Südamerica.
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und Scharfblick unmöglich beanstandet werden kann, berichten absolut Unvereinbares.Die Lösung aller dieser Widersprüche liegt darin, daß die Negierung, trotz ihrer liefenEinsicht in die wahren Bedürfnisse der Bevölkerung und trotz ihres unermüdlichen Eifers,in zwanzig Jahren eben nur die ersten Anlagen zu einem Umbau ausführcn konnte,für welchen ihre Vorgänger gar nichts gethan hatten. Wenn wir ihr Werk nach unfernIdeen beurtheilen, werden wir es gewiß noch recht unvollkommen finden: versetzen wiruns aber so recht an ihre Stelle, so werden wir sagen müßen, daß sie eine Hercnles-arbeit zu vollbringen vermocht hat,— wenigstens eine! Und dabei wird cs nicht bleiben:alle zwölf Arbeiten werden an die Reihe kommen, und wir glauben fest, daß man aufihre glückliche Durchführung bauen darf. Diese Ueberzeugung beruht auf zwei thatsäch-lichen Grundlagen: einmal ist Brasilien eine constitutionelle Monarchie, und trotz vor-übergehender Wirren haben die Einrichtungen, welche das Land im I. 182-1 erhalten undangenommen hat, feste Wurzel in der öffentlichen Meinung gefaßt; und sodann werdendieselben im liberalsten Sinne geachtet und angcwendet von einem Fürsten von ausge-zeichneten persönlichen Verdiensten, der seinen Beruf in einer Weise aufgefaßt hat, daßauch das empfindlichste Urtheil entwaffnet wird, und der nie auf andere Weise einenEinfluß hat üben wollen, als durch sein eigenes glänzendes Vorangehcn. Das ist ebender Vorzug dieser Regierungssorm, wenn das überhaupt des Staats hinlängliche Weis-heit besitzt, um die Charte treu zu halten. In den aufs beste eingerichteten Republikenkann bei jedem Prästdentenwechsel wieder alles in Frage gestellt sein; hier aber ist derstetige Fortschritt gerade durch das Festhalten der bestehenden Ordnung der Dinge ge-sichert, und man sieht am Ende ein, daß um diesen Fortschritt zu verwirklichen, es besondersdarauf ankommt, daß man sich jederzeit in den Grenzen des Möglichen halte. Nachdem Ideal Sturm laufen zu wollen, hieße alles aufs Spiel setzen. Man kann z. B.finden, daß der Elementar- und der mittlere Unterricht in Brasilien noch weit von einemNormalstand entfernt ist; allein wir dürfen nicht vergessen, daß man hier nicht wie inEuropa auf den Felsen der Ueberlieferung bauen kann. Sicherlich ist es zu beklagen,daß man sich zu ausschließlich von ausländischen Formen und Manieren hat leiten lasten;allein es ist die Frage, ob man überhaupt bis jetzt anders hat Vorgehen können. Manhatte ja zu rechnen mit dem Mangel an guten Lehrern, mit der Bildung, welche die-jenigen selbst erhalten hatten, auf deren Mitarbeit man sich nothwendig stützen mußte.Blicken wir dann höher hinauf, so haben wir anzuerkennen, daß die auf der oberen Stufedes Unterrichts erlangten Erfolge unvergleichlich viel zufriedenstellender sind, wo freilichauch weniger praktische Hindernisse zu überwinden waren. — Stellen wir uns nun aufdie oberste Sprosse der ganzen Stufenleiter und halten Umschau, so zeigt sich uns einhöchst interessantes Schauspiel. Die brasilische Regierung erscheint uns offenbar vondem Gedanken durchdrungen, daß man, um ein Land, welches unter so eigcnthümlicheBedingungen gestellt ist, ihatsächlich zur Civilisation zu führen, an die ersten Geister, andie besten Köpfe der Nation sich wenden muß, um die rechten Gehülfen zu erhalten.Daher wurde alles gethan, um die Entwicklung einiger großartig angelegten wissenschaft-lichen und ökonomischen Institute zu fördern, deren Licht über das ganze Land hin leuchtenwird, und deren Arbeiten beitragen werden und schon jetzt beitragen zur Veredlung desästhetischen Sinnes, zur einsichtsvolleren, wissenschaftlichen Ausbeutung der Reichthümcrdes Landes, zur Hebung des Wohlstandes aller Elasten. Wir nennen vor allem dasInst ituto üistorioo, Aöo§raxü1oo 6 stünoArupdioo äo Ilrasil, welchemohne Frage die erste Stelle unter allen gelehrten Gesellschaften in Südamerica Aner-kannt, werden muß, und welches sogar eine Vergleichung mit den ersten unserer euro-päischen Institute ähnlicher Art recht wohl auszuhalten vermag.*) Der Kaiser selbstwohnt den Sitzungen, welche alle 14 Tage in einem Saale seines Palastes gehalten
*) Die Belege für die Bedeutsamkeit seiner Arbeiten enthält die von dem Institut heraus-gegeben c Lsvista trimensal.