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9 (1873) Spanien - Vives
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Südamerika.

die Indianer nnd sorgte wenigstens- einigermaßen, wenn anch schlecht genug, für dieErziehung des gemeinen Volkes, und verband durch einen gemeinsamen Unterricht inReligion und Moral in gcwißcr Weise doch die verschiedenen Naccn miteinander.Seit nunmehr die fünf Freistaaten politisch getrennt sind, ist jeder derselben in derReorganisation des öffentlichen Unterrichts seinen eigenen Weg gegangen. Allein ge-stehen muß man es: ihre auf sich selbst angewiesenen Regierungen haben nur ihre Un-macht und Unfähigkeit erwiesen; viel mehr haben sie nicht erreicht.

1. Guatemala. Wir lassen die Indianer bei Seite, welche sich überhaupt wenigmit der übrigen Bevölkerung mischen, noch ihre alten Sprachen sprechen, ihre Ucber-lieferungen bewahren, und trotz den Bemühungen der Missionäre da und dort nocheinem grasten Götzendienst ergeben sind. Die Weißen sind größtentheils in den zweiansehnlichen Städten zusammengcdrängt, welche den Namen Guatemala führen (la an-tixua und la nusva), außerdem begegnet man ihnen überall nur in kleineren Gruppen.Die Erziehung des Volkes ist in den Händen der Geistlichkeit, allein diese Aufgabein genügender und regelmäßiger Weise zu erfüllen, erlauben schon die kärglichen Mittelnicht, welche die Revolutionen dem Klerus noch gelassen haben, so wenig als die strengenMaßregeln, welche man gegen denselben gerichtet hat. Zwar sind auch hier die Jesuitenzu Hülfe gekommen, aber man würde sich gröblich täuschen, wenn man sich vorstellenwürde, daß ihre Schulen hier zu Lande den Anstalten ähnlicher Art, welche sie inEuropa gegründet haben, irgend gleichkommen. Man zählt in der Hauptstadt 26öffentliche Primärschulen (10 für Knaben, 16 für Mädchen) und mehrere Privat-institute. Die einen wie die andern lasten viel zu wünschen übrig, da auch die öffent-lichen Schulen kaum andere Hülfsquellcn haben, als immerhin precäre freiwillige Gaben.Was das mittlere und höhere Schulwesen betrifft, so finden wir in dieser Hin-sicht nur zu erwähnen die Mittelschule und das Gymnasium (6ols§io) in Guatemalala antigua, welches vordem in gutem Rufe stand; ferner das bischöfliche Seminar(Oolössio Miäsutino), das dolössio äs 1a Miniäaä in Guatemala la nueva, endlich dieUniversität in derselben Stadt, deren Rector, nach der Constitution vom 19. Oc-tober 1851, von Amtswegen Mitglied des Staatsraths ist. Diese Universität genießteinen bedeutenden Ruf bis in die Nachbarrepubliken hinein, obgleich diese auf demeigenen Gebiet wissenschaftliche Anstalten dem Namen nach von gleichem Range ein-gerichtet haben; darum stecken aber die Guatemalenser doch noch tief in geistigerFinsternis. Sie haben kaum eine Idee von Wissenschaften und Künsten. Das Aeußeregilt ihnen alles, ihr Luxus ist ebenso großthuend, wie ihr Hirn leer. Eine Erziehungdes weiblichen Geschlechts giebt es eigentlich nicht; die Frauen der wohlhabenderen Elastenhaben nur einen Gedanken, eine fixe Idee: auf der Höhe der französischen Moden zusein. Die hier folgende Stelle aus einem Brief des vr. Gust. Bernouilly sagt unsdarüber mehr als jeder Commentar über den Firnis von Civilisation bei diesem ent-nervten Volke:Diese bloß äußerliche Modesucht bietet dem Beobachter nicht selten dielächerlichsten Contraste dar. Wer würde z. B. glauben, wenn er auf dem Abend-spaziergang nach dem Calvario eine elegante Dame von Seide rauschend und mit mäch-tiger Crinoline antrifft, daß dieselbe Dame eine Stunde vorher mit aufgelöstem und un-gekämmtem Haar auf einer Strohdcckc am Boden sitzend ihre Mahlzeit ohne weiteresBesteck als das von der Natur verliehene zu sich genommen hat; oder daß jene andere,welche rechts und links grüßend auf dem muthigen Paßgänger rasch vorüberfliegt, so-bald sie zu Hause ankommt, nichts eiligeres zu lhnn hat, als die unbequemen Sannnt-sticfelchen auszuziehen und so ihren Füßen die von Kindheit auf gewohnte Freiheitwicderzugcben? Alles ist bloß auf den Schein berechnet, so auch die geringe Bildung,welche der Jugend der höheren Stände zu Theil wird; daher im allgemeinen eine un-glaubliche Unwissenheit herrscht. Das ganze spanische America hat fast keine Männeraufzuweisen, die sich in irgend einem Zweige des menschlichen Wissens einen über dieGrenzen ihres Vaterlandes hinausreichendcn Namen erworben hätten. Auch liegt jede