Adeliche Erziehung.
ausznzeichnen. Als im Morgenlande Fürstcitthümer- gegründet und auf Ritterlehenbasirt wurden, da waren Leute aus allen Nationen des Abendlandes zngelassen, sobaldsie zum Nitterstande gehörten; den andern Ständen waren die Lehen verschlossen.Ritterliche Leute aller Nationen Europas verschwägerten sich, die andern Stände bliebenden Rittern nnebenbürtig. So mußte wohl ein deutscher Ritter und ein französischer
Ritter in vielen Beziehungen sich näher stehen als ein deutscher Ritter und ein deutscher
gemeiner Freier, welcher den Zug mitmachte. Die Wirkung war, daß sich der Nitter-stand im ganzen lateinischen Abend- und Morgenlande als ein durch alle Nationenvertheiltes, durch besondere Eigenthümlichkeiten und Rechte zusammenhängendes undgleichgestelltes Adelsvolk im Gegensatz der übrigen Stände fühlen lernte. Das Bolks-thum dieses Adelsvolkes ist das Ritter wesen.
Eine besondere christliche Haltung war eine wesentliche Grundlage desselben, undzwar nicht erst seit den Krenzzngen, sondern im Gegentheil, es hatte die Kirche längstdarauf gedrungen, daß die ritterlichen Kriegslente verpflichtet seien, diejenigen, welche dieKirche vorzugsweise in Schutz nahm, also die Armen, die Jungfrauen, Wittwcn undWaisen, und die Kleriker selbst nicht zu schädigen, sondern zu schützen als uiilitss
vbrlstinui, und eine Weihe der Waffen hatte längst stattgefnnden. Nur ward jetzt der
Ritter zu einer Art von bestimmtem Gelübde vor dem Priester verpflichtet und keinMakel nnadelichen und unchristlichen Lebens sollte an ihn: haften. Die ganze Lebensformwurde eine bestimmte, durch die ritterliche Etiquctte in ausgezeichneter Weise geregelte.Die Erziehung dieser ritterbürtigen Adelichen aber ist Werth, daß man sie näher betrachte.
Das Kindesalter brachte ein Nitterkind lediglich unter der Pflege der Frauen zu,bis zum siebenten Jahre. Es ist bemerkenswertst, daß jetzt, wesentlich verschieden vonden antiken Zuständen, eine Verschiedenheit der Erziehungswege vorlag, zunächst neben,der ritterlichen die geistliche, gelehrte Erziehung; in beiden durchliefen die Zöglingeverschiedene Stufen, bei der letztem die der Scholaren, Magister, Doctoren; bei derritterlichen Erziehung die der jnnbllsrrslin, Anrxnns, xnsri nobilss; der Edelknechteoder Knappen, änuioissnux, nrrni§sri; und endlich der Ritter, obsvnlisi'8, militss odcr sguitss.
Es ward durch das ganze Mittelalter, und vielleicht nicht ganz mit Unrecht, fürfast unmöglich gehalten, daß ein Vater seinen Sohn im Knaben- und Jünglingsalterselbst erziehen könne. Man betrachtete als wesentliches Erfordernis der Erziehung dasVerhältnis des Dienstes in der Jugend. Die Söhne der meisten Edelleute sammeltensich mn Fürsten in ihrer Hofhaltung, oder sie kamen zu reicheren Rittern und wurdenin Pagenweise erzogen. Fürsten- und großer Herren Söhne aber erhielten häufig be-sondere Zuchtmeister mit ihren Gespielen, den adelichen Kindern von Lehensleuten. DieseJunkherrelin lernten mancherlei, zunächst Leibes- und Waffenübungen:
Fest und behende reiten,
Das Roß zu beiden SeitenGeschickt mit Sporen rühren,Und frech zum Sprunge führen.Tnrniren und leisiren,
Mit Schenkeln sambeliren,
Wohl schirmen, wacker ringen,
Wohl laufen, tüchtig springen,
Dazu auch schießen den Speeresschaft,Das thaten sie all nach ihrer Kraft.Birschen lernen und jagen u. s. w.
Schild und Speer führten sie schon, aber noch kein Schwert. Uebrigens auch allerleiWissenschaft mußten sie im zarten Alter schon treiben, mehr als man sich gewöhnlichvorstellt. Folgende schöne Stelle ans Gottfrieds von Strasburg Meisterwerk sagtvon dem jungen Tristan, der unter mütterlicher Zucht und Pflege geblieben war, „bisdaß er zählte der Jahre sieben":
Da nahm ihn sein Vater Rual zur HandUnd befahl ihn einem weisen Mann;
Mit diesem sandte er ihn sodannZu Lande» fremden und ferne»,
Fremde Sprachen zu lernen,
Vor allem der Bücher Wissenschaft,
Die sollte er treiben mit aller KraftVor jeder andern Lehre.
Das war die erste Schwere,
Aus seiner Freiheit der erste Fall,
Da trat er in den Bann und SchwallDer befangenen Sorgen,