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und zwar, wie sich von selbst versteht, mit Rücksicht auf die staatlichen Verhältnisse undauf die Anforderungen, welche der Staat an seine ersten Burger stellt.
Es ist wahr, daß zumal die Stellung des niederen Adels, bei welchen: ohnehineine Reform viel zu thun finden würde, die Aufgabe nicht wenig erschwert. Seitdemder offene Lehenshof aufgehört hat, ist die stille Kanzlei an seine Stelle getreten mitihren Actenstößen. Schon ehe die Gerichtsbarkeit der Rittergüter anfhörte, war dieselbelängst nicht mehr von den: Gutsherrn in Person, sondern von einen: angestcllten bürger-lichen Patrimonialrichter verwaltet. Ueber die Ritter und ihre Dienstlcute, als die ge-borenen Räthe des Fürsten, wurden von ihn: allmählig die ernannten Beamtenals gekorene Räthe gesetzt. Die Aemter sind abgelöst von der Familie und von:Erbrecht, und die Studirten sind dazu berufen. Der Adeliche, der ein Amt suchtund suchen muß, muß mit den Bürgerlichen studiren und mit ihnen concurriren. Sosehr das zun: Heile des Staats und des Adels selbst dienen mag, so hat doch diestaatliche Markirung und Sortirung durch die Examensprobe auch ihre großen Mängel.Es ist schon vielfach geltend gemacht worden, daß in unserer Zeit so gar vorzugsweisedas Wissen, zuweilen einseitig gelehrtes Wissen zun: Maßstab der Tüchtigkeit für einAmt gemacht worden ist, und daß andere für die ersprießliche Führung desselben ebensowichtige Eigenschaften am Prüfungstische nicht erkannt werden, an welchen: ohnehin keinAnsehen der Person gelten soll, wenigstens der Theorie nach. Wer in englischen Ein-richtungen Vorbilder erblickt für unsere Adelsreforn:, der könnte in diesen: Punct wohlstutzig werden. Dort sind nämlich eine Menge Aemter und Stellen, und gerade dieeinträglichsten, zun: Theil eigentlich „arbeitsloses Einkommen," und was für eines!geradezu Ausstattung für die jünger:: Söhne der Adelsgeschlcchter, sie werden denselbenohne alle besondere Prüfung der Würdigkeit gegeben, oder, wenn man will, von denFamilien für ihre Sprößlinge in Besitz genommen. Vor solchen Einrichtungen brauchtman übrigens auf dem Continent sicher nicht zu warnen, das würden gewiß nur„patriotische Phantasien" bleiben. Ueberhaupt wird es sich um Stellenjägerci gar nichthandeln, und unser Adel wird so wenig als irgend einer sich spröde gegen die Vor-trcfflichkeit der Begabung verhalten, die ja kein Privilegium eines Standes ist. EchtesAdclsbewußtsein hat das nie gethan. In: Gegentheil, der Adel wird erkennen, daß erdie Seinen in der That auch fähig machen muß, die ersten Stellen einzunehmen, wenner bestehen will. Das schöne Wort: Uoblssss obliZs! gilt auch in dieser Beziehung.Tüchtig lernen wird er inüßen, und was man in Deutschland einen guten Schulsacknennt, muß er haben, darüber ist übrigens auch die betreffende Literatur einig. Ob aberder Unterricht in Gegenständen des Wissens so wenig Fächer umfassen soll wie z. B. inEton, der englischen Univcrsitätsvorschule, welche großer Männer Jugend geleitet hat, oderso reich und bunt wie in manchen deutschen Anstalten, das ist hier nicht zu entscheiden.
Wenn übrigens mit der Idee von adelichcr Erziehung sich wohl hie und da dieVorstellung einer gewißen Oberflächlichkeit und glänzenden Außenseite ohne die entsprechendeSolidität und tiefere Bildung verbunden hat, so ist, dies, soweit es einen Vorwurfenthält,' einfach znrückzuweisen. Es bezieht sich dies aber wohl ans den richtigenGedanken, daß den: Adel seiner Stellung nach auch obliegt, für eine schöne Erscheinungdessen, was er ist, wie er cs giebt, was er kann, zu sorgen, weit mehr noch, als demGelehrtenstand, den: Fachmann. Tanzen und Reiten, Fechten und moderne Sprachensprechen, Kenntnis der Umgangsformen und höfischer Sitten, schließlich Reisen zur Er-weiterung der Anschauungen sind daher stets, in den Plan der adeliche:: Erziehung aus-genommen worden. Die Leichtigkeit der Bewegung, Eleganz und Grazie in: Gespräch,das rechte Blaß in: Benehmen mit aller Welt, jene herzgewinnende Feinheit nnd jeneHöflichkeit, welche zugleich das Unberechtigte trefflich abzuweisen weiß, kurz, die nicht zubeschreibende Vornehmheit in: Auftreten, welche den echten Adel von den: Vornehmthundes unechten unterscheidet, alles das ist es, was die Hochgebornen auch äußerlich aus-zeichnen soll, und was die höhere Gesellschaft auch in der That und unleugbar aus-zeichnet, wo sie eine wirklich gebildete ist. Es ist der feine Duft nnd die echte Blüte
Pädag. Encyklovadie. I. 2. Aufl. ^