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1 (1876) A - Dänemark
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Aberglanbe.

von einem St. Germain, Cagliostro, Mesmer und andern zu allerlei mystischem Be-ginnen und Meinen leiten ließen, und unserer Gegenwart mußte der grosse Unsinn desTischklopfens die Einbildung auf ihren hohen Bildungsstand zerstören helfen. Dennum wider Aberglauben gefeit zu sein, hilft nicht der Schliff des natürlichen Verstandesan sich, am wenigsten aber, daß man den Glauben verlassen hat. Gerade hier pflegtjener vielmehr als eine Art Nothwehr des vernachläßigten tieferen Seelenbedürfnissesaufzutreten, zugleich ein armseliges, phantastisches Surrogat der Religion und einebeschämende Züchtigung der Jrreligion. Aberglaube verhält sich in dieser Beziehungzum Glauben wie Abgott zu Gott, denn der Abgott ist das eigene Wahngebild desHerzens, welches Gott verlassen hat und doch von dem Bedürfnis Gottes nicht los-kommen darf (Apostelgeschichte, Cap. 17), daher es sich selbst seine Götter schaffen undin ruhelosem Suchen ermüden muß.*)

Es wäre ganz irrig, bloß bei den sog. ungebildeten Ständen Aberglauben voraus-zusetzen; diese Krankheit zieht sich durch alle hindurch; nicht bloß die weltberühmteKartenschlägerin Lenormand in Paris ist des Zeuge, es giebt auch in DeutschlandStädte genug, da man zu weit geringeren Weibern wallfahrtet, in Equipagen wie zuFuß, sei es, daß Zahnweh oder verschmähte Rebe oder eine gestohlene Uhr den Antriebgiebt, und die Magier auf dem Dorf, Schmiede, Schäfer, Schinder u. dgl. bringen csnicht selten zu einer Praxis, welche an Umfang die der berühmtesten Aerzte erreicht undzu welcher manchmal Leute ihre Zuflucht nehmen, von denen sich alles andere eher er-warten ließe. Ein psychologisches Problem, das sich doch unschwer löst. Denn an undfür sich liegt in der menschlichen Natur ein Zug nach dem Wunderbaren, bei vielenschlummert er längere Zeit und wacht erst unter besonder» Umständen auf, bei andernist er rege als oberflächlicher Fürwitz oder als ein tieferes intellectuelles Bedürfnis.Wenn nun diese an dem Mysterium des Christenthums vorübergehen, welches den: Geistnach allen Richtungen hin (Rinn. 1t, 33. Eph. 1, 17. Kol. 2, 3) Arbeit und Nahrunggewährt, so fallen sie in das Phantastische, Abenteuerliche, und Haschen nach dem Spuckselbstgemachter Mysterien. Bei jenen aber ist es gewöhnlich ein unmittelbares, prak-tisches Bedürfnis, was sie dein Aberglauben zuführt, eine größere Noth, welche über siekommt, und über welche sie sich nicht orientiren können, daraus sie sich nicht zu helfenwissen. Denn was sie von Glauben in sich tragen, das reicht etwa aus für denBedarf des gewöhnlichen, täglichen Lebens, was über dieses hinausgcht, macht sie irre.Z. B. eine Krankheit, welche der ärztlichen Kunst nicht bald weichen will, weckt denVerdacht, angethan zu sein, oder wenn auch dieser Aberglaube überwunden ist, dochdas Horchen auf Erzählungen, wie durch Sympathie oder durch , einenMann" demund jenem geholfen worden sei, und endlich wird dieser Hülfsweg selbst eingeschlagen.Es ist das Unerklärte in unserem Schicksal, was uns dein Unerklärlichen, Magischenentgegentreibt; sobald wir in unseren: Leben auf dunkle Puncte stoßen, gewinnen auchdie dunkeln Hülfen einen Reiz für uns; im Uebrigeu ganz geschcide Leute kam: inanmit naivster Ueberzeugung von solchen dunkeln Hülfen reden und sie anpreisen hören.Hier aber muß man einsehen, daß es eben ein oberflächlicher Glaube ist, welcher demAberglauben das Feld räumt, sobald das Ungewöhnliche erlebt wird; es fehlt an eineingründlichen Eingehen in den ersten Glaubensartikel: ich glaube an Gott Vater, all-mächtigen Schöpfer Himmels und der Erden, und an seine Auslegung: ich glaube, daßmich Gott erschaffen hat samuit allen Ereaturen u. s. f. Die eigentlichen Trostsprüche,

*) Zu vergl. Jellinghaus in der Allgem. Missions-Zeitschrift von Warneck 1874. Februar.S. 63 f.Das Heidenthum in seiner tiefsten Wurzel ist die Gottes alleinige Allmacht und An-betungswürdigkeit aus Sündenliebe und bösem Gewissen fliehende und vergessende Gesinnung,demzufolge dann staunende Anbetung der geisterhaft und übernatürlich erscheinenden schaffenden undzerstörenden Naturmächte, und in dieser . . . Geistcsrichtung der Versuch, diese unheimlichen Mächteohne sittlich religiöse Besserung durch Zauberei, Opfer, Sympathie sich unterthan zu machen odervon sich abzuwehren." Der ganze auf eigene Anschauung gegründete Excnrö ist auch in ethno-logischer Hinsicht lesenswerth.