ABC-Buch.
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Wie in den Fibeln Verschiedenheit ist in der Reihenfolge der Buchstaben, so auchin der Wahl der Silben und Wörter. Während früher etliche meinten, man müssealle immer mögliche Lautverbindnngen einüben, hat sich die große Mehrzahl dahin ge-einigt, nur solche in die Fibel aufznnehmen, welche in der deutschen Sprache wirklichVorkommen, und auch von diesen, so viel möglich, die sinnlosen Silben auszuschließenund in der Sprache übliche und den Kindern leicht verständlich zu machende Wörtermöglichst bald ausschießlich aufzuführen, weil man es für wichtig hält, daß die Kindervon Anfang an verstehen, was sie lesen, und sich daran gewöhnen, nach der Bedeutungjedes Wortes zu forschen. Ebenso ist Verschiedenheit warzunehmen in Hinsicht ans denOrt, an welchem mit der Einübung der Majuskel angefangen wird, die bei derSchreiblesemethode mehr Schwierigkeit macht als bei jedem andern Leseverfahren. Einigestellen gleich von vorne an Majuskel und Minuskel zusammen und üben sie mit ein-ander ein; es ist aber nicht bloß bei der Schreiblcsemethode, sondern auch bei den anderenMethoden schwierig für die kleinen Anfänger, gleich zwei verschiedene Zeichen für einenund denselben Laut kennen zu lernen, zu behalten und zu gebrauchen. Andere, undzwar die meisten, lassen deswegen zu der Majuskel erst dann übergehen, wenn dieMinuskel in mehrsilbigen Wörtern eingeübt ist. Sie unterscheiden sich aber darin,daß etliche vor Einübung der Majuskel kein Substantivum bringen, um des ortho-graphischen Unterrichts willen, damit kein orthographisch falsches Bild der Substantivesich den Schülern einpräge; da aber die Nichtsubstantive, wenn sie einzeln stehen, theilsinhaltslos sind, theils ihre Bedeutung nicht leicht verständlich zu machen ist, ziehen esandere, und zwar die meisten, vor, gleich anfangs Substantive mit kleinen Anfangsbuch-staben vorzuführen, bei welchen die Schüler leichter sich das Rechte vorstellen können,und üben hernach, wenn sie an die Majuskel kommen, dieselben Wörter mit dein großenAnfangsbuchstaben ein, um damit den früheren orthographisch falschen Eindruck zu emendiren.
Während früher nach der Einübung einzelner Wörter nur das Vater Unser, derGlaube, die zehen Gebote und etliche Sprüche und Gebete als Lesestiicke beigefügtwurden, hat man in der neueren Zeit dem ABC-Buch als „ersten: Lesebuche" einenweiteren Umfang gegeben und in der Stufenfolge vom Leichten zum Schwereren, von:Einfachen zum Zusammengesetzteren ganze Sätze und kürzere Lesestücke theils in unge-bundener , theils in gebundener Rede auf die einzelnen Wörter folgen lassen. Die aller-dings nöthige Rücksicht auf die Fassungs- und Vorstellungskraft der Kinder hat aberhin und wieder zu Kindischem, Inhaltlosem und Abgeschmacktem verleitet. Es gilt auchhier, wie sonst, daß bei aller Berücksichtigung der geistigen Entwicklungsstufe derSchüler doch das Beste den Kindern gehöre, daß neben der Einbildungskraft besondersden: Gemüthe derselben geeigneter Stoff zu bieten, also vornehmlich das religiöseElement im ABC-Buch nicht hintanzusetzen ist. Anhänge von k-s-1 und 1X1 n. dgl.,welche die meisten ABC-Bücher haben, können nichts schaden, sind aber den: Begriffedes Buches gemäß unwesentlich.
Die Unentbehrlichkeit des ABC-Buches ist seit langen: anerkannt. Wenn es aucheine Zeit lang schien, daß cs durch die Lesekästen und Wandfibeln überflüssig gernachtund verdrängt werden könnte, so hat doch die Erfahrung gelehrt, daß es besser ist,wenn jeder Schüler sein ABC-Bnch hat, sowohl um genauer die Buchstaben sehen, alsauch um das Gelernte zu Hause repetiren zu können. Bei der Schreiblesemethvde hatdie Fibel noch den weiteren Vorzug, daß der Schüler die Buchstaben nur in der gleichenGröße, wie sie im Buche sind, nachbildeu darf, während es ihn: schwieriger wird, sievon der Wandfibel oder Tafel in verjüngten: Maßstab abzuschreiben. So wird dasABC-Buch wohl auch in Zukunft unentbehrlich und damit in der civilisirten Welt „dasverbreitetste und gelesenste Buch" bleiben. Vgl. die Art. Leseunterricht, Olivier, K. A.Zeller, Natorp, Stephani.*) Stockmaycr. ch
*) Unter dm neueren Fibeln heben wir namentlich noch hervor die „Deutsche Fibel von H.Fechner" (4 Sgr.) und „Erstes Lesebuch" von^demselben^(5 Sgr. Berlin, Wiegandt und Grieben),