Südamerika.
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verschiedenen Glieder des socialen Körpers beleben nnd innig unter einander verbinden,die ganze Nation würde cS erkennen, daß ihre zukünftige Größe nnd Stärke darauf be-ruhen, daß die geistigen und sittlichen Unterschiede innerhalb derselben verschwinden.Möchten wir eine wahre Prophezeiung, nicht bloß einen einfachen Wunsch erkennenkönnen in den folgenden Worten eines brasilischen Geschichtsforschers:*) „Dann werdendiese schönen Landstriche, in welchen jetzt das Auge des Reisenden nur menschenleereEinöden sieht, mit blühenden Städten sich bedecken: Menschen verschiedener Hautfarbeund verschiedenen Naturcharakters werden hier ein einzig Volk bilden, andern Nationen Vor-bilder anfstellend, von einem und demselben Geiste beseelt, aber mit verschiedener Natur-anlagc: der Abkömmling des Europäers, der Neger, der Indianer werden zum öffent-lichen Wohl gemeinsam beitragen, jeder seinen eigcuthümlichcn Weg verfolgend."
Diese Hoffnungen sind keine Wahnbilder. Jedoch, das kann man sich nicht ver-hehlen, ihre Erfüllung hängt nur zum Theil von dem Thun der Behörden ab. Wirhaben insbesondere noch die Erziehung des weiblichen Geschlechts im Auge, welche inBrasilien eine noch sehr niedrige Stellung eiuuimmt (es giebt natürlich Ausnahmen);und das ist in jedem Lande ein großer Schaden. Die Mädchen der wohlhabendenElasten lernen Französisch und Musik gerade so viel als uöthig ist, um in der Gesell-schaft eine Rolle spielen zu können und im Stande zu sein, eine Unterhaltung über eitleund nichtige Dinge zu führen; daun verheirathct man sie und vcrurtheilt sie sofortzu einer fast klösterlichen Zurückgezogenheit. Sie lesen nicht, denn sie haben nichts zulesen: ihr Geist verengt sich. Das Herkommen will, daß sie sich wenig mit ihrenKindern abgcben: diese leben, wie oben bereits gesagt wurde, in Gesellschaft der Diener-schaft. Allerdings giebt es viele glückliche Ehen; aber darum handelt es sich hier nicht.Was wir sagen wollen, ist vielmehr, daß die herrschenden Gewohnheiten sicherlich nichtdazu beitragen, die Hinneigung zur Weichlichkeit zu bekämpfen, welche eine Folge desKlimas ist. Man hat wohl in dieser Hinsicht das spanische America dem portugiesischengcgcnüberzustcllen beliebt: der Vorthcil ist allerdings nicht auf der Seite des letztem.Die literarische Bewegung, immer und überall der Spiegel der Züge der Gesellschaft,leidet natürlich auch unter dieser Schlaffheit: die brasilischen Dichter besingen die Liebeganz so wie sie die Religion und das Vaterland besingen; die meisten ihrer Gedichteaber tragen einen gewißen Charakter schwärmerischer Idealität, der auch nicht eineAder von Ursprünglichkeit und frischer Kraft mehr erkennen läßt;**) cS ist nichts daranzu loben als die Reinheit der Empfindungen und der Wohlklang der Sprache. DiepullUouyöss u psckillo („Eingescndet," wörtlich: Veröffentlichungen auf Verlangen) aufder 8. Spalte der großen Journale wimmeln von sehr melodischen und sehr unbe-deutenden Gedichten, die man überall singt und sich selbst dazu begleitet, wo es Damenund ein Piano giebt.***) Mit einem Worte, was der gegenwärtigen Generation einwenig fehlt, oder vielleicht, darf man sagen, gar sehr fehlt, das ist Kraft, jene Feder-kraft und jenes energische Selbstvertrauen, welches die Nordamericauer auszeichnet; undferner auch, man muß es aussprcchen, etwas vom castilianischen Stolz. Vor allem aber istcs wichtig, durch die Erziehung die Frau in ihren eigenen Augen zu heben und ihreStellung in der Familie nicht so bedeutungslos zu lassen; ihre Söhne werden die erstensein, welche das Erwachen ihres Geistes au sich selber spüren werden. Gute Schulge-setze, wenn man sie uemlich befolgt, können wohl zu dem Erfolge beitragen, aber dasalte Wort bleibt immer wahr: Huiä IsZ-os siuo moribus? Warten wir nun erst ab,
*) Fcrd. Denis.
") Die brasilische Literatur zählt übrigens doch auch einige sehr ausgezeichnete Vertreter;es ist hier nur von dem gewöhnlichen, alltäglichen Schlage die Rede, und keineswegs vonMännern wie z. B. Gonzalvcs Diaz (s. Wolf, in dem oben genannten Werke).
***) Wir entlehnen diese Stelle einem Briefe, den uns kürzlich ein Freund, welcher Gelegen-heit hatte, die feinste Gesellschaft Brasiliens in nächster Nähe zu beobachten, aus der ProvinzPernambnco geschrieben hat.