Südamerica.
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jährlich 2800 Milr. Fixum und 1200 Gratification; die lautes Oatlwckrutioos resp.2000 und 1200 Milr.; die Oppositäres 1200 und 600 Milr. — Was den Besuch be-trifft, so sind beide Facultäten, von Rio und von Bahia, im Wachsen begriffen, wie diefolgende Tabelle zeigt:
Facultäten.
1884.
1867.
1870.
Medi-
ciner
Pharma-
ceuten
Geburts-
helfer
Z
Medi-
ciner
Z Z§ "
Geburts-
helfer
Zu-
sammen
Medi-
ciner
.Pharma-
ceuten'
V ^
Zu- 'sammen
Rio de Janeiro. .
161
30
—
191
272
99
—
371
435')
102
2
539
Bahia.
133
25
—
158
170
39
-
209
242
100
342
Summen:
294
55
—
349
442
138
580
677
202
2
881
Im I. 1867 wurden in Rio 19, in Bahia 9 Doctoren creirt, und resp. 11 und 8Pharmaceuten. Im I. 1870 haben in Rio 44 Mediciner ihre Schlußprüfung bestanden,in Bahia 40; und resp. 60 und 50 Pharmaceuten (man klagt über die geringen Leistungender letztem in: praktischen Examen). Augenscheinlich ist man vorwärts gekommen, alleinman ist noch lange nicht so weit, daß man eine den Bedürfnissen der Bevölkerung ent-sprechende Anzahl von wissenschaftlich gebildeten Aerzten liefern könnte.
Was den intensiven Werth der Ergebniste betrifft, so sind die strengsten Kritikerdarüber einig, daß der höhere Unterricht in Brasilien viel gediegener ist, als der auf den beidenandern Untcrrichtsstufen; und zwar ist dies namentlich der Fall in den medicinischcn Facultäten.In der letzten Zeit hatten dieselben auch einigermaßen unter dem Kriege mit Paraguay zuleiden: mehrere Professoren mußten sich auf den Kriegsschauplatz begeben; ihre Collcgcnwurden aufgefordcrt, die Lehraufgabe derselben neben der ihrigen zu erfüllen, also doppeltenDienst zu thun; man mußte sogar eine Zeitlang die Concurse ganz aussctzen. Die Ne-gierung hat soeben eine sehr zweckmäßige Maßregel getroffen, indem sie dafür sorgt, daßDoctoren, welche im Auslande promovirt haben, von jetzt an leichter in die Facultätenausgenommen werden können (s. oben!): so wird sich der regelrechte Gang baldwieder Herstellen. — Da nun aber auch die Kritik noch das Wort haben soll,so ist zu sagen, daß hier wiederum der Unterricht ein zu formalistischer, zu ein-geengter ist. Einerseits sieht man daS Heil nur in Reglements und in Lehrplanen, so daß zwar „die Flagge die Waare deckt/ aber die Professoren genöthigt sind'sich buchstäblich an den Lehrplan zu binden, welchen einzuhalten sie sich verpflichtet'haben, und gänzlich jener akademischen Freiheit und Selbstbestimmung entbehren, ohne welcheman unausbleiblich zum Stillstand verdammt ist;*) **) andererseits (es ist Agassiz, welcherhier spricht) „werden die Hülfswistenschaftcn, welche doch, man mag sagen was man will,die Grundlagen einer tieferen medicinischen Bildung sind, vernachlässigt oder ungenügendvorgetragen. Man legt in diesen medicinischen Fachschulen der Zoologie, der vergleichendenAnatomie, der Botanik, der Physik und der Chemie nicht genug Wichtigkeit bei, derUnterricht wird nach Büchern gegeben, statt nach Thatsachen." — „Ucbrigens," fügt der klarblickende Beobachter hinzu, „so lange in Brasilien das Vorurtheil gegen die Arbeit mitder Hand besteht, wird auch der praktische Unterricht schlecht gegeben werden; so langediejenigen, welche die Natur studiren, meinen, cs schicke sich für einen Gentleman nicht,
*) Von diesen 435 Medicin Studirenden sind 245 aus der Stadt Nio de Janeiro.
**) Dieses Urthcil von Tschudi, dessen Geneigtheit zu günstigster Beurthcilung wir oben hcrvor-gchoben haben, kann ebendeshalb unmöglich parteiisch erscheinen. Absichtlich geben wir hier nichtnur den Eindruck wieder, welchen die officielleu Uolatorios hervorbringcn, sondern suchen mitVorliebe bei jeder Gelegenheit die Ansichten competenter Reisenden zu geben.
PLdag. Encyklopädie. H
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