Aufsätze iu höheren Anstalten.
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sich, welche in ineinen Augen den Rath motivirt, lieber diesseits der Grenze der Mög-lichkeit stehen zn bleiben, als sie zu überschreiten. Ich weiß es wohl, daß Schul-männer, auf deren Ansicht und Beispiel kein geringes Gewicht zu legen ist, den ent-gegengesetzten Rath geben, daß z. B. Död erlein <a. a. O- S. 245) seine Abnei-gung gegen die Themen ansspricht, welche den Schüler in seinen: alltäglichen Kreisehalten, und mit Jean Paul räth, den Lehrling und Zögling zu behandeln, als wäreer ein oder zwei Jahre älter, als er wirklich ist *); ich glaube auch, daß das letztgenannteVerfahren zuweilen gute Früchte tragen kann und die nach dem Obigen gefürchtetenschlimmen Folgen nicht jedesmal eintreten, oder auch, wenn sie wirklich eintreten, dochnachher wieder überwunden werden können, weil manche Naturen einmal unverwüstlichsind; aber ich glaube auf der anderen Seite und in Nebereinstimmung mit vollkommenvertrauenswürdigen Gewährsmännern, daß jene schlimmen Folgen schon oft. wirklich ein-getretcn sind, und sehe dies als entscheidend an.
Das klebrige läßt sich kurz abmachen. Es wird zn rathen sein, mit dem Ge-biet, aus welchem die Themen genommen sind, soweit die oben geltend gemachten.Rücksichten es zulassen, abzuwechseln, damit die verschiedenen Individualitäten derSchüler und die verschiedenen Seiten der Geistesentwicklung ihre Berücksichtigung findenund der Lehrer um so mehr Gelegenheit habe, seine Schüler kennen zn lernen. Ausdemselben Gründe soll man hin und wieder (nicht regelmäßig, „denn Wahl machtQual") den einzelnen Schülern überlassen, eine Aufgabe nach ihrer Neigung für sichvorzuschlagen. Aufgaben, deren Lösung sich nicht bei freier Benutzung des vvrangegange-nen Unterrichts von selbst anbietet, müßen in der Classe vorher besprochen, esmuß ans die wichtigsten dabei in Betracht kommenden Puncte hingewiesen und dafürgesorgt werden, daß auch die schwachen Schüler getrost an die Arbeit gehen können.Die Nothwendigkeit vorhergehender Besprechung ist freilich an sich schon nicht unbedenk-lich, wird aber da, wo der Aufsatz hauptsächlich dem Lehrer des Deutschen aufgcbürdetist, nicht immer zu vermeiden sein. Man achte ferner bei der Wahl der Aufgabendarauf, daß ihre Behandlung für die Schüler fruchtbar sein könne; „man verfahresparsam und vorsichtig mit d.er Zeit und Kraft des Schülers und verwende sie fürsolches, was ihm möglichst reichen Ertrag, bringe" (Dietrich). Die Correctur(vgl. d. Art. Aufgabe::) sei mild und schonend in Bezug auf den Inhalt, soweit erdem Schüler Schwierigkeiten machen konnte, beschränke den Schüler nicht unnöthig inder Aeußcrung seiner eigenen Ansichten, erkenne den Fleiß und die Treue an, ohne aufsogenanntes geistreiches Raisonnement irgend Werth zu legen, und weise nur die Selbst-überhebung in ihre Grenzen; dagegen sei sie streng gegen logische und grammatischeFehler (mit Anwendung kurzer, aber dem Schüler bekannter Zeichen). Rücksichtlich derOrthographie ist Weitherzigkeit zu empfehlen, wenn nicht sämmtliche Lehrer einer An-stalt bis ins Einzelnste die gleichen Grundsätze verfolgen und sich dabei mit den Haupt-schulbüchern in Nebereinstimmung befinden, damit nicht der eine Lehrer das tadle, wasder andere lehrt.. Auf Vermeidung von Fremdwörtern werde gehalten ohne übertriebe-nen Purismus. Auch in stilistischer Beziehung darf man nicht den gleichen Maßstaban alle legen, damit die verschiedenen Naturen sich nicht allzu sehr eingcschnürt sehen;,dabei aber werde Einfachheit und Natürlichkeit des Ausdrucks als die erste und höchsteTugend empfohlen, hohler Bombast und rhetorische Unwahrheit ohne Nachsicht verfolgt.„Denke dir, was du sagen willst, mit der größten Bestimmtheit, deren du fähig bist,und fasse es in den anspruchslosesten Ausdruck", räth Niebuhr seinem jungen Philologen.
*) So sind denn unter den Aufgaben, welche D. in seiner Schrift ,50 Themata, diüponirtfür den Schulgebrauch, Lieferung 1. 1857" mittheilt, allerdings einzelne, welche ich nicht stellenmöchte, z. B. über den Anfang von Schillers Kampf mit dem Drachen; die allermeisten aber»scheinen auch von meinen: Standpnnct aus so wohlgewählt, mit trefflichen Dispositionen, daß>ch glaube, Lies kleine Büchlein wird den: prüfenden Lehrer manche bogenreiche Sammlung auf-wiegen.