Südamerica.
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keiner des felgenden Tages sicher ist? Man betäubt sich, man lebt in den Tag hinein;die häuslichen Tugenden nehmen ab, jeder gewöhnt sich daran, nur für sich zu leben,und der sociale Organismus ist schließlich in Gefahr, sich zu zersetzen und anfznlösen.Die Mcxicanerin ist nichts als ein zierliches Spielzeug, mit dem der Mann seine Eitel-keit befriedigt; keiner denkt daran, daß sie auch eine zu bildende Seele hat, daß sie alsGattin und als Mutter Pflichten zu erfüllen hat, daß sie ein Vorbild sein und Lehrenerthcilen soll. Man sagt uns, daß ein Anfang zum Bessern gemacht sei;*) wirwünschen das von Herzen, aber wir wagen noch nicht recht daran zu glauben. Sicher-lich wäre ein Fortschritt hierin ganz Wohl möglich, wenn es nur auf die natürlichenAnlagen der Mericancrinnen ankäme: irr dieser Hinsicht ist man darüber vollkommeneinig, daß eine Vergleichung zwischen den beiden Geschlechtern nicht znm Nachtheil derFrauen ausfallen würde. In jedem Fall wird noch geraume Zeit vergehen, bis eineReform in der Erziehung den Nationalcharakter hinreichend modificiren wird. Einigebehaupten, daß der Präsident Juarez, in dessen Adern Jndianerblut fließt, der Aus-gangspunct und Eckstein für eine neue Ordnung der Dinge sein werde, dadurch daßmit ihm eine lange Zeit darniedergehaltene Race wieder auf der Schaubühne der Welt-geschichte erscheint. Es ist möglich, daß Mexico mit einer neuen Civilisation in denWehen liegt, am klügsten aber wird es sein, sich aller Prophezeiungen zu enthalten:zur Stunde, da wir dies schreiben, scheint die Aera der Revolutionen noch lange nichtzu Ende zu sein.**)
Das Budget von 1868 auf 1869 zählt unter den Ausgaben für Justiz und fürUnterricht eine Pauschalsumme von 380,640 Dollars auf, im Budget des folgendenJahres figurirt dagegen als Betrag der Einnahmen des Departements für den öffent-lichen Unterricht eine Summe von 93,384 Dollars. Die nöthigen Data, um dieseZiffern zu zerlegen und zu belegen, fehlen uns gänzlich.
II. Mittclamerica. Mit diesem gemeinsamen Namen bezeichnet man bekanntlichdie fünf Republiken Guatemala, Honduras, San Salvador, Nicaraguaund Costa Rica, nebst dem englischen Honduras (Belize) und der Mos-quitosküste; kurz das ehemalige Generalcapitanat Guatemala mit Ausschluß vonUucatan und Chiapas, welche sich davon losgetrcnnt und an Mexico angeschlosscn haben.Unter 2,665,000 Einwohnern nach dem Census von 1865 zählt die Weiße Race nur134,000 Seelen, wovon 80,000 auf Len Staat Costa Rica kommen. Die Mestizenbelaufen sich auf 1,000,000, die Indianer auf 1,500,000, den Nest bilden Neger undihre Mischlinge. Die weiße Minderzahl, im allgemeinen von spanischen Crcolen ab-stammend, bildet eine Art Handelsaristokratie, während die Weißen Mexicancr undPeruaner sich endlich darein gefunden haben, die Ländereien anzubaucn, womit ihreVäter zur Zeit der Eroberung belehnt worden waren. Im Freistaat Guatemala alleintrifft man übrigens ebenfalls eine gewisse Zahl von landbcbauenden Grundbesitzern;hier allein ist Liese Classe von bedeutenderem Einfluß. In den übrigen Staaten habendie Geschäftsleute das Uebergcwicht.
Wir waren durch den Stand der geistigen Bildung in Mexico nicht sonderlich er-baut; noch weniger wird dies der Fall sein bei den Mittelamericancrn. Die unbarm-herzige Verfolgung, welche dieselben im I. 1829 gegen die Geistlichkeit ins Werk ge-setzt haben, hatte nichts zur Folge, als die Verarmung der Kirche zum Schaden derCivilisation und wenn sie zum Zweck gehabt hat, dem Lande Frieden zu verschaffen,so hat sie genau das Gegentheil erreicht. Trotz dem Verfall, in welchen die Geistlichkeitversunken war, vertrat sie doch fast allein den gebildeteren Thcil der Nation; sie schützte
*) Vgl. die 70 Mädcheninstitute in Puebla, welche oben aufgefnhrt wurden. Anm. d. Ilcbers.
") Juarez ist am 18. Juli 1872 gestorben, nachdem obige Zeilen bereits geschrieben waren.Sein Nachfolger ist Sebastian Lcrdo de Tejada, einer der Mitbewerber um die Präsidentenstclleim vorangegangenen Jahre.
Pädag. EnchNopäbic. IX.
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