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Aberglaube.
die da auf.den tiefsten Grund des Herzens dringen, wo sie aus dem obersten Himmelgeholt sind, als: „Denen, die Gott lieben, mäßen alle Dinge zum Besten dienen;"„ich weiß, daß weder Hohes, noch Tiefes . . . mich scheiden kann von der Liebe Gottes,"und dem gleiche, wenn diese ignorirt sind und ihnen der Eingang gesperrt ist, so bleibendie schwierigeren Führungen, die dunkleren Partieen des Lebenswegs unerklärt, so istder Seelengrund nnanfgehellt, nicht hereingezogen in die christliche Erleuchtung, undalso sobald er aufgeschreckt wird durch Schicksalsschläge, so reagirt er nicht christlich,sondern heidnisch, anstatt mit Gebet, mit Magie, anstatt mit Vertrauen, mit Ver-zweiflung — ein Saul, der zu der Todtenbeschwörerin in Endor wallfahrtet.
Man möge nicht einwenden, es gebe auch eine unschuldige Art von Glauben anSympathie und Magie; ganz unschuldig kann es kaum sein, sich solchen dunkeln Dingen
anzuvertrauen, zumal bekannt ist, daß fast bei. aller Sympathie Mißbrauch der gött-
lichen Namen auf Seiten der Leute, die sie als Gewerbe treiben, stattfindet. Aber manmuß auch wissen, daß noch ganz anderes als solcher Misbrauch gar nicht selten mit-unterläuft, die sogen, schwarze Magie, eine Art Teufelseult mit Verwünschungen, mit
Beraubung der Leichen in den Gräbern u. s. f., so daß hier nicht bloß Dunkelheiten,
sondern wirkliche Werke der Finsternis sind. Daher ist auch aus diesen: Grund eswiederum mit Spotten über den Aberglauben nicht gethau, sondern es muß hier nebenden: in malichen Aeußerungen Komischen eine wirkliche Nachtseite des menschlichen Lebenserkannt werden, selbst wenn man nicht daran zu erinnern hätte, wie viel Unfug, Unsitt-lichkeit (bei Behandlung von Liebesaffairen durch Kartenschlägereien u. dgl.), Betrug(bei Schatzgräberei), Feindschaft (aus der Beschuldigung, eine Hexe zu sein) und Miß-handlung sich mit solchen: Aberglauben zu verbinden Pflegt. — Eine besonders reicheQuelle des verkehrtesten und verderblichsten Aberglaubens eröffnen diejenigen Staaten,welche mit dem Lotto sich selbst eine Finanzielle öffnen. Sie irritiren erst die Sucht,in: Schlafe reich zu werden, dann infolge betrogener Hoffnung und ausgesaugteu Wohl-standes den dunkeln Drang verzweifelnder Roth, lenken die Gemüther von den: redlichenVerlaß auf Gott zun: blinden Vertrauen auf den Zufall, zun: phantastischen Speenlirenauf Mächte, die den Zufall beherrschen sollen, daher Traumdeuterei, Kartenschlagen,Tagewählerei, schwarze Magie, nicht selten auf Gräbern und an Leichen getrieben, nebenUntreue und Diebstahl der Hausgenossen und Ertödtung des Fleißes in der Sparsamkeit.Lotto errichten und wider den Aberglauben streiten, heißt sich selbst auf den Mundschlagen; Kirche und Schule zumuthen, letzteren zu vertreiben, während man ersteresbegünstigt, ist ebensoviel als den: zun: Trunk Geneigten eine Mäßigkeitspredigt halten,während man ihm die Branntweinflasche an den Mund hält. Was aber das Lottoden Aermeren, sind die Spielbanken den Vornehmeren und Reichen, auch hier nichtselten Anlaß zu der unsittlichen Thvrheit schwarzer Künste wie zu eitlen Verstandes-operationen mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Ist Politik zugleich Pädagogik in:umfassenden Sinn, ihr Augenmerk die Vvlkserziehung, so hat man hier einen traurigenBeweis politischer Blindheit und unbegreiflichen Widerspruchs der Staatssinanzknnst mitder Erziehuugskunst. — Daß Bayern sein Lotto, das deutsche Reich die Spielbankenaushvben, ist ein mehr als bloß volkswirthschaftlicher Fortschritt.
Unschuldigeren Aberglauben möchte man denjenigen nennen dürfen, welcher sich ohnebesondere Absicht mit Zeichendeuten und Tagewählen abgiebt. Als z. B. welchenThieren man bei::: Ausgehe::, auf einer Reise zuerst begegnet, wenn es einen: geträumthat von Gold, Perlen, Hochzeit, Zähneausfalleu u. dgl., sodann die Scheue, au: Freitageine neue Arbeit anzufangen, den Dienst zu wechseln, zu reisen — was in allen Länderndie Eisenbahnkassen an der geringeren Einnahine für Personenbillets empfinden. Es giebteigene Bücher hierüber und eine bunte Tradition, welcher beispielsweise der Geburtstagdes Judas Jscharioth ein besonders bedenklicher Tag ist. Manche leben täglich insolchen Vorstellungen, namentlich Frauen aller Stände, und reguliren guten Theils ihrThun und Hoffen darnach. Aber es ist doch hierinne:: eine nicht gering anzuschlagendesittliche Verkehrtheit. Denn in allen:, das uns begegnet, eine Botschaft Gottes erkennen,