Südamerika.
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beinahe gänzlichen Ausrottung der Priester und der Adclsgcschlcchtcr allmählich ebenfallsverwischt und erloschen; im ganzen Lande herrschte unsägliches Elend. In Peru wurdedie eingcborne Bevölkerung wenigstens in Dörfern zerstreut gelassen, die ihnen zu eigenblieben; in Mexico aber, zumal in den Bergwcrksdistricten, hielten die Spanier sie inihrer Nähe fest, ebensowohl um sic durch den täglichen Umgang mit den Herren derAnsiedlung an ein christliches Leben zu gewöhnen, als auch um ihre Frohndienste aus-nützen zu können. Gleichwohl fuhr man fort, die Indianer im allgemeinen so hart zubehandeln, und legte ihnen so schwere Lasten auf, daß man sic für die neuere Ordnungder Dinge nicht nur nicht gewann, sondern ihnen dieselbe im Gegenthcil immer ver-haßter machte. Wir haben bereits gesagt, daß die Regierung in Madrid alles that,um ihr Loos zu verbessern: dennoch aber wurden sie fortwährend nur wie Parias an-gesehen, sogar als noch unter den Negersklaven stehend.
Die sociale Stellung der letztgenannten war in der That eine Zeitlang lang ver-glcichungsweise eine vortheilhaftere. Als die reichen Ansiedler anfiengen, sich auf ihrePflanzungen zurückzuziehcn, folgten ihnen zu ihrem persönlichen Dienst viele Schwarze.Da die Neger gewißermaßen einen Theil des Luxus ihrer Herren bildeten, behandelteman sie auch mit einiger Rücksicht, so daß sie in ihrer angebornen Eitelkeit sich selbstals aus feinerem Stoff gemacht ansahcn als die Rothhäute. Die beiden Racen verachte-
zwölften Jahre schickte man sie in den Tempel, um sie von den Priestern erziehen zu lassen.Hier waren sie einer sehr strengen asketischen Lebenöordnung unterworfen: sie durften nicht aus-gehen, mußten mühevolle Arbeiten verrichten, und wurden an Fasten und Entbehrungen allerArt gewöhnt; die geringste Uebertretung wurde streng bestraft. Unterrichtet wurden sie in derLiturgie und in profanen Kenntnissen. Wenn sie die Schule verließen, erhielten sie ein Zeugnis,welches ihnen dazu dienen sollte, sich einen Weg in der Welt zu bahnen. — Die Töchter wurdenebenfalls in den Tempel ausgenommen, wo sic verschiedene Dienste für die Bedürfnisse des Gottes-dienstes zu leisten hatten; ihr Leben war ganz der Religion geweiht und sie verließen den Tempelerst dann, wenn sic verheirathet wurden. — Für die Knaben gab es außerdem noch Kriegs-schulen. — Die Tafeln 59. 60. 61 und 71 des Codex Mendoza geben sogar da« Maß derNahrung an, die man kleinen Kindern täglich reichen dürfe, die Beschäftigungen die sietreiben sollten,und dgl. Vom vierten bis sechsten Jahre z. B. ließ man sie leichte Lasten tragen, die auf demMarkte zu Boden gefallenen Gegenstände aufsammcln u. sofort. Mit sieben Jahren lerntendie Knaben mit dem Netze fischen, die Mädchen spinnen und ähnliche weibliche Arbeiten; imdreizehnten oder vierzehnten Jahre sollte ein Knabe im Stande sein, einen Fischcrkahn zu lenkenund in seinem Nachen Holz, Schilfrohr zu holen, ein Mädchen aber sollte verstehen Mais zumahlen, Tortillas zu backen, zu weben u. s. w. Die Söhne der Handwerker lernten das Gewerbeihres Vaters. Die Zucht war außerordentlich strenge. „Stechen mit Magueydornen (Maguepist die smsrieavir, die Aloe unserer Kunstgärtner), Schläge, Peitschen mit Nesseln und
Räuchern mit Aji in Nase und Augen waren die gewöhnlichen Strafen des Ungehorsams; demLügner wurde die Lippe gespalten. Die Mädchen, auch die aus den höheren Ständen, hielt manmit gleicher Strenge zu ausdauerndem Fleiß und zur Reinlichkeit au. Ihren Vater sprachensie nur selten; wünschte dieser sie zu sehen, so wurden sie von der Erzieherin zu ihm geführt,doch nur um in tiefer Demuth und stillschweigend anzuhören, was er ihnen zu sagen hatte. Auchdie geselligen Formen und die Höflichkeit blieben in der Erziehung nicht unberücksichtigt; außertrefflichen moralischen Lehren, die der Vater dem Sohne gab, ermahnte er ihn auch, niemandbei der Hand oder am Kleide zu fassen, weil dies zudringlich sei, mit gesenktem Haupte zuessen und damit nicht vor andern fertig zu werden, nicht geschwätzig zu sein, oder die Leutemiteinander zu verhetzen. Daß die Lehren über Kleidung und äußeres Benehmen in den Redender Mutter an die Tochter noch stärker in den Vordergrund treten, wird man nur natürlichund darum Prescottö (HI., 373) Urtheil zu hart finden, der darin „eine eigcnthümliche Mischungvon Einfalt und kindischem Wesen mit erhabener Moral" erblickt. — Wie man auch über dieMcricaner urtheilen möge, man wird zugeben müßen, daß ihre große Sorgfalt und wohlüber-legte Strenge in der Erziehung der Jugend nicht bloß nicht erlaubt sie für „Barbaren" zu er-klären, sondern es auch unzulässig macht, ihnen nur einen schwachen Anfang zu wahrer Civili-sation zuzugestehen."
PSdag. EncyNopLdic. IX.
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