10 Aberglaube. Abfragen.
ist christlich, aber die Ausdeutung zu einem Augurium heidnisch; in allein, was wirthun, unfern Willen von Gottes Willen lenken lassen christlich, heidnisch aber, unshiebei nach äußerlichen Merkzeichen richten und unser Leben nach dein Kalender, anstattnach dein Wegweiser des Ewigen regulären. Das Bedürfnis spricht sich in jenem Aber- -
glauben aus, nichts einzelnes im Erleben und Handeln gering zu achten, jedes, auchdas Kleinste, einer höheren Ordnung einzureihen, aber es befriedigt sich rein äußerlichund unfrei; denn so lebt nicht das Kind im Hause, welches von den Augen des Vaterssich leiten läßt, sondern der Unterknecht, der sich einer von Oberknechten octroirtenmechanischen Hausordnung unterwirft, daher auch keine moralische Kraft in solchen Vor-stellungen liegt, weder für das innere Leben, noch für das äußere, wie sich aus den:oft ganz unsittlichen Wandel solcher abergläubischen Leute erklärt, welche z. B. amFreitag reisen für eine Sünde, aber .alle Tage fluchen für keine halten. Es beweistmit für den tiefsittlichen Ernst der mosaischen Gesetzgebung, wie für die Höhe religiöserVorstellung und die Innigkeit des Verhältnisses zu Gott, wenn dort das Volk gewarntwird: „daß nicht unter dir gefunden werde ein Weissager, oder ein Tagewähler, oderder auf Vogelgeschrei achte, oder ein Zauberer, oder Beschwörer, oder Wahrsager, oderZeichendeuter, oder der die Todten frage; denn wer solches thut, der ist dem Herrn einGreuel; ... Du aber sollst ohne Wandel sein mit dem Herrn, Deinem Gott"
(5. Mos. 18, 10—13. vgl. 3. Mos. 19, 31). Man vergleiche diesen mikrologischenAeußerlichkeits- und Kalenderdienst mit derjenigen Gesinnung, welche den Wandel nachdem Vorsatz: „es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht den Willen Gottes thut,"richtet, um zu erkennen, daß dort die Ahnung eines Numen in Abgötterei ansschlägtund daß ein „Aber" dabei ist, welches den Glauben nicht nährt, sondern daran zehrt.
Aus dem Bisherigen geht schon hervor, wie dem Aberglauben zu begegnen sei.Worauf es vor allein ankommt, ist Befriedigung der tieferen Herzens- und Geistes-bedürfnisse, Erleuchtung des Grundes der Seele, aus welchem die nächtlichen DingeHervorbrechen, wenn nicht das Licht hinuntergedrungcn ist. Christliche Erkenntnis undkindliches Gottvertrauen pflanzen nimmt der Wurzel des Aberglaubens die Nahrungvon innen; Beseitigung der Vorurthcile über Naturdinge, durch Mittheilnng verständigerAnsichten und überhaupt Gewöhnung zu richtigem Warnehmen und Urtheilen die vonaußen; bei Knaben ist außerdem Herzhaftigkeit und Muth zu üben und wider Gespenster-furcht auch die Ambition ins Feld zu führen. Spott wird nur gegenüber von ganzaberwitzigen Kundgebungen des Aberglaubens am Ort sein, um Scham zu erzeugen undden Verstand aus dem Schlaf zu wecken; dagegen um so größerer Ernst der sittlichenEntrüstung wider das Gottlose, Lieblose und Unmoralische im Aberglauben. Lx xrotsssoihn bekämpfen ist indicirt, wenn irgend etwas Auffallendes vorausgieng, seine Verkehrt-heit und Verderblichkeit bloß zu legen. Den Streit wider ihn mit Haaren herbciziehenbewirkt eher das Gegentheil. Auch soll man die Schwachen nicht verletzen ohne Noth,bei welchen der Aberglauben oft nur ein Ueberkleid des Glaubens ist, das mit schnellerGewalt ausziehcn Erkältung bewirkt. Ein Lehrer, welcher die Großmütter im Ortewider sich hat, wird die Kinder seiner Schule schwer für sich haben. Verächtliche Be-handlung der Abergläubischen scheucht ihren Jrrthnm ins Verborgene zurück und machtihn desto zäher; Bekämpfung des Aberglaubens durch Waffen des Unglaubens pflügtbloß das Feld nur, daß neues Unkraut statt des alten sprießt. Gleichwie die Fleder-mäuse um die angezündete Lampe flattern, aber vor der Sonne weichen, so weicht derSpuck aus dem alten Heidenthum und aus den heidnischen Regionen des Herzens nichtdem selbstgemachten Schein der oberflächlichen Aufklärung, sondern dem Gotteslicht, dasGlauben und Wandel durchleuchtet und das belehrende Wort im Munde des Erziehersbekräftigt. A. Haubcr.
Alifrngc». Da diese Art des Fragens, als in den Complex der didaktischen Technikgehörig, in den Artikeln „Fragen und Antworten" und „Katechismen" besprochen wird,so genügt es, hier der Vollständigkeit wegen nur kurz dieselbe zu erörtern. Wie das 'Abhören immer voraussetzt, daß ein Pensum vorher eingeübt ist und nun als Ganzes )