4
ABC-B»ch.
erste Schritt ins Alphabet," Ansb. 1852), wo jeder Buchstabe durch die Figur einesbekannten Werkzeugs, Geräths u. dgl., dessen Name mit diesem Buchstaben anfängt, sodargestellt ist, daß die Gestalt des Buchstabens selbst durch stärkere Linien hervvrge-hoben und was an der Figur nicht zum Buchstaben gehört, nur durch Punete angc-deutet ist. Blag man auch alle diese Versinnlichungen eine Spielerei nennen, die mehrzerstreut als fördert, so scheint doch die zu Grunde liegende psychologische Wahrheiteinige Anerkennung zu verdienen, daß die in dein Kindesalter vorherrschende Einbil-dungskraft mehr, als gewöhnlich geschieht, in den Dienst des Lerngeschäfts gezogenwerden dürfte. Sagt doch schon Quinctilian: blon sxoluäo, ick cpuoll sst not»,»,irritanäas all llisosnllurn intantias Zratia sburnsas stiarn Utsruruiu kornras in lusuniotk'srrs, vsl si guiä aliuä, <^uo rnaAis lila astas Zaullsat, invsniri potsst, guolltrauturs, intusri, noininars suounäuin sit.
Die neueren methodischen Bestrebungen, welche seit dem letzten Viertel des vorigenJahrhunderts sich wie anderen Unterrichtsfächern so vorzugsweise dem elementarischenLeseunterrichte zugewendet haben, haben eine Menge und Mannigfaltigkeit veränderterABC-Bücher (auch unter mancherlei Titeln) im Gefolge gehabt. Wie schon die Olivier'scheMethode, die den Uebergang von dem Buchstabiren zum Lautiren bildet, von Olivierselbst (Elementarlesebuch 1808) und von andern Fibeln zu Tage gebracht, welche vonden alten ABC-Büchern wesentlich verschieden sind, so haben besonders Krug (hoch-deutsches Syllabir-, Lese- und Sprachbuch 1806, und erstes Lehr- und Lesebuch 1807)und K. A. Zeller (Elemente der deutschen Sprachzeichenlehre 1810, deutsche Les- undRechtschreiblehre 1840), welche neben dem Lautiren einen besondern Werth darauf legten,daß die Schüler sich bei jedem Laute der Mundstellung, durch welche er entsteht, be-wußt werden, ferner Stephani (Fibel für Kinder edler Erziehung 1806), der für deneigentlichen Urheber der Lautirmethode angesehen sein will, Natorp, Tillich und un-zählige andere Fibeln geschrieben, welche der Lautirmethode gemäß eingerichtet sind.Sie konnten diese nicht wohl ABC-Bücher nennen, weil darin nicht das Alphabet inder althergebrachten Ordnung voransteht, sondern gewöhnlich die Vocale (zum Theilgleich auch ihre Umlaute und Doppellaute) den Anfang machen und dann die Conso-nanten in einer genetischen Ordnung, welche für die Aussprache des Lauts am ange-messensten däuchte, (z. B. Stephani 1) Lippenlaute: m, b, p, f, v, w; 2) Zahnlaute:s, sch/ ZI 3) Zungenlaute: d, t, l, n, r; 4) Gaumenlaute: g, ch, k; 5) Lungenlaut: h,folgen und mit den Vocalen in Verbindung gebracht werden. Nachher aber folgenSilben und Wörter ungefähr in derselben Ordnung wie in manchen (besseren) ABC-Büchern der Buchstabirmethode. Wieder eine andere Gestalt haben später diese Bücherbekommen, sofern sie für die besonders von Graser empfohlene und verbreitete Schreib-lese-Methode eingerichtet wurden. Während bisher bloß die Druckbuchstaben in die Fibelgekommen waren, machten nun die Schreibbuchstaben den Anfang und die Ordnunggestaltete sich bei diesen ganz anders, indem die einfachsten Schreibbuchstaben: i, n, m,u, w. voranstehcn und die anderen in dein Verhältnis ihrer Zusammensetzung und ihrerSchwierigkeit für die Hand der Schüler Nachfolgen, und erst wenn der Schreiblese-unterricht so weit vorgeschritten ist, daß ganze Wörter, welche aus den verschiedenstenBuchstaben bestehen, geschrieben werden können, folgen die Hebungen in dem Lesen derDruckschrift. Doch verbinden auch einige gleich von Anfang an die Druckschrift unddie Schreibschrift der Buchstaben mit einander. Selten aber sind solche Fibeln fürdiese Methode, welche statt der gewöhnlichen Schreibschrift die Graser'sche oder eineähnliche sog. Elementarschrift voranstellen und auf diese erst die gewöhnliche Schreib-schrift und dann die Druckschrift folgen lassen oder alle drei Schriftarten mit einanderverbinden. Bei dein streng-analytischen Verfahren endlich, dessen Urheber Jacotot istund das besonders in Schlesien Eingang gefunden hat, ist der Methode gemäß eingeeignetes Lesestück voranzustellen, an welchem die Schüler auf analytischem Wege dieeinzelnen Buchstaben kennen lerne» sollen, worauf erst die Aufstellung derselben undihre Wiederzusammensetzung in beliebige Silben und Wörter erfolgen kann.