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Aufsätze iu höheren Anstalten.
wußtsein über die tieferen Gesetze des Schönen ist mehr werth, als ein verfrühtes, vonaußen erborgtes, welches kein inneres Fundament hat und allen Unsegen der Unwahr-heit mit sich führt.
Man kann die Kraft des Schülers ferner dadurch Uberfordern, daß man Geistes-vermögen in Anspruch nimmt, welche erfahrungsgemäß unter die Einzelnen in allzu ver-schiedenem Maße vertheilt sind,'namentlich die Phantasie. Die Aufgabe: Geschichteeines Louisd'or von ihn: selbst erzählt — ist für den einen Knaben so anziehend,daß er sie mit Lust und Erfolg bearbeitet, der andere weiß blutwenig daraus zumachen. Und ähnlich steht es auf den höheren Stufen mit allen den Aufgaben, welche indas Gebiet der Poesie streifen, eine gewiße Erfindungsgabe voraussetzen; Uhlands„Singe, wem Gesang gegeben" gilt eben nur für die mit solcher Gabe Begnadeten.
Was nun ferner das Verhältnis der verschiedenen Formen voll Aufsätzen zurKraft der Schüler betrifft, so gehören alle sogenannten freien Arbeiten, d. h. diejenigen,bei welchen gegebene Anschauungen und Vorstellungen durch eigene Geistesthätigkeit inneue, nicht gegebene Verbindung gebracht oder neue Gedanken und Gedankenverbindungendurch die Kraft des Geistes geschaffen werden sollen, natürlich zu den schwierigerenFormen. Gehen wir auf einzelne, bisher nur im Vorbeigehen berührte, näher ein.
Charakteristiken historischer oder poetischer Personen können auch von denvorgerückteren Schülern bloß in dem Falle verlangt werden, wenn sie nur eben darinbestehen sollen, das im Unterricht Vorgekommcne zusammenzufassen; je inehr dabei dieverschiedenen Seiten eines Charakters in innere Verbindung gebracht und auf einenMittelpunct bezogen werden sollen, desto mehr gehen sie über die Grenze der natür-lichen Befähigung der Ghmnasialjugend hinaus. Ich stimme dein Urtheil von Bonebei, der (nach Franke S. 8. 9.) sagt: es mäße ein hochgebildeter Geist sein, derüber den Charakter einer echt dramatischen Person einen Aufsatz machen wolle, undweiter: „Der gründliche Geschichtsforscher wird es am besten wissen, wie viel er bedarf,um einen Charakter zu zeichnen, und wo und wie weit ihm solches zusteht. ZuSchulaufsätzcn eignen sich geschichtliche Charakterschilderungen nur dann, wenn dieselbennichts weiter sein sollen, als biographische Skizzen oder eine Zusammenstellung hervor-ragender Tugenden und Verdienste. Aehnliches gilt von den oft so beliebten geschicht-lichen Parallelen, wo dieselben sich auf die eigentlichen Charaktere, und nicht bloß aufdie äußeren Erscheinungen, Handlungen und Umstände beziehen."
Aehnlich verhält es sich mit denjenigen Aufgaben, nach welchen die Ansichten einesSchriftstellers über gewiße Dinge (des Herodot über das Arüv des Tacitus
über den Werth der Prophezeiungen re.) aus seiner Darstellung nachgewiesen werdensollen; die Zusammenstellung und Subsumtion des Einzelnen unter gewiße Kategorieeuist nicht allzu schwer, die Ableitung aus einem geistigen Centrum hingegen überschreitetdie Kraft der bei weitem meisten Schüler.
Die umgekehrte Operation ist es, wenn eine allgemeine Wahrheit gegeben ist, diein ihre Momente auseinandergelegt und in concreten Beispielen aufgezeigt werdensoll. Ist die vorgelegte Wahrheit einem dem Jünglingsalter geläufigen Vorstellungs-kreis angehörig, so ist dies eine zweckmäßige, für junge Leute mit lebhafter Einbildungs-kraft ansprechende Uebung. Verlangt freilich der Lehrer, daß die Schüler eine Erzäh-lung als Beleg für eine Wahrheit erfinden sollen, so können gerade die gewissen-haftesten unter ihnen vergeblich sich abarbeiten; erleichtert er es, wie dies mancheLehrer der mittleren Stufen gerne thun, durch Nennung einer Anzahl von Wörtern,die in der Erzählung zu verwenden sind, so giebt er ihnen hicinit meistens nur Räthselzu errathen. Sprüchwörtliche Wahrheiten eignen sich oft besser, wenn man sie in Frage-form verwandelt (z. B. Machen Kleider Leute?). Die Alten wandten sie besondersgerne in der Form der Chrie an, d. h. als Ausführung einer aus eine bestimmtePerson zurückgcführten Sentenz oder Anekdote (z. B. u. Rückerts Wort: „Ein Gottes-mann ist ohne Schwert ein Held, ein Gottesmann ist ohne Schild ein Trost"; b. Dio-,Asnss ouin Mals moratum xusruin vickisZst, xssänAOAuin chus lmoulo xoroussit)-