Südamerica.
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kommen hier an einen Pnnct, welcher Gegenstand hitzigen Streites geworden ist, unddie Erziehnngsfrage ebenso nahe angcht als die politische.
Schriftsteller aus den entgegengesetztesten Lagern, Muratori, Montesquieu, Buffon,Robertson, ja Voltaire selbst haben den Jesuiten in Paraguay überschwengliche Bewunderunggezollt: eine nicht geringere Anzahl anderer' dagegen, vom 17. Jahrhundert bis zu nnsernTagen, haben sie ohne Einschränkung verdammt. Die Gerechtigkeit verlangt, daß manzwischen diesen zwei äußersten Gegensätzen eine mittlere Stellung einnehme. Man kann den Je-suiten den Ruhm nicht versagen, daß sie allein durch religiöse Einwirkung wilde, jederFügsamkeit und jeder Cultur ursprünglich widerstrebende Stämme gezähmt haben: aberman muß auch anerkennen, daß sie dieselben nicht anders zu regieren wußten, als da-durch, daß sie diese ihre Zöglinge in einem Zustande fortwährender Kindheit erhielten: —indem sie die Paraguayer von der übrigen menschlichen Gesellschaft systematisch ab-schloßen, machten sie dieselben gewißermaßen unfruchtbar. Es ist ein trauriges Utopien,jener Wahn, der da meint, aus der Klosterrcgel das politische Gesetz der Nationenmachen zu können.
Die Geschichte Paraguays ist in Wirklichkeit die Geschichte eines solchen Utopiens.Der Gesellschaft Jesu war cs gestattet, mit ihrem Erzichnngssystem au einem ganzenVolke völlig frei zu erperimeutiren. Das Beispiel steht so ziemlich einzig da in der Weltge-schichte. Es stimmte ganz gut mit den Zielpuncteu Spaniens überein, den Jesuiten in der Ver-waltung des Gebiets, in welchem sich die Rednctionen befanden, vollkommen freie Handzu lassen. Die frommen Väter begannen damit, daß sie den Neubckehrtcn, welche dieDörfer beziehen wollten, für materielle Hülfsquellcn sorgten, unter anderm indemsie dem Handel mit dem Mate- oder Guaminikraute (den Blättern des Ilex xara-Auuriensis 8. Uil., einer Art starken Thees, dessen ausgezeichnete Wirkung gerühmt wird),eine große Ausdehnung gaben. Aber zugleich gestatteten sie keinerlei Lirccten Verkehrzwischen ihren Colonistcn und den Leuten draußen in der Welt. Um diesenZweck zu erreichen, verboten sie jenen, spanisch zu sprechen, obgleich sie dieselbenspanisch lesen nnd schreiben lehrten. Jedem Spanier, jedem Mestizen, jedem fremdenIndianer war es untersagt, in die Reductioneu einzudringeu: dies war das Hauptmittcl,meinten die Patres, um den Stand der Unschuld bei den Ncubekchrten unbefleckt zuerhalten. Nachdem dieser Sanitätscordon fest gegründet war, ergriffen sie entschlossendie Zügel der Negierung und wendeten nun ihre Grundsätze im großen Stil an. ZweiMissionäre ließen sich in jedem Dorfe nieder, der eine besorgte die geistlichen, der an-dere die weltlichen Angelegenheiten der Gemeinde. Neben der Kirche stand das Schul-gebäude, welches außer der Wohnung der Priester einen Saal für den Unterricht, einendesgleichen für Gesang und Tanz, und ferner Werkstätten enthielt. Die breiten, regel-mäßigen Straßen waren mit niedrigen, nach einem ganz gleichförmigen Plan erbautenBacksteinhäuscrn eingefaßt, ganz wie in den modernen Arbeitcrstädten. Die Häuserwaren in acht oder zehn Gelasse abgetheilt, für cbensoviele Familien. Gold undSilber strahlten in reichster Fülle in den Kirchen, aber sonst nirgends. Aller weltlicheLuxus war verbannt, in der Kleidung wie im Hausgcräth. Die Jesuiten behielten sichdie Verwaltung des Vermögens vor und übten die Polizei durch Kazikcu aus, diescheinbar ihr Amt von den Dorfbewohnern hatten, in Wirklichkeit aber gänzlich vonden Vätern abhängig waren. Die geringsten (Übertretungen wurden streng bestraft;Gebethersagen, Fasten, Einsperrung, im Nothfall Geißelung und öffentliche Bußübungcn:das war die Weihe der Gesetze. Die absoluteste Bevormundung lastete auf allen. Beijedem Wechsel der Jahreszeit schritt man zu einer Vertheilnng von Kleidungsstücken;und zwei- bis dreimal in der Woche erhielt jede Familie ihre Ration an Fleischu. dgl. Die Mahlzeiten fanden zu bestimmten Zeiten statt. Die Feldfrüchte und dasGetreide wurden in Vorrathsmagazineu niedergelegt, und man entnahm daraus nichtbloß, was die Gesunden zu ihrem Unterhalt bedurften, sondern auch was für die Ver-sorgung der Waisen, der Kranken u. s. w. erforderlich war. Man wies einem jeden