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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Südamerika.

ten sich gegenseitig, und fühlten sich durch eine unüberwindliche Abneigung von einan-der abgestoßcn.

Die Mulatten und Mestizen, vorzugsweise dein Stande der Gcwerbslente ange-hörig, trugen ihrerseits eine hochmüthige Geringschätzung zur Schau für alles, wasnicht einige Tropfen weißes Blut in den Adern hatte?) So hielten sic sich schadlos fürdie Erniedrigungen, welche sie von den Creolen, den Nachkommen der ersten Einwanderer,zu erfahren hatten. Aber auch diese nahmen trotz ihrer Rcichthümer nur den zweitenRang ein: die höchsten Stellen im öffentlichen Dienste und das Handelsmonopol warden oimxstones Vorbehalten, den ans Europa gekommenen Spaniern. Dagegenhatten die olmpötonos nicht das Recht, sich definitiv in den Colonien niederzu-lassen. Aus diesen Verhältnissen entwickelte sich eine gegenseitige tief wurzelnde Eifer-sucht: die Creolen zogen sich, wie vorhin erwähnt wurde, schmollend ans ihre Land-güter zurück. Da lebten sic dann in Müßiggang dahin, verkamen in Unwissenheit,wurden gleichgültig gegen alle Staatsangelegenheiten, und sittenlos durch ihren Rcich-thnm. Diese feindselige Stimmung zwischen den höhern Ständen war der spanischenPolitik keineswegs unangenehm; sie sah in der gegenseitigen Ueberwachnng der beidenParteien ein sicheres Mittel, jedes ihrer Herrschaft feindliche Unternehmen, von welcherSeite es auch kommen mochte, im voraus zu lähmen. Aber war eine so constitnirteGesellschaft auch lebensfähig?

Sie war es, die Thatsachcn sprechen: sie hat drei Jahrhunderte hindurch so bestanden.Freilich als die Bande, welche dieselbe einschnürten, sich zu lockern begannen, als der Ver-fall und die Schwäche Spaniens kein Geheimnis; mehr waren, da brach alles plötzlichzusammen. Aber die ehemaligen Vicckönigthümer äo Ins InLins errangen ihre Unab-hängigkeit nur, um der Anarchie zur Beute zu werden. Man war nicht reis für dieFreiheit, nicht im Stande etwas dauerndes zu gründen. Wir werden sehen, welche Ver-antwortung in dieser Beziehung auf Spanien lastet.

Zuvörderst was die Indianer betrifft, so war ihre Bekehrung zum Christen-thum, man muß cs gestehen, mehr scheinbar als wirklich. Die Aufrichtigkeit der erstenMissionäre, ihr Eifer und Muth, die Hingebung, welche sie bewiesen haben, könnennicht in Zweifel gezogen werden; allein auch, wenn man den Hindernissen Rechnungträgt, welche ihnen täglich durch die Unmenschlichkeiten der andern zur Besiedlung der neuenWelt mitwirkcnden Europäer bereitet wurden, kann man doch nicht verkennen, daßjene Bettelmönche im allgemeinen eben nicht ans der Höhe ihrer Aufgabe standen. DerPomp religiöser Ceremonien, der Glanz der priesterlichcn Gewänder, das waren ihremächtigen Verlocknngsmittcl. Meistens gelang cs ihnen nicht einmal, ihren naiven Zu-hörern auch nur die Ansangsgründe der Wahrheiten begreiflich zu machen, die sie ansder alten Welt einführten?*)

Ferner ist zu erwähnen, daß der Katholicismus seine Hierarchie, seine Klöster undseine Einrichtungen jeglicher Art im spanischen America auf ganz eigenthümlichcn Grund-lagen aufgebaut hat. Alexander VI. hatte an Ferdinand von Aragonien alle Zehnten,welche die römische Curie von den zu entdeckenden Ländern hätte ansprechen können,unter der Bedingung abgetreten, daß der König die Unterhaltung der Missionärefür das westliche Indien aus sich nehme. Ja Ferdinand erlangte später sogar das Recht,die erledigten Pfründen zu besetzen, so daß die spanisch-americanischc Kirche in Wahrheitihr Haupt in Madrid hatte. Zu spät bedauerten die Päpste, diese Zugeständnisse ge-macht zu haben, welche ihnen jede dirccte Einwirkung auf eine Geistlichkeit raubte, derenSitten zumal in ten Klöstern, mehr und mehr doch sehr locker wurden. Andererseitshat die spanische Politik, um das Priesterthum desto sicherer in ihrer Hand zu behalten,

-1s suis plus blano gns vons, sagt noch heute -^er Gelbbraune zu dem Schwarzbrannenans Haiti. Anm. d. llcbers.

**) 6s n'ost xas nn äogms gut a snooscks au ckoKmo; o'ost un eörsmoniat yvi a Mitxlaos a nn antrs. -VIox. cko lluwbolät, lÄsai xolitiguo eto. I. 109 ff.