vorhanden war, wenn auch mit Maßmann (Die gothischen Urkunden von Neapel undArezzo S. 6 f.) eine stehende, feste Schrift für Bücher und Inschriften, und eine lie-gende, Cursivschrift, für den täglichen Lebensgebranch unterschieden werden darf. Svhoch das Verdienst Wulstlas für die Bildung des gothischen Volkes anzuschlagen stk,der Gebrauch seiner Schriftzeichen war nicht von langer Dauer und fiel mit derSprache und dem Volke der Gothen der Geschichte anheim. Dagegen ward im Abend-lande von den deutschen und romanischen Völkern allgemein das lateinische Alpha-bet angenommen. Im Laufe des Mittelalters blieben sich jedoch die Gestalten derlateinischen Buchstaben nicht gleich. Abgesehen davon, daß bei einzelnen Nationen dieZüge zuweilen einen landschaftlichen Charakter annahmen «spanische, französische, angel-sächsische Schrift), gieng auch im allgemeinen mit der Schrift eine Umgestaltung vorsich, an welcher in: wesentlichen der ganze Westen Europas theilnahm. Wie derCharakter der bildenden Kunst überhaupt uud der Architektur und ihrer Ornamentik ins-besondere von der runden Linie zum Spitzbogen übergieng, so geschah es auch in derSchreibkunst, daß die Rundschrift sich in die eckige umgestaltete. Sv entstund diesogenannte Mönchsschrift, die man wohl auch gvthische genannt hat, aber ebensounrichtig, als man die altdeutsche Baukunst die gvthische heißt; die Gothen haben mitbeiden gleich wenig gemein. Besser würde man sie die germanische oder deutsche Schriftnennen, denn sie entstund in der Zeit, da die Deutschen in Europa die erste Rollespielten, und kan: in Gebrauch außer den germanischen bei allen abendländischen Völkern,auf deren Sprachbildung das germanische Element eingeflossen hatte, sowie bei den sichlediglich an die deutsche Bildung anlehnenden Slawen, Letten, Finnen, Ungern. Deutscheheißt sie jedenfalls mit Recht für die spätere Zeit, wo die germanischen Völker alleinsie festhielten, während mit der zur Antike zurückkehrenden Umwendung des Kunstge-schmacks die romanischen Völker und die halbromanischen Engländer etwa von: 16tenJahrhundert an zu eineu: der alten Rundschrift ähnlichen Alphabete sich zurückwandten.Es ist bekannt, daß man neuerdings diese römische Rundschrift auch für Deutschlandallgemein zu machen versucht hat, und auf Seiten dieser Neuerer steht vor allen diegewichtige Auctorität unseres größten Sprachforschers Jakob Grimm (Vgl. dessen deutscheGrammatik, dritte Ausgabe, 1, 26—29; deutsches Wörterbuch 1, lij ff.), welcherseine Gegner in dieser Frage geradezu mit den: Anathem belegt: „Wer die sogenanntedeutsche Schrift braucht, schreibt barbarisch." Seine Gründe für die Einführung der Rund-schrift sind in: wesentlichen folgende: Es ist nicht die deutsche Schrift, welche so genanntgenannt wird, da bekanntlich in: Mittelalter durch ganz Europa nur eine Schrift füralle Sprachen galt, die lateinische, deren runde Züge seitdem löten, 14ten Jahrhundertvon den Schreibern an den Ecken ausgespitzt und in den Majuskeln am Eingang neuerAbschnitte verschnörkelt, und in dieser Entstellung nicht nur von Deutschen angewandtwurde, sondern ebenso von Romanen und Slawen. Man darf nicht alle unter unsin: Schwang gehenden Misbräuche zu ursprünglich deutschen stempeln. Als Misbrauchaber erscheint die deutsche Schrift sowohl Mach ihrer Entstehungsgeschichte, als durch dieNachtheile, welche ihr Gebrauch mit sich führt; sie ist zumal in der Majuskel unförm-lich und das Auge beleidigend; sie ist es, die den albernen Gebrauch großer Buchstabenfür den Anfang der Substantive veranlaßt hat; sie nöthigt, in den Schulen die Zahlder Alphabete zu verdoppeln; sie zwingt die Druckereien, sich mit den: zwiefachen Vor-rath lateinischer und deutscher Typen auszurüsten; sie kann den Unterschied der Majuskel1 und nicht ausdrücken, auch entgehen ihr die Accente; sie hat durch die Verbindungß die falsche Auflösung in ss und ss herbeigeführt, so daß einfältig derselbe Laut andersausgedrückt ist, je nachdem deutsch oder lateinisch geschrieben oder gesetzt werden soll;endlich hindert sie die Verbreitung deutscher Bücher ins Ausland. Kann man auch 1manche der von Grimm gerügten Nachtheile der deutschen Schrift unbedenklich zugeben jund namentlich die besonders für die Bequemlichkeit des Schreibens hochanzuschlagendegrößere Einfachheit, auch die größere Zierlichkeit der Rundschrift anerkennen, so fragt!sich doch, ob diese Rücksichten bedeutend genug sind, um gegen gewichtige Gründe zu
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