Südamerica.
bis die letzten Spuren der Sclaverci vollends verschwunden sind: wenn einst alle Be-wohner Brasiliens Bürger des Landes sind, dann muß es nothwcndig in eine neueÄera eintreten.
Anhang. Die drei Guayanas. Quellen: W. Ralcgh (1596), Hum-boldt, F. Denis (lu Vu)mu6 stc. 2 t. Raris. 1823. 12), Schomburgk, Dalton(Listorx ok Rritisli Ouiung. 2 1. Rouä. 1855. 8), Friedmann (Zustände von Nieder-ländisch Guiana im I. 1858 in Petermanns gcogr. Mittheilungen N. F. Bd. XI.1861), Rltou (VozmAö g Ou^suns, 2 vol. Ruris 1805. 8), Wappäns
(Südamerica S. 495 ff.), die Revue eolouigls, osficielle Documcntc, u. a.
Um dem Titel unseres Artikels vollständig gerecht zu werden, haben wir nocheinige Worte über diejenigen Gebiete Südamerica's zu sagen, welche auch heutzutagenoch von europäischen Mächten abhängig sind. England, Holland und Frankreich besitzenzwischen dem Essequibo und Oyapoc, in dem Lande der sagenhaften Wunder deSDorado, beträchtliche Territorien, deren wir nicht umhin können hier auch Erwähnungzu thun, und wäre es auch nur, um Gelegenheit zu geben, den Unterschied zwischen einerColonialrcgierung und einem unabhängigen Lande zu würdigen. Guayana wurde ent-deckt im I. 1498, zwei Jahre vor Brasilien; bis zum Ende des 16. Jahrhundertsführte es auch den Namen Ouribuim (Caraibenland). Anfangs von den Spaniernbesucht, wurde cs später Zielpunct der Fahrten der Engländer: der berühmte ScezugSir Walter Raleigh's trug nicht wenig dazu bei, jene lächerlichen Fabeln von denvorgeblichen Goldschätzen des Landes in Europa zu verbreiten. Von allen Seiten strömtennun Abenteurer herbei: „indem man Gold suchte, mordete man die Menschen hin,"*) und indiesen paar Worten ist die ganze Geschichte Guayana's am einfachsten zusammengefaßt.Die Franzosen erschienen hier erst seit 1624; im I. 1669 erlangte die westindischeHandelscompagnie durch ein Privilegium den Besitz der noch jetzt von Frankreich abhängendenProvinz. Auf der andern Seite hatte sich schon 1621 eine holländische Gesellschaftgebildet, um in der Nachbarschaft eine Colonie zu gründen;**) das Gebiet von Suri-nam wurde im I. 1667 eine Besitzung der Vereinigten Provinzen der Niederlande,nach dem Frieden von Breda; die Engländer bemächtigten sich derselben im I. 1804,gaben sie aber 1814 dem Königreich der Niederlande zurück und behielten nur den TheilGuayana's, welchen sie noch inne haben. Die Abtretung der englischen Colonie Para-maribo geht bis in die Regierungszeit Karls II. zurück.***) — Was die spanischen undportugiesischen Guayanas betrifft, so ist das erstere jetzt eine venezolanische Provinz, dasandere bildet einen Theil der Präsidentschaft Para in Brasilien.
u) Englisch Guayana (Lritmll Ouinim) zählte im I. 1851 nur 125,695Einw., wovon 30,141 auf die Städte Georgetown und Berbicc (New-Amstcrdam) kommen;die Zählung von 1861 bringt die Gesammtzahl auf 155,026 Einw. Die Weißen sindin bedeutender Minorität (es waren 11,558 im I. 1851, 11,488 im I. 1861), obgleichihre Zahl seit 1833 infolge der Einwanderungen aus Malta und aus Madeira sichbeinahe verdreifacht hat. Die Neger dagegen sind sehr zahlreich vertreten (94,710 imI. 1851), sodann kommen die farbigen Leute gemischten Blutes (14,754 zur selben Zeit),die aus Ostindien gebrachten Kuli's (7670) und die eingebornen Indianer (2003;„diese Zahl umfaßt aber nur die innerhalb oder in der Nähe des cultivirten Theilsder Colonie ansäßigcn" Wappäus). Das Land, zum Theil mit dichtem Walde be-deckt, ist wesentlich Plantagenland: man baut vorzugsweise das Zuckerrohr. Die
*) Ferd. Denis.
**) Die Holländer besuchten diese Breiten schon im sechzehnten Jahrhundert, um mit denIndianern Tauschhandel zu treiben. Ihre erste Niederlassung (blisuv Xmstoiäam) datirt sichvon 1580.
***) Der König von England erhielt dagegen als Tauschobject die holländische AnsiedlungHieurv Xmgteräam in Nordamerica: heutzutage New-Pork!