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Abspannung. Abwechslung.
träge Ruhe. Verhütet wird solche Abspannung am sichersten durch naturgemäßen Ge-brauch der Lebenskraft; in diesen?Sinne nennt Jdeler „die Anstrengung das praktischePrincip der Diätetik." Aeußere Unterstützung durch Bäder, gymnastische Uebnngen w.muß psychischen Stärkungsmitteln ihre Wirkung erleichtern. Für die Schulthätigkeitinsbesondere gehören hierher noch folgende Bemerkungen: Oft bewirken vorübergehendeäußere Ursachen in der Schule Abspannung. Schwüle Witterung, bei welcher die er-forderliche Lebenslust in der Schulstube nicht hinlänglich vorhanden ist, bringt eineallgemeine Abspannung in der Classe hervor, der sich der Lehrer beim besten Willenzuweilen selber nicht entziehen kann. In diesem Falle hat er große Nachsicht zu übenund sich vor den verdrießlichen Ausbrüchen einer mismuthigen Passivität zu hüten.Der Unterricht wirkt abspannend, nicht wenn er die Kraft des Schülers in Anspruchnimmt, sondern nur, „wenn er eine zu lange Zeit dauert, nur unfruchtbare Seiten vondem Gegenstände darlegt, verwirrt ist und in leeren Wiederholungen sich ergeht"(Harnisch); auch wenn er L In Ratich die Schüler nur zum Aufnehmen verurtheilt.Uebermäßig lange Anspannung wird wohl nicht in der Volksschule, eher hie und da inhöheren Schulen Ursache der Abspannung sein; Abstumpfung des Interesses für dieGegenstände - des Unterrichts, im weitern Verlauf Abnahme der geistigen Lebendigkeitund Regsamkeit überhaupt, ja Schwächung der geistigen Kraft sind die natürlichenFolgen. Die weitere Ausführung der pädagogischen Maßregeln, durch welche der Ab-spannung begegnet wird, siehe in den Artikeln vom Spielen, von der Abwechs-lung, sowie von der Aufmerksamkeit. Schurig.
AÜthcilMlgen s. ClasseutHeilung.
Abthcilungsliuterrlcht s. Halb tags sch ule.
WwechsllMg. Die Frage, ob und wie weit Abwechslung in der Schule nochthue,.ist von größerer Tragweite, als es auf den ersten Blick scheinen möchte. Siekommt auch nicht bloß bei den Kindern der ersten Schuljahre, sondern für die ganzeSchulzeit, also für das gesammte Schulleben in Betracht.
Die Forderung, daß den Schülern-in ihrer Lern- und Schulthätigkeit Abwechs-lung geboten werden müße, ist in ihrer Allgemeinheit sehr vieldeutig.
I. Es kommt daher vor allem darauf an, sich des Zweckes, den man bei dieser For-derung im Auge hat, klar bewußt zu werden. Basedow hatte den Zweck, die Arbeit,Mühe und Anstrengung so weit als nur möglich zu beseitigen, um die Kenntnisse spie-lend beizubringen. Dabei wußte er den zum Umherschweifen ohnehin geneigten Ge-danken der Kinder, um sie an den Unterricht zu fesseln, durch die bunteste Reihe undden mannigfachsten Wechsel der Gegenstände, über welche der spielende Unterricht leichtund anmuthig hinschweifte, immer neue Nahrung zu geben. In entschiedenen Gegensatzzu diesen Ansichten tritt der Ernst der christlichen Erziehung. Sie erkennt es als eineihrer vornehmsten Aufgaben, das Kind zur Arbeit, zu angestrengter Thätigkeit zu ge-wöhnen und sieht darin eine heilsame Frucht für das ganze Leben. Darum verwirft siees als etwas unsittliches, sich der Kindesnatur in der bezeichneten Art zu accommodirenund die Scheu vor Anstrengung zu unterstützen. Basedow kam es nicht auf eine heil-same Gewöhnung, auf eine Zucht des Geistes an. In seinem Erziehungsplane lagnur die Erzielung eines äußeren temporären Effectes. Er unterstützte die Flatterhaf-tigkeit und Unstetigkeit des Kindes durch seinen extravagirenden Unterricht; durch diegeflissentliche Vorführung der verschiedenartigsten Gegenstände, Vorstellungen und Ge-danken in rascher Aufeinanderfolge überreizte er die Kindesnatur, anstatt sie der Unste-tigkeit zu entwöhnen. Eine solche forcirte Abwechslung erzeugt zuletzt ganz denselbenNachtheil wie geistloser Schlendrian und ermüdende Gleichförmigkeit, die sie zu ver-meiden bemüht ist: nämlich auch Schlenderei, Losgebundenhcit von festen Grundsätzen,richtiger Arbeit, strenger Mühe und Anstrengung. Eine so verwöhnte Natur gleichtdein Quecksilber, das kaum gesammelt auch schon wieder auseinander läuft.
Die stärkere und längere Spannung der Seelenkräfte macht tüchtige und nützlicheLeute; daher kann die Abwechslung in der Schule nur den Zweck haben , neue Kraft