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Aufsätze in höhere» Anstalten:
Eine weitere Hanptregel ist: die Aufgaben müssen so gewählt sein, daß ihreAusführung durch Schüler passend erscheint. Nicht jedem ziemt jeglicheszu sagen; was wir vom Katheder, von der'Kanzel herab gerne hören, das widert ausdem Munde eines Schülers uns an; also keine Themen, wobei der Schüler versuchtwird, in belehrendem oder ermahnendem Ton zu sprechen, zu predigen oder zu inora-lisiren. Jede eigentliche, ans ein praktisches Ziel hinstrebende Rede halte ich für un-passend ; bei singirteu Steden aber werden sich die meisten Schüler für den Mann, ausdessen Geist heraus sie sprechen —, wie für den großen Moment, in den sic sich ver-setzen sollen, selbst zu klein Vorkommen (vgl. Hiecke, S. 270). Seine Empfindungenaber behält der Jüngling überhaupt am besten für sich, damit sie nicht, wenn sie ansLicht treten, durch Frost und Mehlthan Schaden nehmen. Das Gefühl' ist die erwär-mende und treibende Kraft im Innern des Menschen; da soll es bleiben, von da ausdas ganze Wesen durchdringen; aber kund thnn soll es sich mehr im Handeln als iu,Steden. So ist es beim gesunden Menschen, so hielt es in alter Zeit der Deutsche.Die modernen Deutschen haben in dieser Beziehung schlimme Zeiten dnrchgemacht, dieThränenüberschwemmung der Wertherpcriode, die Mittelalterbegeisterung der Roman-tiker, die Enropamüdigkeit und den Weltschmerz, und die schöne Literatur hat sich cifrigstbemüht, unsere Jugend seufzen und sich unglücklich fühlen zu lehren. Das ist der Jüng-linge wie der Mädchen unwürdig. Ein sentimentaler Jüngling wird im Leben zwischenHammer und Ambos viel wahrscheinlicher zu Brei zerschlagen, als zu Stahl gehärtetwerden; einein Schüler, der von seinen guten Gesinnungen und Vorsätzen anders alsin kürzesten Worten spricht, trauen wir nicht; die Empfindungsblüten in das Herbariumder Aufsätze gelegt können nicht anders als verdorren. Also weg mit den Aufsatzthemen,welche zu sentimentalen oder moralisirenden Ergüssen Veranlassung geben, sie erinnern midie einer hinter uns liegenden Zeit ungehörigen Tagebücher, „jene moralische Buchführung,bei der ein frisches, fröhliches Wollen von ganzem Herzen und ganzer Seele nicht ge-deihen kann" (Wiese, die Bildung des Willens. 1857); Aufgaben dieser Art sindgeeignet, alles wahre Gefühl zu erkälten, wo nicht zu ertödteu; weg mit ihnen auchans den Mädchenschulen! Gott hat dem weiblichen Herzen den Reichthnm seiner Ge-fühlswelt verliehen, daß es das heilige Feuer hüte, nicht daß es damit spiele oderEitelkeit treibe. Und wie nahe liegt die Gefahr der Verleitung zur Unwahrheit! DerSchüler soll Gefühle aussprechen und möchte Beifall damit gewinnen; sie sollen alsoschön und edel sein, damit sie dem Lehrer gefallen; was er nicht wirklich empfindet,muß er sich anempsinden; das führt geradewegs zur Heuchelei, zur Phrasenjagd undVerschrobenheit. Weil's ihm noch nicht »Ernst ist, was zu sagen", ist er gezwungen,„Worten nachzujagen". „Nicht zu billigen sind also Aufgaben, wie: Gedanken undEmpfindungen bei dem Anblick der Blumen; Anrede an den Mond, die Sonne, dieStacht rc. Wir würden auch Briefe nicht aufgeben, in welchen der Schüler veranlaßtwird, ein erkünsteltes Gefühl auszusprcchen, z. B. Beileidsbezeugungen, Trostschreibenrc." (Franke S. 15, Hiecke S. 257. 263), ebensowenig „Vorsätze eines Abiturien-ten beim Bezug der Universität", aber nicht, weil solche Betrachtungen dem Jünglingzu nahe liegen (Döderlein, 50 Themata, I. S. V1>, sondern weil er seine Gelübdeam besten, in sein Herz verschließt. Seit dem Kriege von 1870—71 sind wir in Ge-fahr, im nationalen Pathos die Grenze zu überschreiten und überschwänglich zu werde».Mögen die Jünglinge Mnth, Demnth, Treue der Alteu sich zuin Muster nehmen unddie Zungenfertigkeit nicht hoch stellen! Die Lounäiu, war bei den alten Germanen unterden Gründen, welche Anspruch auf Gehör in der Versammlung gaben, der letzte(Duo. 6tsrm. 11.). Sehen wir auf den großen Schweiger Moltke, der aber dann, wennes gilt, zu reden weiß wie zu schlagen.
In den nicht seltenen Fehlern bei der Wahl der Themen, welche wir im Bisheri-gen besprochen haben, ist ohne Zweifel die Aeußerung Hüls man ns (S. 4h daß dieganze Frage über den deutschen Unterricht nicht sowohl eine methodische, als eine sittlichesei, einem wesentlichen Theile nach gegründet, und diese Seite der Sache ist es Hauptfach-