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Südamerica.
Im I. 1566 kamen sie nach Florida; zwei Jahre später begegnen wir ihnen inPeru, 1572 setzten sie sich in Mexico fest, 1593 drangen sic nach Chile vor. DieserTheil ihrer Geschichte hat unstreitig ruhmreiche Blätter: ohne ein irdisches, wenigstensohne ein persönliches Interesse traten sie allen Gefahren, allen Leiden entgegen, um durchSanftmnth und freundlichen Zuspruch das Zutrauen der Eingeborncn wieder zu ge-winnen, welche durch die Grausamkeiten der ersten Sieger mit wildem Haß gegen dieEuropäer erfüllt waren; in dieser ersten Zeit hatten sie in dcr That keinen andern Ge-danken, als einzig und allein, und wäre cs um den Preis des Martyrthums, an derAusbreitung des socialen Gottesreichs, oder genauer, des Katholicismus zu arbeiten.Mächtig war ihre Organisation, sehr geschickt ihre Taktik, unermüdlich ihre Thätigkeit.Sie faßten zuerst Fuß in den Hauptstädten, und gleich darauf gründeten sie Niederlas-sungen an den entlegensten Puncten des Landes: so übten dann ihre Predigten und ihrBeispiel mehr und mehr unwiderstehlichen Einfluß auf die mitteninuewohncnde Bevölkerung,welche Von der Peripherie her belagert und den Ausfällen der Garnison im Centrumpreisgcgebcn war. Die unbeugsame Beharrlichkeit der Jesuiten sicherte ihnen bedeutsamereErfolge, als die Spanier je mit brutaler Gewalt erreicht hatten; sie colonifirteu nachArt der Römer, nie zurückgchcnd als um augenblicklich in neuem Anlauf vorzudriugen;so gewannen sie stets neue Mittclpnncte ihrer Propaganda. Im Unterrichte suchten sieihre festeste Stütze. Sie begnügten sich nicht damit, Kollegien in den volkreichen Städtenzu gründen, mau muß das wieder und wieder betonen;*) sie durchwanderten das Landals Missionäre, sie entflammten den Eifer ihrer Schüler, um aus ihnen ihre Milizzu verstärken, und alle diese Glaubensboten wurden am Ende bleibende Gäste in denHütten der Indianer; sie lehrten die Eingeborncn allerlei Handwerke, und machten sichbei ihnen beliebt, je mehr sie dieselben dahin brachten, durch eigene Erfahrung denWerth eines behaglicheren Daseins schätzen zu lernen. Sie verstanden cs auch, die Frei-heit an das Christeuthum zu knüpfen, indem sie darauf drangen, daß die getauften In-dianer aus dem Sclavenstande befreit werden müßten; der Pater Valdivia gieug sogareigens deswegen nach Spanien, um diese große Frage vor dem Thron Philipps III.niederzulegen, und als er mit einem königlichen Decret nach Chile zurückkam, hatte er dieGcnugthuung, die Ketten der Sclaven brechen zu können, wofür er freilich später nur Un-dank erntete.**) — Au den Gestaden des Parana gründeten die Jesuiten Dörfer, die so-genannten isänooionks, für die Guaranis, welche sie an den Landbau gewöhnten undin den Stand setzten, sich gegen die Unternehmungen der Weißen Colonisten zu weh-ren.***) Aber mit der Zeit kam cs dahin, daß diese Niederlassungen sich so sehr ver-mehrten, daß sie den Argwohn der letztem erregten, welche zu fürchten anfiengcu, esmöchte eine neue Macht über der ihrigen erwachsen und dieser Trotz bieten. Wir
*) ^.ubsrtus Llirasus äs 8t»tu rslizionis obristianas xsr Kluroxaw, ^.siaiu, wliieurn stOrdern novum libri IV. Imgä. 1620. 12.x. 340 (Ovlon, ^grixx. 1619. 8. x. 216) gibt folgendesVerzeichnis von Jesuitenniederlassungen in Amerika, wie sie 1618 bestanden: 1) in der ProvinzPeru haben sie in Lima außer ihrem Collegium ein Novizenhauö, ein Seminar und eineRcsidentschaft zu S. Jakob; ferner Collegien in Cuzco, Potofl, Chuquisaca, La Paz, Guamangaund Quito; Restdentschasten in Juli, Santa Cruz, de la Sierra und Orruro: Socii waren indieser Provinz 370; 2) die Provinz Paraguay zählte 116 Ordensangehörige, und hatte 7Collegien (in Chile, Assumpcion, Cordvva, San Miguel de Tucurnan, Concepcion, Mendoyaund Santa Fk) und 2 Residentschaften (Buenos Aires und San Dago del Estero); 3) DieProvinz Neugranada Hattein Santa Fkein Collegium und ein Seminar (zu SauBartolomeo),in Cartagena ein Collegium, in Tunja ein Novizenhaus, und in Panamä und Cajica Nesident-schaften: die Zahl der Socii war 100; 4) in der Provinz Mexico endlich befanden sich 340Jesuiten: sie halten in der Hauptstadt ein Profeßhaus und ein Collegium, weitere Collegien inGuajaca, Guadalajara, Puebla de los Angcloö, Valladolid, Patzcuaro, Tepozotlan, Guatemala,ZacatecaS, Merida; und Residentschaften in Veracruz, Cinaloa, Guadiana.
**) Orstinsun-ckol^, t, II. et III.
***) Obailsvolx, t. I.