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Südamerica.
zum Anbau ciu Stück Laubes an, den Weibern und Kindern gab man Wolle zumSpinnen. Die Zeit für die Arbeit war fest bestimmt, und ebenso die Zeit für die Er-holung; man machte viel Musik, zumal in der Kirche. Auf dem Felde, beim Gebet,beim Spiel, überall war ein Aufseher: der Jesuit war der Schatten des Wilden.*)
Ein entschiedener Gegner der Jesuiten, Edgar Quinct, erkennt an, daß diese Er-ziehungsmethode, „welche die Völker im reiferen Alter ersticken würde," doch eine Zeit-lang für große Kinder wie die Gnaranis vortrefflich gepaßt habe: aber er macht sogleichauch die richtige Bemerkung, daß sie Zeugnis gebe von einer unübertrefflichen Geschick-lichkeit, diese Kinder anznlocken, indem man ihnen alles gewährte, „nur das nicht, wasaus dem Kinde einen Mann machen konnte." Sie machte die Indianer fügsam, abersie knickte zugleich ihre natürliche Kraft so sehr, daß sie dem Schulstccken der Jesuitennur entgiengen, um unter den Stock eines vr. Francia zu kommen, nachdem sie sichunfähig gezeigt hatten, ihre Angelegenheiten selber zu leiten.
Was für einen Unterricht empfiengen sic? Sie lernten die Fragen und Antwortendes Katechismus auswendig. Sie konnten lesen. Aber was hatten sie zu lesen? Siekonnten schreiben, sogar mit kalligraphischem Schmuck: eine überflüssige Kunst! Nichtsvon dem, was in Europa vorgieng, gelangte bis zu ihnen: sie lebten wie in einemTreibhause abgcsperrt, eingebunden buchstäblich wie Wickelkinden. Ohne leugnen zuwollen, daß die Jesuiten in Paraguay mehr als einmal bitter und ungerecht verleum-det worden sind, kann man sich doch wohl hinsichtlich ihres Systems dem Endurthcilvon Waih anschließen: „Eine Gewöhnung zu unfreiwilliger Arbeit für fremde Zweckeund eine sorgenfreie Existenz sind keine Entschädigung für die Vernichtung jeder eigenenselbständigen Lebensregung, und der Misbranch geistiger Ucbcrlegenheit ist nicht wenigerverwerflich als der Misbranch der physischen Gewalt, die der Herr über den Sklavenhat."**)
Wenn der jesuitische Geist die Civilisation Paraguays im Keime verdorben hat,so wird man doch darum nicht leugnen, wir sagen cs noch einmal, daß ein edler Ge-danke und eine grenzenlose Hingebung die Gründer der Neductionen begeistert haben.Wenn der Erfolg ihrer Anstrengungen früher oder später es wieder einmal durch dieThat hat erweisen müßen, daß alle künstlich gemachte Erziehung antisocial und anti-human ist, so kann man ihnen doch das Zeugnis geben, daß sie sich eifrigst und an-gelegentlichst mit dem Loos der unglücklichen cingebornen Stämme beschäftigt haben,mit denen die spanischen Ansiedler nichts anznfangen wußten, als sie zur Verzweiflungzu treiben und so das sittliche und materielle Gedeihen ihrer eigenen Niederlassungenzu gefährden. Allein die Jesuiten waren vor allem selbst auch getrieben vom Geisteder Eroberung; sic träumten nicht bloß von der Gründung einer platonischen Republikunter Le» Indianern: sie setzten sich auch mitten unter den Weißen fest, und da siedurch die Ucberlcgcnheit ihrer Bildung und die Macht ihrer Disciplin den Sieg über diegewöhnlichen Geistlichen davontrugcn, so hatten sic bald die ganze öffentliche Erziehungin ihrer Hand. Die P. P. Alonzo Medrano und Francisco de Figneroa kommenganz bescheiden nach S. Fe, im Jahr 1682, mit der Ermächtigung, daselbst ein Colegiozu gründen, sic haben keine Kirche, keine Locale, keine Einkünfte.***) Aber man be-darf ihrer; bis dahin hatte man in jener bedeutenden Stadt, um die Jugend zu unter-
,*) Orstinsan-äolx Bd. III. S. 330. — Mit der Zeit wurde dieser Communismus aller-dings weniger despotisch. Das Privateigenthum fand allmählich einen Platz neben dem Eigcnthumdes Gemeinwesens. Man gab den Wilden Feuerwaffen in die Hand, bildete Landwehrcompagnienans ihnen. Aber die Jesuiten lockerten erst dann die Zügel, ohne sie übrigens zu lösen, als sienicht mehr zu fürchten hatten, daß eigene Lebcnsregungen einen Durchbruch versuchen könnten.
**) Th. III. S. 462. — Wir verweisen den Leser ans die allgemeinen Betrachtungen vonWagenmann in dem Artikel „Jesuiten," Encyklop. Th. III. S. 742 und 743.
***) Lolsgio msntal o iäoaäo, puss äs oolsAio solo tenia rsotor x subäitos, sin inlirioa,sin IZIssin, sin rentos v sin üo"sr (Onssani, n. 12).