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1 (1876) A - Dänemark
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Adeliche Erziehung.

kann dein Kinde höchstens die edeln Gaben der Eltern als Anlage mittheilen, und eshängt noch immer von der individuellen Haltung und der Führung des Lebens beidiesem Kinde ab, ob es die überkommene Anlage auch selbständig erfülle. Das Geblütwird wohl überliefert von Generation zu Generation, aber die Individuen sind immerneu, und zuvor nicht dagewesen. Es ist somit sehr möglich, daß die individuelle Träg-heit des Sohns die ererbte Anlage der väterlichen — und mütterlichen — Tugendenin sich verfaulen lasse, es ist sehr möglich und oft vorgekommen, daß ein liederlicherSohn die vom Vater überlieferte Erbschaft der Auszeichnung verschleuderte. Die Er-fahrung lehrt ferner, daß gewisse geistige Vorzüge, — künstlerisches Talent und wissen-schaftliche Fähigkeit — seltener auf die Nachkommen übergehen, als die Qualitäten desCharakters und Verstandesklarheit. Während wir also dem Erbadel mit gutem Rechteine Begründung in der menschlichen Natur vindiciren, welche in abstracter Weise ge-leugnet wurde, verkennen wir nicht, daß sein Wesen ein höheres ist, denn ein bloß >natürliches, daß eine Bildung desselben erst die Anlage entwickeln und zur Blüte undFrucht bringen, muß. Auf diese Betrachtung aber hat sich zu allen Zeiten bewußt undunbewußt gestützt, was die adeliche Erziehung gewollt hat.

Indem wir nun „dogmenhistorisch", wie es uns im Programm der Encyklopädie sempfohlen ist, die Geschichte der adelichen Erziehung zu skizziren versuchen, dürfen wir wohl an >das classische Alterthum nur kurz erinnern, und auf die Artikel „griechische, römischeErziehung" verweisen. Im Grunde war das nur adeliche Erziehung. Im Pädagogus,dem gut geschulten Sklaven, haben wir auch das Vorbild des Hofmeisters, welcherunserer Wissenschaft den Namen gegeben hat. Von einem Gegensätze, von systematischerVolkserziehung kann nicht die Rede sein. Vielmehr war der Gegensatz, an welchem dieErziehung des Adels im weitern Sinne zum Bewußtsein kam, ein außerhalb des eigenenStaats liegender, daher athenische und spartanische Erziehung.

Mit dem Eintritt der germanischen Welt in die Geschichte treten andere Be-stimmungen auf. Das Christenthum machte allmählich aus dein oolonus einen Hörigen,und die Kirche stellte dem von arbeitslosem Einkommen lebenden Adelichen den Kleriker !zur Seite, der häufig aus den unfreien Ständen sich recrutirend doch sein Pair wurde,da er als Abt und Bischof ein Lehensträger war und als Geistlicher sogar über ihmstand und vielfach auf die geistige und sittliche Bildung der Herren Einfluß übte. DerStand der Adelichen wirkte sich in den mannigfachen Verschlingungen und Ver-schränkungen der politischen und kirchlichen Mächte immer deutlicher aus zu einer socialenGestaltung, welche das ganze Abendland umfaßte. Wie diese Verhältnisse mit dengermanischen Sitten und Einrichtungen schon in ihren Wurzeln zusammenhiengen, unddie Erziehung ves Ritters ihr Vorbild in den Schilderungen findet, welche sowohlTa eit ns in seiner verklärten Germania, als auch die Edda uns geben, ist deutlichgenug. Letztere läßt die Edeln, die erhöhten Freien besonders geschaffen werden, nachden Unfreien und gemeinen Freien, von Rigr, dein Schöpfer der Stände. Das istwahrlich starke Betonung der Rasse. Der Edle lernt alle kriegerischen und Jagdübungen,Hengste reiten und den Sund durchschwimmen, Hunde Hetzen, Spieße werfen, Schwerterziehen, aber auch die Wissenschaft der Runen und den Zauber! Die Wehrhaftmachung,die Schwertnahme bestand seit den ältesten Zeiten. Sie blieb bei dein Stande, welcheraus dein Kriegsgesinde der germanischen Häuptlinge sich herausbildete. Dieses warschon zu Tacitus Zeiten beritten, die Reiter bildeten in den Zeiten der Völkerwanderungden edelsten Kern der Heere, der Adel als Lehensträger leistete seinen Kriegsdienst zuPferde, am Hofe der Carolinger waren die Waffenspiele durchaus kunstvolle Reiter-übnngen und seine Blüte fand der Adel somit ganz dem geschichtlichen Gange gemäßim Ritterwesen: er war wesentlich der Ritterstand. Diese Blüte entfaltete sich voll-ständig durch die Kreuzzüge, in welchen die berittenen Adelichen, welche die Fürstenumgaben, oder mit eigener Ausrüstung am bedeutendsten hcrvorragten, den geordneten,geübtesten, eigentlich militärischen Kern der Heere bildeten. Sie waren froh, sich durchihre äußere Erscheinung vor dein übrigen Haufen, welcher so viel Gesindel enthielt,