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Adeliche Erziehung.
Die ihm zuvor verborgenUnd Vorbehalten waren.
In den aufblühenden Jahren,
Da seine Wonne sollte erstehn,
Da er in Freude sollte gehn,
In seines Lebens AnbeginnWar schon sein bestes Leben hin.
Da er mit Freuden zu blnhn begann,
Da fiel der Sorge Reif ihn an,
Der mancher Jugend Schaden thnt,
Und verdorrte ihm seinen blühenden Math.In seiner ersten Freiheit schonFloh seine Freiheit all davon.
Der Bücher Wissenschaft und ZwangWar seiner Sorgen Uranfang;
Und doch, wie er damit begann,
vkrgl.
Wandte er seinen Sinn daranUnd seinen jungen Fleiß so sehr,
Daß er der Bücher viel und mehrErlernetc in so kurzer Zeit,
Deun je ein Kind vor oder seit.
Zu beiden WanderungenDurch Bücher und durch ZungenVerbrachte er seiner Stunden vielMit jeder Art von Saitenspiel.
Darauf er wandte so spät als früh
Alle Emsigkeit und alle Müh
Bis daß cr'S konnte aus dem Grund. —
Er lernete zu jeder Stund,
Heute dies und morgen das,
Heuer wohl, über's Jahr noch baß.
Nebertcvgung v. Hern,. Kuch, Tristan und Isolde.Stuttgart lSä<1. S. b».
rn von Meister Gottfried von Strasburg. hcrauSgegebenr E. v. Groote. Berlin 182t. j. v. S0SK ff.
Außerdem lernten schon die Junkherrelin den Hofdienst (vnlst, vnslst heißt eigent-lich ein kleiner Vasall) und die Rittersitte in ihren: Pagendienste, und merkwürdig istnamentlich in der eigentlich romantischen Zeit des Nitterwesens, daß zu ihrer Bildunggrundsätzlich der Umgang mit den Damen des Hofstaats diente. Die ritterliche Liebezu den Damen ward künstmäßig erlernt und getrieben. Früh schon erwählten sich dieZungen eine Herrin, der sie dienten und vertrauten; die Pflicht der Treue ließ solchenDienst oft dauern bis sie Ritter waren. Ulrich von Lichtenstein in seiner Selbst-biographie erzählt davon sonderliche Dinge. „Da ich noch ein kleines Kindel war,hörte ich oft die Weisen sagen, daß niemand Würdigkeit erwerben möcht', der nichtsonder Wank guten Weiben zu Dienst sei bereit. Ich war ein Kind, als ich das hörte,und noch so dumm, daß ich auf Gerten ritt, und doch gedachte ich in der Dummheit:Da die reinen Weib den Mann so hoch theuer machen, so will ich immer den Frauendienen mit Leib, Gut, Blut und Leben. In diesen Gedanken wuchs ich auf bis in daszwölfte Jahr." Bon dem Markgrafen Heinrich von Oesterreich, dein er übergeben war,sagt er: „Der diente den Frauen wohl mit rechten Treuen,' und sprach wohl von ihnenwie ein Ritter soll. Er war kühn und hochgemnth, sein Mund sprach kein bös Wort,aber seinen Freunden war er bieder und getreu, und Gott minnete er von Herzen.Dieser werthe Herr sagte mir, wer würdiglich leben wollte, der müße sich einer Frauzu eigen geben. Er lehrte mich viel von seiner süßen Tugend, er lehrte mich sprechenüber die Weib, auf Nossen reiten, und in Briefen süße Worte dichten."
In dem Alter von 14 —-17 Jahren traten die adelichen Jünglinge in den Standder Edelknechte, Jungherren über, und dies geschah in Frankreich wie in Deutschlanddurch die feierliche Handlung der Schwertnahine, der Wehrhaftmachung, einer Ceremonie,woran die Kirche sich betheiligte. Die Eltern begleiteten den Sohn zum Altar mitbrennenden Wachskerzen in den Händen, ein Priester segnete den Degen ein und gürteteihn dein Knaben um, der ihn von da an tragen durfte. In Deutschland, wo etwashandfeste Manieren stattfanden, heißt es, daß hiebei der Edelknabe die letzte Ohrfeigebekommen habe, die er sich gefallen lassen mußte: ein Brauch, der nach andern aucherst beim Ritterschläge vorkam und überhaupt wohl keineswegs so allgemein war, alseine zu Zeiten beliebte, an scurrilen Zügen eine kleine Freude habende Darstellung esglauben machen möchte. Seine Bedeutung ist indessen bezeichnend genug für den all-mählich sich ausbildcnden Begriff von ritterlicher Ehre.
Die Edelknechte hatten ebenfalls zunächst zu dienen, und wenn sic am Hofe ihrerLehensherren lebten, wie häufig der Fall war, waren sie etwa den Hof- und Jagdjunkernneuerer Zeit zu vergleichen, nur daß ihre Dienstleistungen viel mannigfaltiger warenund oft mehr in das Gebiet Übergriffen, welches wir jetzt der eigentlichen Bedientensphäre