Abhören.
Ablenieii.
1 !>
mals lesen, die schwächeren Schüler zugleich zur Uebnng in der Orthographie mehrmalsabschreiben, das Lied öfters singen lassen. Auch sollten den schwächeren und nach-läßigeren Schülern aus der Zahl der vorgerückteren für das Auswendiglernen Gehülfenund Mahner gegeben und bei solchen schwachen Schülern die Aufgaben in möglichstkleine Thcile je für einen Tag getheilt und solche TagsMfgaben täglich abgehört werden.Diese und ähnliche Hülfeleistungen lohnen sich reichlich damit, daß in kurzer Zeit alleSchüler von dem gleichen Eifer und der gleichen Lust beseelt werden, was ihnen auf-gegeben wird, recht zu lernen, und daß so von den Memoriraufgaben nicht eine pein-liche Erinnerung, sondern ein mannigfacher Segen über das ganze Leben der Schülersich erstreckt.. Storkmayer. -f
Abitnriciltciihriisllilg s. Prüfung, Maturitätsprüfung.
Ablcmcu heißt thun lernen, wie ein anderer thut, durch bloßes Beobachten, ohneVermittlung des unterrichtenden Wortes. Das Ablernen beruht auf dein Nachahmungs-trieb. Es wird zwar vorzugsweise von Fertigkeiten gebraucht, doch kommt es auchim geistigen Gebiete vor. So kann ein Sohn wohl sagen, er habe Geduld und ruhigeHaltung in schwierigen Lagen seinem Vater abgelernt, obwohl in solchem Falle dieErwerbung weniger den äußeren Sinnen zu verdanken ist. In dieser Beziehung istcs von großer Bedeutung, welches Verhalten ein Kind vom andern abzulernen Gelegen-heit erhält. Auch kluge Verstellungskunst kann man ablernen, auch Roheit des Be-tragens und der Sprache! Das Ablernen entspricht dann der so wichtigen unabsicht-lichen Erziehung. Auch das unwillkürliche, das unabsichtliche Thun des Erzieherssoll so sein, daß der Zögling, welcher es sich aneignet, hicmit etwas gewinnt, selbst inäußeren Dingen, z. B. in Bezug ans die Ordnung in der Zeit, im Aufräumen n. dgl.
Das Ablernen hat im Leben eine wichtige Rolle. Wie viel erwirbt auf diesemWege ein Kind schon bis zum schulpflichtigen Mer! Den Schatz der Mutterspracheeignet es sich vorzugsweise auf diesem Wege zu; eine beschämende Warnehmung fürden Lehrer, wenn er das Ergebnis seiner didaktischen Künste damit vergleicht. Svmanche Erfindungen hat der Mensch in ihrer ursprünglichen, unvollkommnern Gestaltder ihn umgebenden Natur abgelernt. Aber auch das Ablernen will gelernt und geübt, sein. Es gehören dazu geschärfte Sinne, Disciplin des Geistes, Direetion des Willens.Schon früh soll daher dein Kinde, oft ohne daß dasselbe die Absicht merkt, von denEltern und Erziehern geflissentlich Gelegenheit zum Ablernen gegeben, Geschick undNeigung dazu vermittelt werden. Belehrung durch Schule und Leben ist in vielenStücken ohne die Gabe des Ablernens auf Seiten des Lernenden fruchtlos. „Thunkann nur durch Thun gelehrt werden," sagt Comenius. Man denke an weibliche Ar-beiten, an die Handgriffe und Geschicklichkeiten, an sogenannte Vortheile der Hand-werker, an die Erlernung gewöhnlicher Feldarbeiten, an das Turnen. Im Schreiben,Zeichnen und Malen, im Clavier- und Geigenspiel u. s. w. ist Belehrung einseitig undnicht ausreichend, wenn nicht dem mustergültigen Vorthun das Nachthun folgen kann.„ Wenn's einer steht, gleich hat er's weg." Ein bedeutungsvoller Wink für den Lehrer,nicht nur für Fertigkeiten im engeren Sinne, sondern auch für das, was in andernUnterrichtsgegenständen Sache der Uebnng ist: da soll er den Schülern ein rechterMeister sein, denn von einem solchen allein kann man wirklich ablernen. Nachahmungäußerer Sitte und äußeren Anstandes, der Bewegungen und der ganzen Art einesRedners, selbst der Betonung beim Lesen und Sprechen ist theilweis ein Ablernen.Eine besonders wichtige Stellung hat dasselbe in der Bildung des Taubstummen.Dieser lernt sprechen durch Absehen und Abfühlen. — Es scheint, als habe mau infrüherer Zeit mehr auf das Ablernen gegeben; die Neuerer haben der Natur zuwiderdas bewußte Thun allein geschätzt und das Ablernen gering geachtet. - Die ineistenSchulmeister älterer Zeit gelangten hauptsächlich dadurch in den Besitz ihrer Kunst,und sicherlich muß auch heut zu Tage noch dem Ablernen ein gut Theil der praktischenBildung der Schullehrer nicht aufs Gerathewohl überlassen bleiben, sondern geflissent-lich und planmäßig entgegengebracht werden. Schuri».
2 *