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Abneigung.
daß sie ihre Aufmerksamkeit auf praktische Dinge fixiren lernen. Charaktere dieser Artwerden zwar nie in geschickter Handarbeit sich auszeichnen, aber man gebe ihnen immer-hin den Hobel oder Spaten in die Hand und lasse sie auch in der nicht zusagendenRichtung ihre Kräfte versuchen.
Jede vorhandene Kraft drängt nach Uebung und Bethätigung; Arbeiten, in welchen,der Mensch seine Kraft zeigen und entfalten kann, werden auch gern gethan, und Ab-neigung Pflegt sich nur da einznstellen, wo das Gefühl der in Anspruch zu nehmendenKraft nicht ermuthigend ist. Wenn den Schülern Aufsätze zugemuthet werden, fürwelche ihnen die Gedanken fehlen und deren Thema ihr Interesse kalt läßt, so werdensie mit Widerwillen an die Arbeit gehen. Oder wenn in der „Erklärung deutscherClassiker" über das, was keiner Erklärung bedarf und in seiner Wahrheit und Schön-heit nur empfunden werden kann, ein erklärender Wortschwall ausgegossen und durchgrammatische, historische, culturhistorische und kritisch-ästhetische Notizen der Totalein-druck so abgeschwächt nnd alterirt wird, daß der Schüler nicht mehr weiß, ob er dasalte, wohlbekannte Gedicht vor sich hat und ob der also tractirte Classiker wirklich nochein Deutscher sei: dann darf der Lehrer sich nicht wundern, wenn seine Schüler dieentschiedenste Abneigung vor dieser „Erklärung deutscher Classiker" offenbaren. Es istnicht selten, daß sogar vor dem Religionsunterricht diese Abneigung eintritt, wennz. B. der Lehrer, statt überwiegend objectiv die Heilslehre aus der Heilsgeschichte zuentwickeln und dem Verstände mit der Einbildungskraft zu Hülfe zu kommen, sich in breite,dogmatische Erörterungen verliert, oder fubjectiv seine Gefühlswelt in überschwenglicherWeise darlegt und Folgerungen zieht, für welche die Schüler keine Prämissen haben.Würden die Lehrer die Mienen ihrer Schüler schärfer beobachten, könnten sie daran einvortreffliches Barometer und Thermometer der Ab- und Zuneigung haben.
In, der Regel zeigen die Kinder Lust zum Beruf ihrer Eltern, da sie im elter-lichen Hause die beste Gelegenheit haben, sich theoretisch und praktisch die Berufsthätig-keit des Vaters nahe zu bringen. Die Eindrücke, weil sie in continuirlicher Reihe er-folgen, verbinden sich zu wohlgefügten Ganzen, und aus den Anlagen werden Kräfte,die in bestimmter Richtung hervortreten. Es kommt aber auch vor, daß eine ganzandere Berufsart im Stillen die Zuneigung des Kindes gewonnen hat, so daß gegendie mit Vorliebe gehegte und gepflegte Vorstellung die Eindrücke im elterlichen Hauseschwach bleiben, und, wo man Neigung vermuthete, plötzlich Abneigung hervortritt. Insolchen Fällen ist zunächst zu prüfen, ob nicht etwa eine zufällige Laune, bloßer Ehrgeizoder eine Unklarheit in der Vorstellung des gewählten Berufes obwaltet; zeigt sichaber die Abneigung in der Gemüthsverfassung, in den Anlagen und Kräften des jungenMenschen wohlbegründet, dann respectire man sie auch und wolle sie nicht mit Gewaltin die entgegengesetzte Neigung verwandeln. Die Individualität soll dem Erzieher heiligsein, wird aber leider aus Bequemlichkeit oder Egoismus desselben oft übersehen, ausEhrgeiz oder falsch angebrachter Strenge oft in unnatürliche Bahn gelenkt, wo die ur-sprüngliche Kraft verkümmern muß.
Ist es schon in Bezug auf diese Abneigungen vor gcwißen Arbeiten und Berufs-arten von großer Wichtigkeit, daß Lehrer und Erzieher ihre Zöglinge scharf beobachten,so mögen sie noch mehr auf ihrer Hut sein, daß keine Abneigung wider ihre Personsich bilde. Dies geschieht, wenn sie aus übertriebenem Eifer, ihre Auctorität geltendzu machen, den Zögling bei jeder Gelegenheit ihr Uebergewicht fühlen lassen, stetsherrisch und barsch gebieten und verbieten, bei dem kleinsten Versehen in Zorn gerathenund immer besorgt sind, zu viel nachzugeben. Gerade darum, weil sie Herrschaft übenwollen, gelingt es ihnen nicht; denn die Achtung und Zuneigung des Zöglings ist einefreiwillige Huldigung, die unfehlbar eintritt, wo sittliche Kraft und Würdigkeit ihmgegenübersteht, aber auch unfehlbar schwindet, wenn die Würde eine künstlich gemachteist. Das Herz verschließt sich vor solchen Auctoritätsmännern, und entschiedene Ab-neigung seitens ihrer Zöglinge ist ihr Lohn. Das Kind hat ein Bedürfnis — inanmöchte es ein religiöses nennen — zu achten und zu lieben, in seinen Lehrern und