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1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
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Adelichc Erziehung. 37

menschliche Rechtsordnung reiche und wirke, im Staats- und Privatrecht sollte der Adelnicht weiter anerkannt werden. Die politische und rechtliche Stellung schien allenthalbenverloren: nur eine ganz, offene, allen Wellen des Angriffs bloße, sociale Stellung schiender Adel noch behaupten zu können.

Mit der Verneinung aber war es nicht gcthan. Wenn auch die Erfahrungen undKämpfe der letzten hundert Jahre eine Menge von Mißverhältnissen, an denen der Adelsclbst krankt, zum Bewußtsein gebracht haben, so folgt daraus noch nicht, daß dieselbenzu seiner Vernichtung führen mäßen. Wenn auch seit einen: Jahrhundert die öffentlicheMeinung, seit fünfzig Jahren selbst die Gesetzgebung im größten Theil des europäischenContinents eine dem Adel feindliche Richtung verfolgt hat, so besteht er doch noch immer,und immer wieder als politisch wichtiger Stand. Die demokratische Leidenschaft derersten französischen Revolution versuchte ihn durch Tödtung und Verbannung seinerGlieder auszurotten. Er hat diese Verfolgungen überlebt, und — trotz der fortdauerndenstaatsrechtlichen Auflösung — verzweifelt er noch nicht an seiner Existenz. In denFamilien, in die er sich als in seine sicherste Burg zurückgezogen hat, lebt er fort undpflanzt sich fort. Die Fortdauer des Hasses gegen den Adel beweist für das Fort-bestehen desselben. Um die Höfe her erscheint er überall als eine große politische Macht,in den Kammern, in den Beamtungen macht er sich geltend. Ja, die neueste Gesellschafts-wissenschaft erkennt es immer mehr, daß die Bildung einer würdigen und hoch-geachteten Aristokratie wesentlich die Tendenz und die große Frage der Gegenwart ist.Die Wissenschaft und allmählich auch bereits ihr folgend die öffentliche Meinung hatangcfangen, von einem Berufe des Adels in der bürgerlichen Gesellschaft zu sprechen;damit aber ist die Berechtigung der Pädagogik, von einer adelichen Erziehung zu handeln,von selbst gegeben.

Es ist klar, daß hier von keinem andern Adel die Rede sein kann als von: Erb-adel. Da gerade der Erbadel vorzugsweise Widerspruch und Haß erregte und vonihn: zumal behauptet wurde, daß er der Natur widerspreche uud als eine den: Unter-gang geweihte historische Institution nur noch eine Weile ertragen werden müße (Welkerin: Staatslexikon), und da doch wohl nur in Erbadelsfamilien von adelicher Erziehunggeredet werden kann, mäßen wir näher auf seine Begründung eingehen. Ursprünglicherhob man die Frage wohl gar nicht, ob die Vorzüge der Eltern auf die Kinder über-gehen können, und ob es nicht bloß edle Individuen, sondern auch edle Geschlechter gebe.Das hat man erst in der neueren Zeit in der Theorie geleugnet, in der Praxis abertäglich beobachtet. Die Abstammung von einen: bestimmten ausgezeichneten Geschlechte —so nennt inan ja recht bezeichnend die Familie in solcher Beziehung — ist ohne Zweifelvon großer Bedeutung, und zwar nicht sowohl in Hinsicht auf die Ausprägung bloßnatürlicher Unterschiede, welche zu kastenartiger Besonderung erstarren könnte, sondern inder lebendigen Bewegung und Gliederung der menschlichen Gesellschaft, einer Sonderung,welche überall die verschiedenen Stände erzeugt und fortgeführt hat. Ist ja doch einrechter, tüchtiger Bauer auch wohl in der Regel eines Bauern Sohn. Auf der Ueber-tragung und Fortpflanzung des eigenen Wesens beruht überhaupt die Cvutinuität derFamilie und Gemeinde, des Volkes und Staats. Alle arischen Völker namentlichhaben in: Verlauf ihrer Geschichte einen Erbadel gehabt, weil sie erkannten, daß in derFortpflanzung des Geschlechts ein Forterben des Geschlcchtsgeistes gegeben ist. Zumalaber findet dies in der entschiedensten und an: tiefsten begründeten Weise in den germa-nischen Kreisen statt, und das Wort uäul selbst heißt ja Geschlecht. (Vgl. d. ArtikelFamiliensinn.)

Wir dürfen uns aber dieser Betrachtung denn doch nicht blindlings hingeben; sieerfordert natürlich und erfahrungsgemäß bedeutende und nothwendige Beschränkungen,und es wäre eine faule, niedere Weise, in das Vollblut das Wesen des Adels zu setzen.An solcher krankhafter Vereinzelung krankt der eontinentale Adel wesentlich; er geht zun:Theil an dieser Eigenschaft zu Grunde. Vielmehr ist zu sagen: die Fortpflanzung desGeblüts und die Ueberlieferung der elterlichen Sitte durch den Geist in der Familie