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9 (1873) Spanien - Vives
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Südamerika.

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nicht gestattet, daß Eingeborne sich unter die Kleriker eindrängtcn; selbst die Kreolenwurden nur ganz ausnahmsweise zur Ordination zugclasscn. Spanien wollte absoluteHerrin über seine Kolonien bleiben, und sie beständig unter der Aufsicht eines Klerushalten, der unter der Bedingung, Organ und Helfershelfer des Staats zu sein, mit un-begrenzter Macht ausgesiattct wurde. So sicherte sich diese Politik noch wirksamer alsdurch ihr Verwaltungssystcm eine Ruhe, die allerdings auf lange Zeit hinein nicht ge-stört werden konnte, aber nichtsdestoweniger eine künstlich erhaltene war. Sie herrschtedurch die Schrecken der Inquisition wie durch die Gewalt des Schwertes, sie erlangtedie äußerliche Unterwerfung der Einwohner, aber sic konnte weder ihre Anhänglichkeitsich erwerben, noch konnte sie ihnen jene ernste, kräftigere Erziehung geben, die allein dasGedeihen der dortigen Bevölkerung, wie das des Mnttcrstaats verbürgt hätte. Stattein wirkliches Neuspanicn zu gründen, statt allenthalben den Segen der Eintracht fühl-bar zu machen, unterhielt sic den Geist des Hasses und unterband jedem Aufschwungden Nerv durch übertriebene äußerliche Frömmigkeit. Man hätte die Ansiedler allmählichan den Kampf gegen den erschlaffenden Einfluß des Klimas gewöhnen sollen; aber manthat gerade das Gegcnthcil, indem man die außerordentliche Vermehrung der Klösterbegünstigte.*) Den spanischen Amcricancrn die Flucht vor der Welt predigen, das hießeinfach, sie unwiderstehlich auf eine Bahn drängen, auf welcher sie nur zu gerne sichbehaglich dahin gleiten ließen: die unthätige Sehnsucht des Mysticismus erschien inihren Augen leicht wie eine Rechtfertigung, fast möchten wir sagen wie eine Heilig-sprechung der Trägheit. Wir wollen wahrlich das beschauliche Leben als solches nichtunbedingt verdammen, das sei ferne! Es konnte seine gute Berechtigung haben zurZeit der Einsiedler in der Thebais, allein man wird uns auch zugestehen, daß unterUmständen wie die vorliegenden es keineswegs wünschenswert!) ist, wenn der Geschmackdaran sich verbreitet.

Die ersten Eroberer, zum Thcil selbst sehr schlecht geschulte Leute Pizarro konnte nichtlesen dachten gar nicht daran, die Indianer etwas anderes lernen zu lassen als höch-stens den Katechismus. Was die Erziehung der Eingewanderten betrifft, so war sie vonAnfang an und blieb auch bis zur Epoche der Revolutionen ausschließlich der Geistlichkeit über-lassen und zwar hauptsächlich den Ordcnsgcistlichen. Es konnte nicht anders sein ,die Möncheallein besaßen noch einige Kenntnisse. Wenige Priester in Europa fanden sich bereit, zumDienst an den Gemeinden nach America zu gehen. Um den dringendsten Bedürfnissen zugenügen, mußte inan gleich anfangs alles nehmen, was sich meldete. Endlich nahinman seine Zuflucht zu den Mönchen, und diese kamen solchergestalt durch die Gewaltder Umstände in den Besitz beinahe aller Pfarrstellcn und damit auch der Schulen.Was thatcn sic, was konnten sie thun zur Verbreitung der Aufklärung? Wie wirktensie ein auf den Fortschritt der Civilisation, auf die öffentliche Moral? Leider muß manantworten: Die spanischen Americancr vegetirten im Vorhof der Erkenntnis, zumal bevordie Bourbonen den spanischen Thron bestiegen, und die Wirkungen des tief eingewurzeltenSchlendrians war eine so nachhaltige, daß weder die Bemühungen der genannten Fürsten,noch der aufgeklärte Eifer des Grafen Aranda, der unter Karl III. die indischen Kolo-nien in zinspflichtige Königreiche zu verwandeln versuchte, sie ans ihrer Erstarrung zuerwecken vermochte. Die Unabhängigkeitserklärung der vereinigten Staaten konnte aller-dings nicht verfehlen einen Widerhall in den spanischen Besitzungen zu finden. Aber hiersiel man von einem Extrem ins andere, und das blieb nicht ungestraft. Als die Kreo-len ihre Ketten abschüttelten, bildeten sie sich naivcrweise ein, es genüge dieselben zubrechen, um freie Menschen zu werden. Nun kommt aber die Reife der Völker ebenso-wenig mit einem Schlag und unvorbereitet, als die der Individuen.**) Die Nevolu-

*) Robertson Buch VIII.

Roucher, der das Werk Adam Smith'S in Frankreich einfüInN, sthrieb i:: sauer Vorredeim Jahr III. der Republik:Weil der Franzose ein freier Mann hcisten will, muß . nnh -amitanfangen, daß er arbeitet als ein fertiger, selbständiger Mann.'