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Südamerica.
tioncn sind nur insoweit fruchtbringend, als die, welche sie wagen, auch wissen, was siewollen, und insofern als sic mit Begriffen von Recht und Gerechtigkeit, von denenjedermann klar begreift, daß ihre Verwirklichung wünschcnswerth ist, im Einklang sind. Manist damit noch nicht Republicaner, daß man die Republik proclamirt; und am Ende ist ja dasvollkommenste Werkzeug unnütz oder gefährlich in den Händen dessen, der sich sein nichtzu bedienen versteht. Mit einem Wort, das spanische America ist aus seiner langenKindheit nur erwacht, um gleich am Tage nach seiner Befreiung Symptome von Alters-schwäche zu zeigen.
Und das seine Augen für die Zukunft verschließende Spanien erntete andererseits,was cs gesäct hatte. In seiner überseeischen Politik hatte es sich stets nur um die un-mittelbaren Interessen seiner Herrschaft bekümmert; es hatte sein Augenmerk we-niger darauf gerichtet, in seinen Colonicn die Bildung zu heben, als vielmehr sie zumVortheil der Staatskasse in brutaler Weise ausznbcuten. Es hatte edle Metalle aufge-häuft, ohne zu bedenken, daß ein zufälliges Einkommen, das nicht von der Indu-strie der Nation, von der Einwohnerzahl, von dem Anbau des Bodens abhängt, eineschlechte Sorte Nationalrcichthum abgiebt.*) Spanien wurde zuletzt arm, während essich zu bereichern glaubte; einerseits weil der Werth des Geldes abnimmt in dem Ver-hältnis wie die Masse desselben zunimmt, andererseits weil seinen europäischen Unter-thanen, welche keinen Antrieb hatten, aus der Fruchtbarkeit ihres Landes Nutzen zuziehen, ^später, als die in Sevilla und Cadiz zusammcngeschütteten Goldhaufen nachallen Seiten hin verstreut waren, nichts blieb als ihr Stolz und — Lumpen.
Es ist aber Zeit, daß wir zur Sache kommen. Nur zuvor noch eine letzte allge-meine Bemerkung. Die Spanier dachten nicht sowohl daran, die große Masse der Be-völkerung aus ihrer Unwissenheit zu reißen, als vielmehr in den großen Hauptstädtenfür die höhern Elasten allein Hochschulen nach Art der europäischen zu errichten, welchenicht eben in praktischer Richtung, sondern in eng klericalem Geiste organisirt waren.Man muß die hochtrabenden Lobsprüche, die von einigen Schriftstellern mehreren dieserAnstalten erthcilt wurden, nur mit großer Vorsicht aufnehmen, wenigstens für diefrühere Periode, vor dem achtzehnten Jahrhundert.
Das spanische America, bis zu den Unabhängigkeitskriegen in neun große Regie-rungsbezirke abgetheilt,**) besaß Universität en schon im sechzehnten Jahrhundert, ein-gerichtet beinahe ganz nach den Mustern des Mutterlandes. Die Universität Lima, imI. 1551 gegründet und zwanzig Jahre später von Papst Pius V. bestätigt, ist als dieälteste***) und berühmteste in erster Linie zu nennen: sudlimo snveututis seiontiücusemxoi'ium nennt sie Diego de Pinelo, der es dem Justus Lipsius nicht verzeihen kann,daß er bei Gelegenheit einer Auslassung über die Löwener Universität von der neuen Weltals einem Barbarenlande gesprochen hatte. Sodann kommt Merico, Welches bis 1553zurückgeht und 1559 seine Privilegien von der römischen Curie erhielt; ferner SantoDomingo und Quito, von Philipp II. gestiftet, jene 1558, diese 1586. Im siebzehntenJahrhundert sehen wir die Universität Guatemala (Philipp IV., 1628) und Santa Fe(1651) entstehen. Wir lassen einige Anstalten zweiten Rangs unerwähnt, obgleich mandieselben bisweilen als Universitäten bezeichnet hat, und werden sogleich auch ein Wortüber die Jesuitencollegicn sagen.
Die Universität in Lima (äs los Uo^ss), welche die gleichen Privilegien genießtwie Salamanca, war zuerst ein einfaches dem Dominicanerorden anvcrtrautes oolsxio.Es war kein rechtes Leben in ihr bis zum Jahre 1571, der Zeit, in welcher das Rec-torat in die Hand der Weltgeistlichkeit kam. Zu gleicher Zeit nahm sie auch den Na-
*) Llontssguisu, Usprit äss lois, I. XXI. ob. 22.
") Vier Vicckönigreiche (Ncugrauada, Neuspanien, Rio de la Plata, Peru), und fünfGeneralcapitanate (Chile, Venezuela, Guatemala, Havana und Puerto Rico).
"') Die königliche Stiftungsurkunde kam in Lima allerdings erst im I. 1553 an, und inWirklichkeit ist somit die Universität derselben nicht älter als die in Merico gegründete.