen ihren Primaner- .anfsätzen nicht entsprochen haben.
Ich sollte nun vielleicht noch über die Literatur der Handbücher berichten, alleinderen Zahl ist Legion und ich muß darauf Verzicht leisten. Hopf, dessen Angabe»zuverlässig sind, sagt (a. a. O. S. 22), die Hauptquellcn für die späteren seien S ch allcrSMagazin für Verstaudesübungen, Falkmanns Methode der Stilübungen und H e i n -sius' Teut. Vielleicht die reichste von den neueren, das oben angeführte Handbuch 4von F. I. Günther, enthält nicht weniger als 2600 Aufgaben, unter denen sehrviele sind, deren jede eine ganze Gruppe enthält, aber auch viele, die er nur für de»Gebrauch der Gegner seiner eigenen Ansichten ausgenommen hat. Empfehlenswert!) istCholevius, Anleitung zur Abfassung deutscher Aufsätze. 2. Ausl. 1871. Da »achunserem Dafürhalten jeder' Lehrer die auf sein Fach sich beziehenden Aufgaben selbst zuübernehmen hat, diese aber aus dem Unterricht hervorwachsen müßen, so ist ihre Wahlzu sehr von individuellen Verhältnissen bedingt, als daß sich ein tüchtiger Lehrer an irgendein Handbuch halten dürfte, wenn ihm auch jedes von den besseren manchmal einennützlichen Fingerzeig geben kann. K. A. Schund.
Aufsätze iu der Volksschule. Ein Unterrichtsgcgenstand, welcher erst der neuern 1Volksschule angchört. War ja doch sogar das Schreiben überhaupt in der alten Volks- !