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1 (1876) A - Dänemark
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AdcUchc Erziehung.

junger» Söhne im einzelnen vielfach mangelhaft. Giebt es doch selbst englische Diplo-maten von Adel, die kein Französisch verstehen. Sehr beachtenswcrth ist übrigens, daßdemnngeachtet Leute, die so aristokratisch stndirt haben, doch sofort häufig in einemAmt, welches einen ganzen Mann verlangt, sich vorzüglich tüchtig bewähren, ohne durchein Sieb von Prüfungen in Fachstudien gesichtet zu sein. Auf dem Continent ist dasanders: je kleiner der Staat unter den Weltstaaten, desto weltumfassender sind diePrüfungsgegenstände seiner Schulmeister und Schreiber. Daß andererseits so in Eng-land auch oft Unwürdige in Amt und Würden kommen, ist ebenso gewiß. Die sattsambekannte Formlosigkeit so mancher jungen Engländer von Familie im Salon des Conti-ncnts ist ferner gleicherweise kein Beweis von sorgfältiger Erziehung derselben. DerKlotz hat aber oft einen guten Kern.

Wir haben den russischen Adel vorhin mit dem englischen in Parallele gestellt.Er ist übrigens von demselben grundverschieden, und ganz Staatsanstalt geworden. Diealten Namen und Geschlechter spielen demnngeachtet eine große Rolle. Die Adelichenlassen ihre Kinder größtentheils zuerst im Hause erziehen und verwenden viel auf dieäußere Bildung. Meist werden sie dann in irgend eine „Kronsschule" geschickt, vondenen die höheren wesentlich den Charakter von Adelsinstitutcn haben: so das große,nur die Kinder des hohen Adels ausnehmende Pagcncorps in Petersburg, das Alexanders-lyceum, die Rechtsschule und andere zumal militärische Anstalten, für deren Zöglingeein gewißer Adelsrang des Vaters verlangt wird. Dein unbefangenen Beobachter drängtsich in der That die Warnehmung auf, daß viele junge Russen aus guten Häusern imDurchschnitt wirklich gebildetere Menschen sind,, vielseitiger, humaner, sprachgewandterals so mancher adeliche Stockengländer.

Wie der Adel in Frankreich und in den romanischen Ländern, vom Staateanerkannt oder nicht, sich auf die Familie zurückzieht und in ihr die Erziehung seinerNachkommen vorzugsweise vollzieht, soweit sie nicht mit Zöglingen bürgerlichen Standesin Civil- und Militärunterrichtsanstalten sich zum Dienste ausbilden, haben wir schonoben berührt. Der unnatürliche Brauch, die Kinder vom zartesten Alter an aus demHause zu entfernen, findet viel inehr nur in den „Centren der Civilisation", bei derBourgeoisie der großen Städte, als bei dein Adel Frankreichs statt. Für die Töchter ist dieErziehung in einein Kloster oder adelichen Stift bis auf die neueste Zeit gewöhnlich gewesen .

In unscrm Vatcrlande erscheinen die Zustände ebenfalls mannigfaltig gebrochen.Kaum sind irgendwo noch lebendige Anstalten in Wirksamkeit, welche den Söhnen desAdels eine gemeinsame, öffentliche Erziehung geben. Die exclusiven Pagcncorps sindhiefür kaum anzuführen; die sg. Nitterakademien (s. d. Artikel), in Preußen zu Branden-burg, zu Liegnitz, das Theresianum in Wien, nehmen seit kürzerer oder längerer Zeitauch Bürgerliche auf. Der rheinische Adel hat in Bedburg seit 1842 eine rheinischeRitterakadcmie, welche echten Adelsgeist zu bilden und zu pflegen zur Aufgabe hat. Siewurde namentlich gegründet durch die Thätigkeit eines wahrhaft edeln Marines, des'1849 verstorbenen Grafen von Mirbach, eines hochgebildeten Geistes, eng befreundetmit dein Freiherrn von Stein, welcher wie irgend einer die Interessen und Schädenseines Standes erkannte. Die Anstalt ist eine ausschließlich katholische und ein erstesMuster für ähnliche Gestaltungen einer wirklichen erneuten Stärkung eines gesundenStandesgefühls?)

Es wird niemand bezweifeln, daß zur Reform des deutschen Adels die Gründungvon Standesinstituten verschiedener Art wesentlich ist, und daß namentlich eine adelicheErziehung, nicht bloß privatim, sondern öffentlich, das heißt in Verbindung mit denStaudesgenossen für denselben außerordentlich wichtig wäre. Ja es wird in der Thatals die Aufgabe des Adels bezeichnet werden müßen, daß er auch in dieser Richtungseine Regenerationsfähigkeit zu erweisen hat, welche ihm von so vielen Seiten her be-

*) Auch Bedburg ist, wie Liegnij; und Brandenburg, ein nach dein Normaliehrplau vom12. Januar 4858 geordnetes preußisches Gymnasium mit einem Alumnat geworden.