Südamerica.
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Hoffnung auf Besserung fern, so lange der ganze Unterricht direct oder indirect in denHänden des Klerus liegt, eines Klerus, der mit wenigen Ausnahmen zu der verach-tungswürdigsten Classe der Gesellschaft gehört." *) Es ist möglich, daß der Klerus vonGuatemala eine so harte Beurtheilung verdient hat, wie sie in dieser letzten Bemerkungausgesprochen ist. Allein man darf wohl auch fragen, wie es möglich wäre, ohne seineBeihülfe Vorgehen und etwas leisten zu wollen, so heruntergekommen er auch sein mag-Unterdrücken, Umstürzen ist leicht; aber zum Aufbau braucht es Material; radicalc, unterder Herrschaft der Leidenschaft dictirte Maßregeln sind mehr zu scheuen als die Mis-bräuche einer Jahrhunderte alten Institution, wenn die ganze Eigenart der Nation nochnicht vorbereitet ist, jene Maßregeln zu fassen und zu ertragen. Man mag die Geistlichkeitaus den Schulen verbannen, gut — aber wo findet man in einem Lande wie Guatemaladie Leute, um die Schulen zu leiten? und in welchem Geiste würde dies geschehen?
Erwähnung verdient noch die Loeisänä patriotioo-eeouvmiea, welche im I. 1795gegründet wurde und alle Revolutionen überlebt hat. Sie ist nicht mehr so blühendwie früher; indessen unterhält sie eine Schule für Zeichnen, Scnlptur und Mathematik,dazu veröffentlicht sie ein Journal und theilt Preise aus für Jndustriearbeitcn.
2. Honduras. In Belize ist eine für ausgezeichnet gut geltende Freischulc, inwelcher 300 Neger oder farbige Kinder erzogen werden; aber Belize gehört den Eng-ländern. Das unabhängige Honduras besitzt zwei Universitäten, in Comayagua undin Tegucigalpa, das sind aber kaum etwas mehr als einfache Schulen. Die meistenLehrstühle bleiben unbesetzt oder sind kläglichen Stümpern anvcrtraut. Die jungenHerren aus den wohlhabenden Familien gehen um zu studiren nach Guatemala odersonst wohin ins Ausland. In einer Bevölkerung von etwas mehr als 300,000 Seelen,welche übrigens eher abzunchmcn als zu wachsen scheint, zählte man im I. 1854 nur197 öffentliche Schutzen, im Durchschnitt besucht von je 25 Schülern, was kaum einenSchüler auf 60 Einwohner crgicbt. Das System des wechselseitigen Unterrichts isthier im Schwang, man lernt lesen, schreiben, rechnen; zuweilen auch bloß lesen, weilviele Schulen auch das allernöthigste Material nicht haben. Im ganzen Staat ist nureine Bibliothek, eine der armseligsten, die es geben mag, und kaum unterhalten; diefrüher ziemlich zahlreichen Klosterbibliothekcn sind infolge der politischen Wirren in alleWinde verstreut worden. Andererseits ist auch nichts sonderliches zu erwarten voneiner verarmten, unwissenden, kaum civilisirten Geistlichkeit, die sich in den letzten Zeitenauch aus Negern rekrutirt hat. Seit 1850 sind die Priester ermächtigt zu heirathen;cs ist immerhin merkwürdig, daß ein Bischof als Mitglied der Deputirtcnkammer esgewesen ist, der das Gesetz einbrachte, welches die Verpflichtung der Ehelosigkeit von ihnennahm.**) Der Katholicismus ist Staatsreligion, aber in Wirklichkeit herrscht die größteToleranz. Andersgläubige sind jedoch zu sehr zerstreut und zu wenig zahlreich, um darandenken zu können, eigene Hospitäler und Schulen zu gründen.
3. San Salvador. Diese kleinste der mittelamericanischcn Republiken hat da-für eine viel dichtere Bevölkerung als ihre Nachbarinnen, sie erreicht beinahe die Zahlvon 400,000 Seelen, worunter nur 10,000 Weiße und etwa 50 Fremde. ***) Materiellist das Land in gedeihlichem Stande; die Cultur des Jndigo's ist einträglich, die In-dianer sind arbeitsam und halbcivilifirt, der Ausfuhrhandel ist keineswegs unbedeutend.In geistiger Beziehung sind die Zustände ungefähr dieselben wie in Honduras. Dienach dem Erdbeben von 1854 provisorisch nach Cojntepec verlegte Universität vonSan Salvador ist dem Range nach die zweite der mittelamericanischcn Universitäten.Sie zählte damals 250 Studenten und genoß ein Einkommen von 15,000 Pesos. DieeatkärnUeos, zehn an der Zahl, waren leider sehr schlecht bezahlt (400 Pesos). In
*) Petermanns gcograph. Mittheil. 1868, S. 90.
") Wappäus S. 305.
*") Nach dem Gothaer Almanach würde die Gesammtbevölkerung San Salvadors auf600,000 Seelen sich belaufen, wovon nur 9000 Weiße.