Aussätze in höheren Anstalten.
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wofür die regelmäßige Disposition folgende war: I. der Satz selbst mit dein Lobe desAuctors; 2. erläuternde Umschreibung; 3. Begründung; 4. Gegensatz; 5. Gleichnis(Anführung eines ähnlichen Falles aus einem andern Kreise); 6. Beispiel; 7. Zeugnisse(Anführung von Sprüchwörtern, Aussprüchen ausgezeichneter Männer re.) 8. Schluß(Wiederholung mit Anwendung). Eine sehr beachtenswerthe Anleitung dazu für dielateinischen Arbeiten enthält das Buch von Seyffert: 8olwlw latiinv II.: „DieChrie, das Hauptstück der alten Schultcchnik 1857". Es ist nicht zu verkennen, daßdiese Form der freien Arbeiten „der unsteten Reflexion bestimmte Gesichtspuncte, derBeweisführung einen geregelten Gang giebt und das abstracte und eonerete, das ana-lytische und synthetische, das logische und rhetorische Element in harmonische Ver-bindung setzt;"' und dennoch halte ich alle eigentliche Einübung dieser Form für nichtunbedenklich: wer den Kern, den Stoff, die Gedanken in sich trägt, dem ist jene Hülseunnütz, aus dem oben S. 300 nach Horaz und Goethe angeführten Grunde; wer aberdie' Gedanken für das Fachwerk erst mühsam zusammen suchen muß, der hat davonauch keinen wirklichen Gewinn.
Es kann ferner die Form gegeben sein und die Aufgabe darin bestehen, einen an-deren, als den ursprünglichen Inhalt derselben anzupassen (Imitation, Nachbildung),schon bei einzelnen Sätzen, wie der Versuch in der Classe jedem zeigen wird, zuweileneine nicht leichte Aufgabe, bei größeren Ganzen ziemlich schwierig, dennoch aber, sofernder neue Inhalt bekannt ist, eine zweckmäßige Hebung (Günther a. a. O. S. 95).
Nicht so unbedenklich ist die entgegengesetzte Aufgabe, bei gegebenem Inhalt dieForm zu verändern (Umbildung), insofern, was immer vorausgesetzt werden muß,die ursprüngliche Form gut ist; denn Form und Inhalt gehören bei dem Erzeugniseines tüchtigen Schriftstellers unzertrennlich zusammen und eine Veränderung der Formist dann im besten'Fall willkürlich, im gewöhnlichsten eine Verschlechterung. Nur dieUmbildung eines altelassischen Stücks, d. h. eine freie Uebersetzung ist eine unbedingtnützliche Hebung, besonders die schwierigere Art, wenn man nach einem selbstgefertigtenAuszug einige Zeit nachher ohne Benützung des Originals dieses herznstellen sucht(nach dem Beispiel von Franklin bei Günther, S. 97). Dagegen die Umsetzungeines deutschen Gedichts in Prosa, wenn sie sich nicht auf eine einfache Erzählung derzu Grunde liegenden Thatsache beschränkt, halte ich für eine nicht sehr empfehlenswertheAufgabe, die dazu noch, wenn sie gut gelöst werden soll, so schwierig ist, daß man sienur den fähigsten Schülern zumuthen kann, für die es dann noch Besseres zu thun giebt.Verwandlung von Prosa in Verse ist noch weniger jedermanns Ding, fordert besonderesFormtalent und muß deshalb jedenfalls freigegeben werden; Jamben gelingen imDeutschen noch am leichtesten; metrische Uebersetzungen aus den Alten mag man denBegabteren empfehlen. Aehnlich verhält es sich mit der dialogischen und der Briefform,wiewohl es doch häufiger ist, daß ein begabter Schüler eine Erzählung in Gesprächs-form, als daß er sie in metrischer gut wiedergiebt. Bon einigen wird die Nestituirungumgcstellter deutscher Verse empfohlen, was bei der lateinischen Versification eine not-wendige Vorstufe ist, bei der Muttersprache aber schwerlich gleichen Werth für dieKraftübung hat (vgl. Döderlein Reden S. 251). Bringt ein fähiger Jünglingunverlangt eigene poetische Versuche, so wird der Lehrer wohl daran thun, diese nichtmit zu großer Nachsicht zu beurtheilen, -- am besten wohl nicht in der Classe, sondernunter vier Angen — vielmehr dem Schüler durch Hinweisung auf die strengen Gesetzeder Kunst, die auch das Genie nicht ungestraft verachtet, ein hohes Ziel vorzuhalten;steckt ein Schiller in dem Jungen, so erweist er ihm durch Anwendung des scharfenMessers gegen die üppigen Auswüchse eine Wohlthat; ist es ein bloßer Dichterling,so wird es besser sein, seiner Kraft eine andere Richtung zu geben. „Die Palme, sagtman, wächst nur üppiger und gewaltiger unter dein Gegendruck einer Last." Wie heil-sam war für Byron die scharfe Kritik seiner Jugendvcrsuche im Häinlnirgll Ilsvisvv
(wahrscheinlich von Brougham)! (Weiter geht in dieser Beziehung Dietrich a. a. O.S. 37 f.)