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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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921
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Tüdamerica.

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Sclaverci hat seit 1. Aug. 1838 aufgehört. Diese bedeutungsvolle Maßregel ist nichtausgcführt worden, ohne daß die öffentliche Ruhe vorübergehend gestört worben wäre; dieAufregung war groß auch unter den Negern selbst. Man hat die Sclavcnbcsitzer miteiner Entschädigung von 4,268,809 Pf. St. abgcfnnden, während der Werth sämmtlichcrSclaven der Colonie 9,485,599 Pf. St. betrug; ein den freien Arbeitern gewährterenergischer Schutz hat das Uebrige gethan. Man darf nicht erwarten, hier einen sehrhohen Stand intellectueller und sittlicher Bildung zu finden. Die Sittenlosigkeit istgroß; regelmäßige Ehen sind verhältnismäßig selten. Man schickt aus ungesetzlichenVerbindungen meistens mit Farbigen entsprossene Kinder häufig nach Europa, um siedort erziehen zu lassen: sie kommen feingebildet und unterrichtet zurück, aber sobald sieden Fuß auf den Boden der Heimat gesetzt haben, werden sie wie Parias und Helotenbehandelt. Die Sclaverci ist abgeschafft, aber das Vorurtheil ist geblieben: so reich sieoft sind durch ihre Väter, die Weißen verachten sie, und da entbrennt dann in ihrenSeelen ein unvertilgbarer Haß.*) Das ist ein trauriges sociales Bild; im spanischenund portugiesischen America findet sich nichts dem ähnliches, das muß man eingestchcn. Im I. 1851 waren nur 9938 römische Katholiken im Lande, die Zahl der Hindusund Muhammedaner belief sich auf 7037, der ganze Rest der Bevölkerung gehörte denverschiedenen Kirchen und Denominationen Großbritanniens an; die Angaben fehltenüber die Religion von 21,710 Menschen. Methodistische, wesleyanische, baptistische u. a.Missionäre wirken unter den Negern und Indianern; die letzten: werden auch voneinigen katholischen Priestern besucht. Wappäus giebt uns folgende Schulstatistik:1857 gab es 103 Schulen, die ganze Schülerzahl im I. 1860 betrug 4820. George-town**) besitzt eine gute höhere Schule (tzuoens eoll6§e). Nach dem Census von 1851konnten von den 127,695 Einw. nur 12,952 lesen und schreiben; 11,466 konnten bloßlesen.

d) Holländisch Guayana. Glühendes Klima; Anbau der Gctreidearten un-möglich; aus dem gleichen Grunde keine Viehweiden; dafür wundervolle Fruchtbarkeitder Tropengewächse. Man baut Zucker, Kaffee, Cacao, Baumwolle, um sie auszu-führen, folglich um sich zu bereichern: nirgend sind wohl die Sclaven grausamer be-handelt worden. Noch vor wenigen Jahren kam den Herren wenig darauf an, wennder Sclave unter der Arbeitslast erlag, wenn nur der Gewinn aus der übermäßigenArbeit seinen Verlust bezahlt machte.***) Die furchtbarsten Martern waren diesen Un-menschen nur ein Spiel, wenn es galt, einenheilsamen" Schrecken einzujagen. Manhat diese in Müßiggang und Schwelgerei lebenden gefühllosen Herren mit Satrapenverglichen, welche kein anderes Gesetz kennen, als ihre Willkür. Ihre Sitten im Privat-leben entsprachen ihrem frechen Uebermuth vollkommen; ff) auch ihre Frauen ergaben sichder Zügellosigkeit und standen ihnen an Grausamkeit nicht nach. Es ist möglich, daß

*) Wappäus S. 513.

**) Das alte Stabroek. Georgetown hat ungefähr 25,000 Einwohner, darunter viele reicheKaufleute.

***) lieber die Denkweise dieser Kaufmannsseelen vergl. man z. B. was Niebuhr erzählt (Lebcns-nachrichten von B. G. Niebuhr, Haniburg 1838, 8. S. 593):Sehen Sie, sagte mir ein Pflanzer,es ist wie mit den Glasarbeiten u. s. w., dabei können ja die Arbeiter nicht alt werden. Eben-so ist es niit unfern Negern in Guyana. Sie können es nicht lange aushalteu. lind wirhalten ja nur 2 Weiber auf 5 Männer. Herr Jesus, sollen denn alle die schönen Gegenden wüstebleiben, wo so viele tausend Orhöfte Zucker gewonnen werden können, und die Plantagen inVerfall gerathen, wenn die Einfuhr der Sklaven nicht mehr Statt finden darf? Soll das Geldin der Erde bleiben?" A. d. iiebers.

ff) Von 18471857 zählte man im Durchschnitt 256 unehliche Kinder auf 100 ehliche!In der Colonie leben 1500 Juden. Es würde auffallen, daß ihre Zahl abnimmt statt zuzn-nehmen, wenn man nicht wüßte, daß sie nur selten legitime Ehen eingehen, und daß die Kinderder Mätressen in der Regel der Religion der Mutter zufallen.