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1 (1876) A - Dänemark
Entstehung
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A.

ABC, das deutsche. Me Buchstabenschrift geht im allgemeinen von demGrundsätze aus, für einen einfachen Laut ein einfaches Zeichen zu benützen, und hatdurch dieses Mittel über die ältere Bilder- und Silbenschrift für immer gesiegt.' Die wichtige Erfindung der Buchstabenschrift reicht in graues Alterthumzurück und wird gemeiniglich als von Aegypten und Phönicien ausgehend angenommen.Bon dort her ward die Schrift unter Griechen, Etruskern und Römern einheimisch;die Gestalt der einzelnen Zeichen ward vereinfacht und veredelt und drang mit derrömischen Cnltur allmählich in das übrige Europa. Neben diesem breiten Strome, indem sich die Schrift durch die Länder ergoß, vermuthen einige (vgl. I. Grimm, Ge-schichte der deutschen Sprache S. 156) auch noch schmale und versteckte Gänge, answelchen sie theilweise vordrang, wieder stockte oder hernach in jener größeren Massesich verlief. Sv viel ist sicher, daß die Schrift auch unter den zur germanischen Sprach-familie gehörigen Stämmen zum Theil sehr verschiedene Gestalt annahm. Die erste ger-manische Buchstabenschrift ist die Runenschrift, d- h. Geheimzeichenschrift, so be-nannt, weil die nur von Gelehrten geübte Kunst dem Volke als unzugänglich und mitden Mysterien der Religion zusammenhängend erschien. Lüna heißt sonst im Gothischen,Altsächsischcn, Angelsächsischen und Althochdeutschen Geheimnis, geheime Berathung, undhängt zusammen mit ahd. rünon, ags. rünjan, nhd. raunen, flüstern. Aller Wahr-scheinlichkeit nach reicht der Gebrauch der Runen bis ins höchste germanische Alterthnm,jedenfalls vor die Bekehrung zum Christenthum hinauf und war, wie sich schon aus

> der Verschiedenheit der nordischen, der sächsischen, der markomannischen und der gothi-

i scheu Runenschrift kund giebt, allgemein verbreitet. Man unterscheidet drei Runen-

! alphabete, deren ältestes 16 Buchstaben hat, welche das zweite besonders bei den Sachsen

j gültige durch neue Stäbe erweiterte, während das jüngste sich schon dem lateinischen

! System anbeqnemt. Die Verschiedenheit dieser Runenalphabete unter sich bezieht sich

theils auf die Zahl der Stäbe, theils auf die Anordnung derselben und die damit zu-l sammenhängende Bestimmung der Buchstaben für den Zahlwerth, theils ans die Formder Stäbe sund ihre Richtung nach der rechten oder linken Seite. In unleugbaremZusammenhänge mit der Runenschrift steht sodann das gothische Alphabet des, Ulfilas, oder richtiger Wulfila, von 348 bis 383 oder 388 Bischofs der Westgothen in

s Mösien. Nur über das Verhältnis des Einflusses heimischer und auswärtiger Elemente

! bei der Bildung der neuen Schrift herrschen verschiedene Ansichten. Nach Kirchhofs(Das gothische Rnnenalphabet. Berlin, 1851) besaßen die Gothen vor Wulfila einAlphabet von 25 Zeichen, welche nach denselben Grundsätzen und meist mit denselben

> Namen benannt waren, wie die Runen der Angelsachsen und Normänner, wahrscheinlichauch dieselbe Reihenfolge hatten und wenigstens zum Theil dieselbe Gestalt: Wulfilaaber richtete das griechische Alphabet, das die Gothen durch seine Vermittlung an-

! nahmen, für die Bezeichnung der alten feststehenden 25 Laute ein. Zacher (Dasgothische Alphabet Wulfilas und das Runenalphabet. Leipzig 1855) nimmt dagegen an,Wulfila habe bei der Bildung seines Alphabets nicht zunächst fremde Alphabete zuGrunde gelegt und die Runen nur zur nöthigen Aushülfe herangezogen, sondern er seivielmehr von diesen ausgegangen und habe sie nur soweit umgestaltet und mit fremdenElementen versetzt, als sein Zweck erheischte. Etwas schwerfälliges hatte diese neueSchrift schon dadurch, daß eine Unterscheidung von Majuskeln und Minuskeln nicht

Pädag. EncykwpLdie. I. 2 . Aufl. 1